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Dienstag, 9. Juni 2020

Lockdown-Tagebuch

I remember all those times
I felt so confident
When the black was black
The white was white
The gray, I never saw
All the things we take for granted
We never think they'll change
But, they change, they change

Time is changing almost everything I know
And I'm not sure where I stand or where I'll end
As black and white turn to gray
The picture of me starts to fade

Quietdrive - Picture Of Me






Ab Freitag, 20.03., 18 Uhr verhängte die Regierung Sri Lankas einen inselweiten Lockdown. Wir aktualisierten mehrmals täglich die Nachrichten und holten uns auch über die Touristenseite Sri Lankas unsere Informationen. Dort waren zum Beispiel die Anzahl der sich noch im Land befindenen Touristen (etwa 16.000) und auch die altuellen Corona-Fallzahlen aufgeführt. Der erste nachgewiesene Fall war ein Touristenführer einer italienischen Reisegruppe gewesen und langsam stieg die Zahl an von 30 auf 60 auf 100, bei dem es etwa blieb für etwa 2 Wochen. Die beiden am stärksten betroffenen Provinzen wurden komplett abgeriegelt und es wurden Essenslieferungen organisiert, damit niemand mehr vor die Tür musste. Wir lasen, dass ein paar Zurückkehrer aus Italien sich nicht in eine Quarantäne begeben hatten und dies zu den meisten Ausbrüchen geführt hatte. Alle anderen Gebiete konnten den verhängten Lockdown aussetzen, damit die Menschen Essen einkaufen gehen konnten.

So war es auch bei uns. Am Montag waren die Lebensmittelgeschäfte wieder geöffnet (allerdings auch nur diese, alle anderen Geschäfte hatten weiterhin geschlossen) und man durfte sich bis zum Abend frei bewegen.
So spielte sich ein Rhythmus ein: montags und donnerstags gelockerte Ausgangsbeschränkungen, dazwischen Hausarrest für alle. Juhu. Einkaufen war nur noch mit bedeckter Nase und Mund erlaubt, wobei auch ein um das Gesicht gewickeltes T-Shirt erlaubt war. Masken konnte man allerdings überall ohne Probleme kaufen und natürlich wurde auch das Klopapier nicht knapp. ;)
Als vor dem Supermarkt der langen Schlange (denn es durften nur noch wenige Leute gleichzeitig in den Laden - mit Sicherheit eine sinnvolle Regelung) verkündet wurde, dass das Dal (Linsen) alle sei, gingen ein paar Menschen nach Hause, doch niemand beschwerte sich oder meckerte gar rum. Es war überall außerordentlich entspannt. Jeden Tag gab es neue Informationen von der Regierung und es wurden sogar Hotlines eingerichtet, z.B. auch für Touristen. Ich fühlte mich sehr sicher und gut aufgehoben hier und man hatte das Gefühl, dass die Regierung sehr bedacht mit der Situation umging.



Für uns spielte sich auch eine Routine ein: 9 Uhr Frühstück, 11 Uhr Fitness, duschen, Früchte und Snacks zum Mittag, 17 Uhr Fitness, duschen, 19 Uhr Abendessen. Da wir das Grundstück nicht verlassen durften, machten wir nun halt zweimal 45 Minuten Sport am Tag und schwitzten trotz Klimaanlage ordentlich Wasser aus. Ein paar Mal zwischendurch brachte uns unsere Gastmama aryurvedischen Tee (oder so), der uns helfen sollte und bestimmt unglaublich gesund war. Das Zeug war allerdings wirklich nicht das leckerste Gesöff, das ich je das Glück hatte zu trinken, aber es war lieb gemeint und so tranken wir brav aus.
Zwischen den regelmäßigen Programmpunkten unseres Tages mussten wir die Zeit allerdings trotzdem irgendwie füllen. Insa spielte oft mit dem süßen Hund, Rexy, der sich immer unglaublich freute, wenn einer von uns ihn besuchen kam. :) Ein süßer, kleiner Fellball.



Ich malte ein paar kleine Motive, wenn ich dazu gerade Lust hatte, sonst schauten wir viel Netflix. Wir spielten auch immer noch Stadt, Land, Fluss gegeneinander und langsam wurde ich besser und gewann auch mal einzelne Spiele. Wuhuu. Insas Eltern schickten uns noch Worträtsel aus der Zeitung, die sie schon gelöst hatten und die wir nur mit deren Hilfe lösen konnten. Also Wörter sind echt nicht so meins. Gebt mir ein Logikrätsel und ich bin glücklich, aber Wörter... Naja.

Natürlich redeten wir oft mit unseren Familien zu Hause und da auch in Deutschland die Maßnahmen langsam angezogen wurden, waren auch alle oft zu Hause. Insa telefonierte ein paar Mal mit Freunden und es war spannend was alle so erzählten.

- Sri Lanka schloss nun auch endlich seine Grenzen - sind wir bald die einzigen Touristen hier?
- Homeoffice war das Ding sowohl in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern
- Aber es gab auch viele, die in Kurzarbeit gingen oder Betriebsferien bekamen
- Miri erzählte wie sich die Krankenhäsuer in Bremen auf die Lage einstellten und die Betten mit Beatmungsgeräten hochfuhren, während der Regelbetrieb langsam herunterfuhr
- Spannende Geschichten über Desinfektionsmittel- und Maskendiebstähle in Krankenhäusern (und wir nennen uns eine zivilisierte Gesellschaft?)
- Mehl und Hefe reihen sich in die Liste der Hamsterkäufe ein (den Leuten wird zu Hause wohl langweilig und sie entdecken plötzlich, dass sie einen Ofen besitzen)
- Die Situation in Italien läuft langsam völlig aus dem Ruder :(
- New York wird plötzlich zum Corona-Hotspot...

Und deswegen wurden die Menschen auch mal wieder kreativ, denn man muss sich schließlich irgendwie beschäftigen, wenn die ganze Welt zu Hausarrest verdonnert wird. ;) Bei Netflix war die Serie "Love Is Blind" (ein Datingexperiment bei dem sich die Menschen nur über ihre Stimme und Gespräche kennen lernen ohne den anderen je zu sehen) unglaublich erfolgreich gewesen - Insa und ich hatten die Staffel auch durchgesuchtet in Indien - und plötzlich gab es aus New York eine "Love Is Quarantine" Edition. Online Excel-Tabelle und zwei Typen, die alles organisierten und auf Social Media veröffentlichten. Denn Dating ist ja nur interessant, wenn andere dabei zuschauen können. :P Also mussten die Probanden immer kleine Videos von sich machen vor und nachdem sie ein Telefondate gehabt haben. Man konnte sich anmelden, wurde gematcht und "traf" dann mehrere Leute und telefonierte.
Insa wollte mich eigentlich auch anmelden und schrieb das auch auf ihre Lockdown-To-Do-Liste und ich hoffe es schadet ihr nicht nachhaltig, dass sie diesen Punkt der Liste nie abstreichen konnte. :D Auch mit ihrem Plan mir Tinder anzudrehen war sie gescheitert - sorry Männer, ihr müsst mich außerhalb von online Dating kennen lernen. Lol.

Am Montag und Donnerstag verbrachte ich dann so viel Zeit wie möglich am Strand und im Meer, denn ich musste raus aus unserem Zimmer. Das erste Wochenende war noch entspannt gewesen, aber die Zeit zwischen Montag und Donnerstag zog sich hin und ich wurde immer schlechter gelaunt. Das tägliche Sportprogramm hob die Laune meist wieder etwas und es war auch super nett nachmittags die süßen Affen durch die Bäume ziehen zu sehen, wenn sie über Äste turnten und sich am Stromkabel zum Dach hangelten und plötzlich über mir waren. Aber man war halt gefangen irgendwie. Und das unangenehmste an der Situation war, dass man nicht wusste für wie lange noch. Wenn jemand gesagt hätte: So, drei Wochen und dann ist es geschafft. Dann hätte man drei Wochen durchgehalten und alles ist gut, aber wenn es immer wieder um eine Woche verlängert wird und man das Ende nicht einmal erahnen kann, dann läuft man wie ein eingesperrter Tiger an den Wänden entlang und schaut unglücklich nach draußen.





Am Montag setzte sich Insa noch mit mir an den Strand, wo wir ein bisschen lasen, Musik hörten und einfach den Tag genossen, am Donnerstag war ich komplett alleine und ging so viel wie möglich in der kurzen Zeit im Wasser schwimmen. Ich hatte zwar von unserem exzessiven Training überall Muskelkater, aber das war egal.
Die Wellen wühlten das Wasser in Strandnähe immer so sehr auf, dass man komplett versandet war, wenn man aus dem Wasser kam und so stieg ich einmal nach dem Schwimmen noch kurz zurück ins Meer, um an einer nicht ganz so sandigen Stelle das Zeug aus meinem Bikini zu waschen. Klappte auch gut, man konnte an der Wasserfärbung erkennen, wo es sandiger war oder eben nicht. Als ich dann jedoch wieder raus ging, stand ich im hüfthohen Wasser und unterschätzte eine gewaltige Welle, die mich von hinten traf und komplett unter Wasser warf und kurzzeitig umherwirbelte. Mein Knie schlug auf den Boden, ich verlor eine Sekunde lang die Orientierung und dann tauchte ich etwas verwirrt wieder auf. Ich hatte nicht einmal Wasser in die Nase bekommen, aber meine Frisur war ruiniert. :D Die Kraft von Wasser ist immer wieder faszinierend.



Danach genoss ich lieber erst einmal das Rascheln der Palmen über mir und das Rauschen der Wellen vor mir. Warmer Sand, angenehmer Halbschatten und ein ziemlich leerer Strand. Könnte fast Urlaub sein, wenn man nicht wüsste, dass man am nächsten Tag wieder eingesperrt sein würde. Seufz.

Die Tage waren einigermaßen monoton, wobei es uns ja noch gut ging, wenn man bedenkt, dass andere Touristen in Hotels oder Hostels festsaßen, die nicht auf einem großen Grundstück lagen. Aber es bedrückte uns.

Gut, dass wir unser Sportprogramm hatten.. Und es war erstaunlich wie schnell man schon Fortschritte erkennen konnte. Nach 4 oder 5 Tagen war die Haut schon deutlich straffer und wir ärgerten uns, dass wir keine Vorher-Fotos gemacht hatten. Das wäre doch mal interessant gewesen. Wir schwitzten jeden Tag, aber wir wurden besser und das fühlte sich wahnsinnig gut an. Unterarmstütz für eine Minute war plötzlich durchaus machbar, nachdem wir am Anfang schon Probleme mit einer halben Minute gehabt hatten. Und wir motivierten uns gegenseitig. Alleine hätte das keiner von uns so durchgezogen, aber zusammen schafften wir es. Und das war ein gutes Gefühl.


Zwischendurch spielten wir Uno und an einem Abend liefen auf Instagram eine Reihe von Wohnzimmerkonzerten verschiedener Künstler, die ich mir begeistert bis spät in die Nacht anhörte. SDP brachte mich zum Lachen und Revolverheld schickte mich zurück in die Schulzeit. Es wird ein trauriges Jahr werden ohne Konzerte und Festivals. :(



Wir schauten nach Flügen, da natürlich auch immer mehr Verbindungen gestrichen wurden und uns klar war, dass das internationale Reisen in den nächsten Wochen oder Monaten nicht möglich sein würde. Dann kam plötzlich das Gerücht auf, dass Sri Lanka prüfen wolle, ob sie den Flughafen komplett sperren können. Es gingen pro Woche nur noch drei verschiedene Serienflüge aus Sri Lanka raus und der einzig sinnvolle davon war London. 800 Euro nach Bremen, Ankunft in London kurz vor Mitternacht und Weiterflug am Morgen. Klang alles absolut nicht verlockend. Wir warteten ab.
Insa las morgens immer die Nachrichten und alles was es sonst noch spannendes gab, während ich noch so lange schlief, wie es ging.. und dann plötzlich gab es einen weiteren Flug: Die deutsche Regierung hatte Sri Lanka in ihre Rückholflugkampagne eingeschlossen und würde in ein paar Tagen von Colombo mit einem Direktflug nach Frankfurt fliegen. Wir schauten uns an. Erstmal frühstücken, nachdenken. Aber der Preis war unschlagbar: 115 Euro pro Person. Natürlich können später noch Nachzahlungen kommen, aber verglichen mit den 800 Euro... Es war eigentlich eine ziemlich einfache Entscheidung. Wir schauten uns noch mal an, nickten. Wir würden den Flug buchen.
Es wurde ein ziemlich trauriger Tag. Mit dem gebuchten Flug war nun klar, dass unsere beiden Reisen erst einmal enden würden. Kein Nepal für mich, Abbruch nach 8 Monaten. Kein Indien für Insa. Was für ein komisches Gefühl, aber zunächst spürte ich fast nur Erleichterung. Die Tage im Lockdown waren damit endlich zählbar geworden, bald war es vorbei.
Insa nahm es etwas mehr mit, denn sie hatte ja gar kein festes Enddatum für ihre Reise und war seit über einem Jahr nicht mehr in Deutschland gewesen. Aber es war für diese Situation gerade die beste Lösung und deswegen hatten wir auch nicht diskutieren müssen. Wir würden wieder nach Deutschland kommen.

Doch einen freien Tag hatten wir noch, den wir natürlich so lange wie möglich am Strand verbrachten. Wir erkundeten nun auch endlich mal die kleine Insel und machten noch ein paar Fotos von diesem Paradies, das für mehr Tage, als wir geplant hatten, unser Zuhause gewesen war. Mirissa, du bist schön gewesen.
Insa lief viel am Strand auf und ab, ich schwamm hin und her. Ach, herrliches Meer, ich werde dich vermissen.




Die letzten beiden Tage bestanden eigentlich nur aus Warten und einer merkwürdig summenden Vorfreude. Irgendwann musste dann gepackt werden und wir bezahlten unsere Gastfamilie. Für knapp 2 Wochen und zwei Mahlzeiten am Tag nicht einmal 150 Euro pro Person (oder waren es 150 Euro insgesamt? Es war auf jeden Fall sehr wenig). Und das Essen war wirklich gut gewesen! Unsere Gastmama hatte immer versucht uns jeden Tag etwas anderes zu kochen und wusste irgendwann was uns am besten schmeckte. Sie war ein Engel.
Da wir eh noch viel zu viele Rupien übrig hatten, gaben wir ein ordentliches Trinkgeld, denn wir wussten, dass wir in den letzten Tagen die einzige Einkommensquelle für die Familie gewesen waren und jetzt wohl kaum Touristen nachkommen würden.
Zum Abschied malte ich Rexy und wir unterschrieben auf dem Blatt, damit wir nicht vergessen werden. :P

31.03.: Es ging los zum Flughafen. Wir bekamen noch schnell Bananen für die Fahrt in die Hände gedrückt, streichelten ein letztes Mal Rexy und liefen dann zum Taxi. Das hatten wir schon vorab gebucht, damit der Fahrer sich eine Sondererlaubnis holen konnte, um an diesem Tag durch den Lockdown von Sri Lanka fahren zu dürfen. Wir hatten unsere Pass- und Flugdaten durchgeben müssen und er hatte alles geklärt. Es war erstaunlich einfach gewesen. Die Hotline für Touristen hatte uns den Fahrer vermittelt und alles klappte wunderbar einfach und unkompliziert.
Wir rasten über die leeren Straßen der Insel. Nur einmal musste die hochoffiziell aussehende Sondererlaubnis vorgezeigt werden, dann kamen wir auch schon in Negombo an. Der Flughafen war weiträumig abgesperrt, Soldaten ließen niemanden rein. Es wurde mehrmals kontrolliert, dass wir ein Flugticket hatten, dass wir tatsächlich wir sind und dass der Flug heute auch fliegen würde. Auch unser Fahrer wurde noch einmal überprüft und musste sich auf einer Liste eintragen, dann durften wir vorfahren. Der Flughafen war unheimlich ruhig. Wir waren viel zu früh, aber natürlich waren wir nicht die ersten, denn in einem Flieger voller Deutscher als erstes am Flughafen zu sein, ist ziemlich schwer. ;)
Wir lernten in der Schlange ein paar ältere Deutsche kennen, die hier Häuser besitzen. Eigentlich wären sie alle (noch) nicht nach Deutschland zurück geflogen, aber die unsichere Situation und die Angst hier auf der Insel krank zu werden und nicht das gute Gesundheitssystem in Deutschland zu haben, das einem den Rücken  stärkt, hatte viele dazu bewogen diesen Flug zu buchen. Mit dem Maskentragen und nichts anfassen nahmen die Herrschaften es jedoch nicht so genau. Aber gut, sie müssen ja selbst wissen, dass sie die Risikogruppe sind.
Wir warteten.. Der Flughafen machte gerade erst langsam auf, denn für heute standen nur zwei Flüge auf dem Plan und beide gingen erst abends. Es war so merkwürdig diesen sonst so geschäftigen Flughafen so leer zu sehen und die Leute waren auch viel ruhiger, als läge eine Decke aus Unbehagen über allen Reisenden.
Dann ging es weiter. Wir kamen durch eine erste Sicherheitskontrolle, dann kam der Check-In, vor dem wir wieder warten mussten. Die Angestellten waren schon da, aber sie sagten uns, dass sie noch warten müssten, der Botschafter wäre unterwegs. Es kamen dann zwei Mitarbeiter der Deutschen Botschaft, die noch Anweisungen gaben und für Fragen dort zur Verfügung standen. Mit der einen Frau redeten wir auch kurz, denn wir hatten keinen zusätzlichen Zettel, den uns andere Passagiere gezeigt hatten. Sie gab uns dann diese Zettel, die wir noch schnell ausfüllten. Es war ein Krisen- / Katastrophenformular, auf dem wir irgendwas unterschrieben, unsere Notfallkontakte angaben und auch noch ausfüllen konnten, falls wir noch von anderen Menschen wussten, die zurück gebracht werden müssten.

Endlich war unser Gepäck abgegeben und wir liefen durch den leeren Flughafen. Wo einem sonst Werbung für Duty Free Produkte entgegenleuchtete, waren dunkle, verlassene Geschäfte. Teilweise nur mit einem Absperrband als "geschlossen" markiert. Keine Souveniers, keine Elektronikartikel. Aber hey, der Burger King machte gerade auf und Insa und ich waren die ersten Kunden. :D Wer weiß ob es im Flieger etwas geben würde und bis zum Abflug war ja auch noch einiges an Zeit. Wir waren nicht die einzigen mit dieser Idee, bekamen unser Essen jedoch als erstes. Ha!
Nach dem Essen liefen wir gemütlich zum Terminal, wo wir warteten bis das Boarding gestartet wurde. Überall Deutsche um uns herum, wir mussten plötzliche aufpassen, was wir sagen, man konnte uns wieder verstehen. :D Mist!
Dann kam Bewegung in die Menge. Und unerwarteterweise meldete sich der Kapitän des Fliegers zu Wort und hielt eine Ansprache. Er und seine Crew flogen momentan quasi jeden Tag in der ganzen Welt herum, um Menschen nach Hause zu holen und daher würde auf dem Flug auch nicht alles so ablaufen, wie man es gewohnt sei. Um die Crew zu schützen, standen schon Wasserflaschen an jedem Platz bereit und man konnte sich in der Küche selbst Nachschub besorgen. Es würde nur einmal abends und morgens Essen ausgeteilt werden, danach würden die Crewmitglieder nicht mehr durch die Reihen gehen.
Er erklärte, dass die Condor sich für diese Flüge zur Verfügung gestellt habe, da die Bundesregierung der Fluggesellschaft den Arsch gerettet habe (ich bin mir ziemlich sicher, dass er andere Worte genutzt hat) und sie nun damit etwas zurück geben konnten. Na immerhin.



Insa und ich hatten mit unseren Plätzen mal wieder richtig Glück (nicht) und so saßen wir im mittleren der drei Blöcke. Ich saß dabei zwischen Insa und einem hauchdünnen, kränklichen, älteren Mann, der seinen Urinbeutel zwischen unseren Sitzen ablegte. Kinder, das Gefühl eines Urinbeutels am Oberschenkel ist nicht das angenehmste der Welt, besonders wenn es nicht der eigene ist (vermute ich mal). Ich grummelte schlecht gelaunt vor mich hin in mein Mundschutztuch. Der Typ hatte nicht mal meinen Gruß erwiedert und ich wusste dass ich auf einem Mittelsitz nicht würde schlafen können. Dann fiel auch noch das komplette Boardsystem inklusive Entertainmentsystem aus, so dass man keine Filme schauen konnte. Naja, ich hatte in weiser Voraussicht einiges bei Netflix herunter geladen und konnte mich so sehr lange beschäftigen, aber ich hatte Recht. Ich konnte nicht mehr als maximal eine Stunde dösen und das war eine gut geschätzte Stunde. Wir versuchten unsere Masken / Tuch auch den ganzen Flug vor Mund und Nase zu lassen, aber es war manchmal einfach nicht möglich. Es war unglaublich warm und immer mal wieder hatte man das Gefühl keine Luft zu bekommen. Es wurde der unangenehmste Flug meines Lebens.
Irgendwann freute ich mich, dass es ja schon 4 Uhr war und wir ja gegen 6 Uhr landen sollten, bis ich merkte, dass mein Handy noch auf Sri Lankanischer Zeit war und der Flug somit in den nächsten Stunden ganz sicher noch nicht vorbei wäre. Es wurde eine lange Nacht.
Ziemlich groggy kamen wir dann in Frankfurt an und waren erstaunt, dass es absolut keine Maßnahmen oder ähnliches gab hinsichtlich des Viruses. Also liefen wir zum nächsten Bäcker, besorgten uns Frühstück und gingen zum menschenleeren Bahnhof. Das wunderbare war ja, dass niemand mehr Zug fuhr, so dass wir quasi alleine im Zug saßen und uns in einem Abteil ausbreiten konnten.
Die Morgensonne beleuchtete kurze Zeit später goldgelb den Rhein und die umliegenden Berge, auf denen immer wieder Burgen auftauchten und wieder verschwanden. Süße kleine Dörfer mit hübschen Kirchen zogen vorbei. Was für ein wundervoller Empfang. Und Pläne für mögliche Ziele in Deutschland konnte man auch direkt schmieden. Hier durch das Rheintal mit dem Rad fahren, das sah verlockend aus. :)
Ich schaute aus dem Fenster, bis die Landschaft etwas eintöniger wurde und beschloss ein wenig Schlaf nachzuholen. Drei Sitze nebeneinander ermöglichten ein erstaunlich bequemes Liegen.




In Bremen holten uns dann unsere Eltern vom Bahnhof ab und natürlich umarmten wir uns alle erstmal. So ganz und gar nicht nach irgendwelchen Social Distancing Regeln - ich sah auch einen bösen Blick in unsere Richtung.

Zuhause.

Ich war noch gar nicht wirklich angekommen, mein Kopf schwebte noch irgendwo anders herum und abends war ich dann irgendwann so müde, dass ich das Gefühl hatte, dass ich meinen eigenen Körper dabei beobachtete, wie er durch die Gegend schwebte. Ich schlief diese Nacht sehr gut und das erste Mal seit Ewigkeiten wieder ganz alleine in einem Raum. Wie merkwürdig. Wie gut.


Samstag, 11. April 2020

Mumbai und Goa – die letzten Geschichten aus Indien

Weil die Welt sich so schnell dreht
Weil die Zeit so schnell vergeht
Kommst du nicht hinterher
Weil die Hektik sich nicht legt
Und du in der Masse untergehst
Bist du ein Tropfen im Meer

Doch du lebst länger als ein Leben lang
Du bist das womit alles begann

Denn du schreibst Geschichte
Mit jedem Schritt
Mit jedem Wort
Setzt du sie fort
Du schreibst Geschichte
An jedem Tag
Denn jetzt und hier
Bist du ein Teil von ihr

Madsen - Du schreibst Geschichte







Mumbai ist die größte Stadt Indiens, sogar noch mehrere Millionen Menschen „größer“ als Delhi und das muss einmal erwähnt werden, bevor ich anfange über diese Stadt zu erzählen. Mumbai ist so groß, dass es eine der bevölkerungsreichsten Städte und größten Metropolregionen der Welt ist. Halleluja.

Wir kamen also früh, früh morgens noch im Dunkeln in der Nähe eines Bahnhofs im Norden der Stadt an, laut Karte nur etwa 1,5km von unserem Hostel entfernt und so hatten wir beschlossen zu Fuß zu gehen. Als „Navigator“ starrte ich also müde auf den leuchtenden Bildschirm meines Handys und lief los. Merkwürdig gestrichelte Wege auf der Karte entpuppten sich als Fußwege, die oberhalb der Straßen verliefen und auch die Gleise des Bahnhofs überquerten. Und wir konnten diese hinter dem Bahnhof noch weiter nutzen und so dem Verkehr entgehen, auch wenn so früh morgens noch nicht so viel los war in der Stadt. Über den Straßen der Stadt mit den dunklen Silhouetten der Skyline vor einer sanft pastellfarbenen, aufgehenden Sonne, machte Mumbai einen wunderbar friedlichen ersten Eindruck.

Natürlich konnten wir noch nicht in unsere Betten einziehen und so chillten wir in einem Gemeinschaftsraum bis es spät genug war uns die Stadt anzuschauen. Das bevorzugte Transportmittel in Mumbai ist der Zug und deswegen hatte uns Insa auch ein Hostel in der Nähe eines Bahnhofes herausgesucht, von dem wir direkt runter auf die Halbinsel mit dem historischen Zentrum Mumbais fahren konnten. Fahrkarten kosteten gefühlt nichts und da es auch Frauenabteile gab, konnten wir entspannt in diese etwas leereren Waggons einsteigen.

Mumbai hat eine lange Kolonialgeschichte und interessanterweise den größten von Briten erbauten Bahnhof der Welt. Das gute Stück ist ein Teil des Weltkulturerbes und war unser erstes Ziel, da praktischerweise der Endbahnhof unserer Linie. Schon von innen machte das Gebäude einen tollen Eindruck, aber von außen war es ein Kunstwerk. Großartige Architektur, verspielte Türmchen, einfach ein tolles Gebäude und so liefen wir einmal um die Seitenflügel herum zu der Hauptfassade. Da kann man nichts sagen, das haben die Briten echt schön hinbekommen. ;)








Von dort bewegten wir uns zu Fuß durch die angrenzenden Stadtviertel, die noch mehr tolle Kolonialarchitektur zu bieten hatten. Das Universitätsgelände und das Gericht durften wir natürlich nicht betreten, aber schon von der Straße konnte man die tollen Gebäude bestaunen. Als wir an der Hauptstraße vor dem Gerichtsgebäude entlang gingen, bemerkten wir kleine Hütten in regelmäßigen Abständen auf dem Gehweg vor dem Zaun. Es waren kleine Wachtürmchen besetzt mit Sicherheitskräften mit Maschinengewehren. Die Mündungen der Waffen waren auf die Straße gerichtet und zwar in unangenehmer Höhe meines Kopfes. Ganz merkwürdiges Gefühl vor so einer Waffe lang zu laufen. Bei dem, ich glaube, dritten Häuschen schaute ich also wahnsinnig skeptisch auf die Waffe als ich vorbei ging, was dem wachhabenden Mann nicht entging. Ich vermute es ist an sich ein ziemlich langweiliger Job, denn normalerweise passiert ja den ganzen Tag nichts und so rief der Mann halblaut, als ich auf seiner Höhe war: "Pfft." (falls man es nicht herauslesen kann: das Geräusch, das eine Kugel macht, die irgendwo leise einschlägt). Insa und ich drehten uns etwas perplex um, er grinste und wir alle drei mussten lachten. War wahrscheinlich sein Highlight des Tages.






Wir gingen durch ein kleines Künstlerviertel, in dem sich auch eine recht bekannte Synagoge befand und ich war wieder einmal erstaunt, dass diese mit Absperrungen und Polizeipräsenz geschützt werden musste. Traurige Welt.
Ein schöne, weiße Kathedrale ragte dagegen ohne Schutz in den Himmel.
Mumbai hatte wirklich tolle Architektur und Geschichte und es war die einzige Stadt in Indien, in der es mir Spaß machte durch die Straßen zu schländern. Es gab Fußwege, funktionierende Ampeln (!!!!!) und an jeder Ecke etwas anderes zu sehen. Durch ein Verbot von TukTuks im südlichen Teil der Stadt, war auch der Verkehr nicht ganz so chaotisch, wie in anderen Städten Indiens. Wir hatten auch eine gute Jahreszeit erwischt, denn obwohl es warm war, war es noch nicht so heiß und stickig, wie es später im Jahr werden würde.



Und je näher wir dem Meer kamen, desto mehr nahm auch die leichte Brise zu, die uns schon hunderte Meter bevor wir das Wasser sehen konnten, den Geruch von Salzwasser in die Nasen trug. Und dann war das Meer da, das wir seit Monaten nicht mehr gesehen hatten. Wir hatten unsere Stadtwanderung auch - wie immer - wirklich gut getimed, so dass wir in der knallenden Mittagssonne an der schattenfreien, kilometerlangen Promenade zum Strand liefen. Aber wir schwitzen ja ganz gerne.. Dort konnte man sich dann immerhin entspannt in den Schatten setzen, etwas essen und als Nachtisch ein wunderbar leckeres Eis genießen.














Da wir beschlossen hatten, dass das für heute reichen würde, mit der Übernachtfahrt noch in den Knochen, fuhren wir von dort mit dem Zug wieder zurück nach Bandra, unserem Stadtteil.

Für den nächsten Tag hatten wir uns noch ein paar Highlights aufgespart. Das Gate von India und die dort ablegenden Fähren nach Elephanta Island in der Bucht von Mumbai. Dort lagen die Elephanta Caves, die auch ein Weltkulturerbe waren und somit automatisch auf unsere Must-See Liste rutschten.
Leider gab es absolut keine Elefanten auf Elephanta Island und auch die 5 Höhlen, die es dort gab, waren nach Ajanta und Ellora kaum atemberaubend. Nur die erste Höhle lohnte überhaupt den Besuch; sie war sehr groß, zu drei Seiten offen, eine Säulenhalle. In der Mitte ein Altar mit großen Statuen, die die Eingänge flankierten und an der einzigen geschlossenen Seite befand sich ein riesiges in Stein gehauenes Gesicht. Das war tatsächlich ganz cool.


Draußen liefen viel Affen herum, teilweise in Schach gehalten von den Hunden dort und so beobachteten wir noch Babyäffchen - sooo süß.


Die Rückfahrt auf der Fähre war sehr viel angenehmer als die Hinfahrt, bei der absolut kein Wind geweht hatte. Nun fuhren wir in angenehmen Temperaturen der untergehenden Sonne entgegen und erblickten nach einer halben Stunde Fahrt wieder das imposant am Meer stehende Gate von India.





An diesem Tag fuhren wir deutlich später mit dem Zug zurück in den Norden, wodurch die Abteile sehr viel voller waren. Wir stiegen in der ersten Station ein und bekamen schon keinen Sitzplatz mehr, also platzierten wir uns in der Nähe einer Tür. Man kennt ja die ganzen Fotos und Videos von vollkommen überfüllten Zügen, wo Menschen von außen an den Wägen hängen und Leute aus den Türöffnungen quillen. Bisher war uns in Indien nicht ein einziger solcher Züge begegnet, auch übervolle Busse waren nicht unbedingt die Regel und das obwohl wir nun schon zwei Monate in diesem Land reisten. Aber heute, heute war unser Glückstag. Volle Züge. Und falls jemand vergessen hat, dass es warm ist: Die besten Plätze sind an den Türen, da man dort zumindest Fahrtwind abbekommt, denn das ist die einzige Klimaanlage, die die Züge in Mumbai haben. Wir waren also mehrmals in den Zügen hier gewesen und bisher war es nie so voll gewesen, dass wir keinen Sitzplatz mehr bekommen hätten, aber trotzdem hingen immer Menschen an den Türen und lehnten sich heraus. Fahrtwind.
Heute jedoch war es voll. Kurz nach 18 Uhr und alle Menschen waren auf dem Weg nach Hause. Mit jeder Station wurde es etwas voller, doch als wir in unseren Bahnhof einfuhren, sahen wir schon einen mit Menschenmassen gefüllten Bahnsteig. Insa stand vor mir und sprang schon aus dem Zug, als dieser noch nicht ganz stand, ich musste aber noch die zwei Schritte hinter ihr nach vorne zur Tür machen, so dass mir plötzlich hunderte Menschen (grob geschätzt) entgegen drängten. Da ich nicht wieder in den Zug geschoben werden wollte, sprang ich einfach in die Masse, stolperte über irgendwelche Beine und schubste beim Fallen eine junge Frau nach hinten, die mich danach ziemlich böse anschaute. Ich hatte ihr jede Chance genommen sich noch in diesen Zug zu quetschen. Sie musste wie viele andere auf den nächsten warten. Aber hey, wahrscheinlich hätte sie es eh nicht geschafft, sie hat mich damit vor dem Hinfallen gerettet und für mich war es eine spannende Indienerfahrung. Lol.




Später las ich, dass auf der anderen Seite des Bandra-Bahnhofs das Finanzzentrum Indiens liegt. Dort arbeiten über 600.000 Menschen und die haben alle zu ähnlichen Zeiten Schluss. Deswegen warteten dort auch so unglaublich viele Menschen auf einen Zug. Wow, ich hätte ja keine große Lust diesen Kampf in den Zug zu kommen jeden Tag machen zu müssen.
Aber muss ich ja auch nicht. Puh.

Nach dieser spannenden Erfahrung neigte sich auch unsere Zeit in Mumbai nun dem Ende entgegen. Wir hatten wieder einen Nachtbus runter nach Goa gebucht, so dass uns noch ein Tag blieb, den wir in Bandra verbrachten, das auch einiges zu bieten hatte. Ein paar schöne katholische Kirchen, süße Häuser in einem Viertel, das gefühlt nur aus Bäckereien bestand und ein paar Häuser aus der Kolonialzeit.



In Bandra wohnen tendenziell auch viele Ausländer und reichere Inder, es war ein schönes Viertel. Dagegen gab es einen großen Kontrast zu der Gegend rund um den Bahnhof, die schon eher an einen Slum erinnerte. Wellblechdächer dominierten die Sicht und alles wirkte irgendwie chaotisch, bunt, und arm. Hier in der Nähe ist auch der Slum Mumbais, in den man als Tourist Touren machen kann, aber wir machten keine. Sicherlich gibt es Anbieter, die die Einnamen in die Entwicklung der Gemeinden dort stecken, aber ich bin kein großer Fan davon mir die Armut von Menschen aus einem Auto heraus anzuschauen und davon dann am besten noch Fotos zu machen.


Also spazierten wir lieber runter zum Meer, da auch Bandra am Wasser lag und liefen über Felsen, die Skyline im Dunst des Smogs vor uns.


Ich hätte es nicht gedacht, aber Mumbai hatte mir erstaunlich gut gefallen. Natürlich war es immer noch eine Stadt und eine verdammt große noch dazu, aber irgendwie hat die Stadtverwaltung (oder wer auch immer) es geschafft alles so weit zu ordnen, dass die Straßen nicht so voll und chaotisch sind wie in Delhi.

Und dann kamen wir am nächsten Mittag auch schon in Goa an. Goa besteht aus vielen kleinen Dörfern am Meer, hat tolle Strände und hat sich ein bisschen einen Ruf als Hippie-Hochburg gemacht. Partys am Strand, Technodiscos und tagsüber das warme Meer.
Da wir genau das nicht wollten, mussten wir ein bisschen mehr recherchieren (Insa machte ihren Job perfekt). ;) Insa bekam zunächst den Tipp von einem Strand an den nur Inder gehen, aber ich legte mein Veto ein. Ich wollte die letzten Tage genießen und entspannt schwimmen gehen und nicht angeglotzt werden, wenn ich im Bikini ins Wasser hüpfe. Also suchte Insa uns eine kleine Unterkunft an einem Strand ein paar Kilometer nördlich der Hippie-Strände heraus und dort war es perfekt! Vagator Beach.



Wir fanden direkt am ersten Tag das perfekte Restaurant am Strand, wo es auch Liegen mit Sonnenschirmen gab, die umsonst waren, wenn man dort etwas aß oder trank. Und das taten wir jeden Tag. Immer einen riesigen, frischen Obstsalat mit Eis und ab 17 Uhr war Cocktail-Happy Hour. Und weil man uns nach zwei Tagen dort kannte, wurde uns auch immer nett Bescheid gesagt, wenn die Happy Hour anfing. :D Das Essen war super lecker und billig dort, also bewegten wir uns dort quasi nicht weg. Schwimmen konnte man im warmen Wasser mit den netten Wellen auch gut und so paddelte ich immer, wenn mir zu warm wurde, eine Runde im Meer umher. Ich wurde allerdings trotzdem etwas schief angeschaut, da es sehr ungewöhnlich war, dass tatsächlich jemand schwamm. Alle anderen standen eher im Wasser herum und kühlten sich so ab. Weicheier. :P
Ich hatte mir dort noch einen neuen Bikini gekauft, weil mir mein alter doch etwas zu knapp war (allerdings liefen die ganzen russischen Mädels mit noch knapperen Teilen rum, ich hätte mir keine Gedanken machen brauchen) und ich dickes Kind etwas zugenommen hatte. Tja, das Essen war einfach zu lecker und mein Magen fasste noch die Mengen vom Wandern nach Nepal. Keine gute Kombination. :D




Außerdem kaufte ich eh alles, was die Strandverkäuferinnen einem andrehen wollten. Ich kann einfach nicht nein sagen. Immerhin handelte ich alles noch auf gefühlt ein Zehntel herunter, aber scheinbar war das immer noch zu viel gewesen, denn mein Plan mit dem absurd niedrigen Preis die Mädels zu verscheuchen, ging nicht auf und ich wurde mein Geld los. Also falls jemand 'ne Fußkette braucht, ich habe 387. Mindestens. Und ratet mal womit sie mich auch noch überzeugen wollten Zeug bei ihnen zu kaufen? Wenn ich heute etwas bei ihnen kaufen würde, dann würde ich die nächsten Tage in Ruhe gelassen werden.. Super Argument. Naja, immerhin die drei Damen, die mich gleichzeitig am ersten Tag bearbeitet hatten (echt fiese Nummer ;)) kamen nur ab und zu zum Reden vorbei. Allerdings hielten sich ein paar andere nicht an die Abmachung, von der sie ja gar nichts wussten. Aber ich überlebte.


Wir gingen noch an einem der Tage vormittags an die Nordspitze zu einem anderen Strand und versuchten von dort an der Küste entlang zu unserem Strand zu kommen, aber an einer Stelle gingen die Klippen bis zum Meer und so war dort kein Vorwärtskommen mehr für uns. Man hätte es bestimmt schaffen können, eigentlich musste man nur einmal 2m hinunter und dann war dort wieder Strand, aber an dieser Stelle brandeten die Wellen gegen den Fels, so dass der Stein permanent nass war und wir haben ja aus unseren Fehlern gelernt und gingen den langen Weg zurück.

An diesem Küstenabschnitt gab es viele Felsen aus einem Stein, der mich an Vulkangestein erinnerte. Fast schwarz und porös bot er wunderbaren Halt für Hände und Füße, so dass ich an einer Stelle ein wenig herumkletterte. Insa war damit beschäftigt süße Welpen zu bezirzen und zu füttern, die dort in einer Höhle am Strand lebten. Die Mama, die wir ein paar Minuten später fanden, war ziemlich abgemagert und bekam den Rest von Insas "Hundekeksen", die sie immer dabei hat, falls uns mal süße Hundis begegnen. :)






Wir sahen an diesem Tag mehrere kleine Strände und beschlossen, dass unserer immer noch am besten war.


Unser Flug war in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag und wie es unser Reiseglück so wollte, gab es jeden Mittwoch einen großen Markt ein paar Kilometer südlich von unserem Ort. Da es ja auch der letzte Tag in Indien für mich war (Insa hatte vor noch einmal wieder zu kommen), beschloss ich dort also den Rest meines Geldes auszugeben. Woop woop. Wir stärkten uns in einer German Bakery mit leckerem Körnerbrötchen, Schokokuchen und dem einzigen Mangolassi, den wir in Indien hatten finden können (falsche Jahreszeit und zu weit nördlich) und dann ging es los. Souveniers, Klamotten und noch mehr Zeug. Das einzige, das ich nicht kaufte: Schmuck und einen Jumpsuit - die Teile sehen an mir einfach immer aus wie ein Schlafanzug.

Ich gab also mein ganzes Geld für tolle Sachen wie.. Steine aus. Wunderbar, mein Gepäck war ja noch nicht schwer genug und dem geschickten Verhandlungstalent des Verkäufers konnte ich nichts entgegen setzen: Er wollte mir das Rückgeld in Dingen von seinem Stand geben und das waren nunmal Steine. Aber hey, ich habe in Goa fast alleine die Wirtschaft am Laufen gehalten. Ich bin ein Held.




Den Rest des Tages chillten wir an unserem Strand, schauten uns noch einen letzten Sonnenuntergang an, tranken einen Abschiedscocktail (es gibt immer einen guten Grund für einen Cocktail) und gingen dann zurück, um zu packen und früh ins Bett zu gehen.





Ha! Unsere wunderbar ruhige Unterkunft teilte sich leider ein Grundstück mit einem Restaurant, in dem gefühlt nie jemand saß. Vielleicht waren sie also unglaublich gelangweilt oder sie hofften so Kundschaft anzulocken oder sie hassen einfach Menschen.. Auf jeden Fall veranstalteten sie an diesem Abend einen Techno Rave im Garten nur etwa 5m von unserem Zimmer entfernt. Da wir entspannt gegen 3 Uhr wieder aufstehen mussten, machte uns das gar nichts aus. Haha. Wer braucht schon Schlaf? Ich hatte davon in dieser Nacht etwa eine Stunde und so fuhren wir dann super frisch mitten in meiner Tiefschlafphase zum Flughafen. Dort hatten wir dann ein paar kleinere Probleme, denn man wollte uns ohne ausgedruckte Flugbuchungsbestätigung nicht in den Flughafen lassen. Indien hat den größten Knall der Welt. Also druckte uns das Fluglinienbüro die Email aus, womit wir endlich das Flughafengebäude betreten durften. Ich durfte dann noch meine Streichhölzer aus meinem großen Rucksack rauskramen, weil die nicht mitfliegen durften und schon waren wir eingecheckt. Hurra. Dummerweise hatte ich mal wieder mein Messer irgendwo in meinem Rucksack vergessen und nur, weil ich das nicht sehe, heißt das nicht, dass der Metalldetektor das nicht findet. Tschüß Messer, ich mochte dich wirklich gerne. Hab ein schönes Leben in Indien.

Von Goa nach Chennai flogen wir auf den billigsten Plätzen - also hintereinander auf den mittleren Sitzen. Rechts neben mir ein Typ mit Mundgeruch, der in meine Richtung gelehnt nach 5 Minuten einschlief und links neben mir ein anderer Typ, der auch nicht wahnsinnig viel Rücksicht nahm. Steigerte meine gute Laune ins Unermessliche.

Auf dem zweiten Flug von Chennai nach Colombo hatten wir eigentlich die gleichen Plätze, aber weil ein Paar neben uns auch hintereinander saß, durfte ich nach vorne neben Insa rutschen und bekam sogar den Fensterplatz! Und so verließ ich Indien über einer laut schnarrenden PTU eines älteren Airbus. Fühlt sich an wie Zuhause. *winkewinke*




Sonntag, 4. August 2019

Wieder vereint in Insas Lieblingsstadt

Während ich in Doha auf meinen Anschlussflug nach Bangkok wartete, bekam ich Nachrichten von Insa, dass ihr Flug gestrichen wurde und sie nun später ankommen würde. Mist, der gute Plan schon zerstört, aber da in der letzten Zeit irgendwie keiner, den ich kenne, problemfrei geflogen ist, war das ja schon fast zu erwarten gewesen. Das lustige war dann, dass mein Flug auch trödelte, ich ewig in der Migration stand und Insa im Endeffekt etwa 10 Minuten nach mir aus der Migration kam. Vollkommen verrückt!


Dieser Sonnenaufgang über der arabischen Wüste führte zu..



... dieser verschlafenen Person, die nun geweckt worden war.


Bangkok. Wir sahen zwar beide etwas fertig aus, aber freuten uns riesig, uns nach einem Jahr endlich wieder zu sehen. :) Und jetzt ein ganzes Jahr zusammen. Das wird spannend! Mal schauen wann wir uns auf die Nerven gehen. :P Ne, ich denke das kriegen wir schon hin, sind ja schon lange genug befreundet. 

Also Geld abgehoben, zum Guest House in der Nähe der Kao San Road und dann zu Insas lieblings Pad Thai Opi zum Abendessen gegangen. Es war voll und laut, also alles wie immer. Für Insa ist Bangkok ja quasi ein zweites Zuhause, sie war sogar einmal einfach nur für ein Wochenende dort (und dann wieder zurück nach Deutschland). 

Am nächsten Tag fuhren wir ein wenig auf dem Fluss hin und her und machten eigentlich nicht viel. Wir kannten beide schon das meiste (touristische) von Bangkok, also entspannten wir uns erstmal. Während Insa dann Jetlag bedingt einen Mittagsschlaf hielt, ließ ich mich für 1 1/2 Stunden in einem kleinen Garten massieren. Ach, war das gut! Und kostete knapp 11€. Kann mal machen. ;) 
Fuhren dann zu einem veganen Restaurant, weil es da richtig leckere Shakes gibt mit Kokossahne und man sich das halt mal gönnen kann. Auf dem Rückweg brauchten wir dann eine Stunde für etwa 30m auf einer der Hauptstraßen und somit 2 Stunden zurück zur Kao San Road. Vermutlich lag das an den Explosionen, die es an dem Tag an mehreren Stellen in Bangkok gab, wovon wir aber absolut nichts mitbekamen. 
Den Abend wollten wir entspannt mit einem Cocktail beenden, aber wie das so ist mit Plänen... Sagen wir so, die geplante Shoppingtour am nächsten Tag mussten wir ausfallen lassen. :D Man wird halt nicht jünger. Habe beschlossen auf dem Rest der Reise nur noch Bier zu trinken. 


Tschüss Thailand fürs erste :)


Also ab zum Flughafen und nach Yangon (Rangun), Myanmar. 
Witzige Situation: Am Ende des Fluges wurde durchgesagt, dass man noch mal unter den Sitzen und in den Taschen vor sich nachschauen soll, damit man alle seine 'valuables' bei sich hat und nichts vergisst. Ich hatte da gar nicht erst was reingetan, wusste also, dass da nichts drin sein würde. Aus Spaß tat ich so als würde ich alles gründlich durchsuchen und fand... ein Döschen Riechsalz? Oder fancy Drogen, man weiß es nicht. Ich nahm es mit. :D


Riechsalz und neues T-Shirt :P

Yangon, Myanmar. Neues Land, neue große Stadt. Gefällt mir bisher sehr gut! Die Menschen sind sehr freundlich, obwohl nur wenige Englisch können und die Stadt ist nicht so voll. Es fahren einfach keine TukTuks und Motos durch die Straßen und ich frage mich, ob das irgendwie verboten ist. 
Unser Hostel hier kostete uns etwa 10€ pro Person (und für 3 Nächte, inklusive Frühstück) und hatte klimatisierte Räume, warme Duschen und Trinkwasser für umsonst. Weiß gerade nicht, was man sich noch wünschen soll. 

Unseren ersten Tourietag verbrachten wir in zwei der berühmtesten goldenen Pagoden. Wir liefen kilometerweit durch die Stadt und nahmen das Gewusel, die Geräusche und Gerüche in uns auf. Ich shoppte noch zwei T-Shirts, damit ich zumindest noch etwas Auswahl habe, auch wenn das hier nicht das einfachste war. Frauen sind hier alle unglaublich bunt und / oder extrem gut angezogen und normale T-Shirts waren quasi gar nicht zu bekommen. Kaufte dann auch eins für Männer. :D




Die Pagoden sind toll, man muss natürlich seine Schuhe ausziehen (wie auch im Hostel) und so liefen wir barfuß durch große Pfützen. Da unsere Hosen zu kurz waren, bekamen wir noch Röcke zum Umbinden übergezogen und sahen damit fast aus wie die Einheimischen. Najaaa, nicht ganz fast. :P Sogar die meisten Männer tragen hier diese Wickelröcke und es sieht tatsächlich cool aus. 




Irgendwann setzte dann ein Dauerregen ein - es ist schließlich noch Regenzeit - so dass wir beschlossen zum Hostel zurück zu gehen. Es war eh schon kurz vor 6, hatten also den Großteil des Tages echt Glück gehabt. :) 


Insa sagt auch "Hallo" übrigens :P

Da wir somit den Rest des Abends nur chillen, konnte ich in Ruhe Tagebuch schreiben und diesen Text verfassen. Aber wird wahrscheinlich nicht dabei bleiben, dass ich so oft Updates poste. ;) 

Morgen wollen wir mit dem Yangon Circular Train für 3,5 Stunden um die Stadt juckeln. Das soll ziemlich cool sein.