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Sonntag, 8. März 2020

Fly High Feel Alive

Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

- Franz Kafka


Entschuldigung. Ich weiß, ich hänge erbärmlich hinterher. Ich müsste mich zwar nicht erklären, aber weil ihr es seid, mache ich es trotzdem: Ich musste noch eine Woche Tagebuch nachholen (bin endlich seit ein paar Tagen wieder auf Stand), wir hatten ein paar längere Nachtbusse in den letzten Tagen in Indien und ich habe lieber versucht zu schlafen und ich musste ein paar Tage hart am Strand chillen. Habe 400 Seiten in 3 Tagen gelesen. Also sorry. Notsorry. :D

Sooo, wir sind also immer noch in Rajasthan, dem Wüstenstaat Indiens. Trockene, warme Luft, wenig Grün. 
Perfekt, um weniger Natur, aber dafür mehr Städte zu sehen. Wir mussten ja noch zwei Drittel der "-pur"-Städte machen. Und so fuhren wir von Jaisalmer nach Jodhpur, der blauen Stadt

(nicht blau dieser Teil der Stadt)
(weil ist das Fort)


Das Highlight ist hier sicherlich das berühmte Mehrangarh Fort. Im 15. Jahrhundert erbaut thront es auf einem Felsen über 200m über der sonst recht flachen Stadt. Es ist eins der größten Forts Indiens und wie wir im Laufe des Tages feststellen konnten, auch eins der beeindruckensten und schönsten. Von den vielen Forts, die wir bisher gesehen haben, war dieses das mit Abstand tollste und wenn man nur Zeit hat ein einziges zu besichtigen, dann ist es definitiv dieses. 


Im Eintrittspreis enthalten war eine Audioguidetour, die wir natürlich von vorne bis hinten durch machten. Plus Zusatzartikel zu Themen wie Kastensystem, Opium und bunter Kleidung. Gab es sogar auf Deutsch, wir hörten uns den Kram allerdings auf Englisch an. 

Das Fort war nie eingenommen worden in seiner gesamten Geschichte und hatte ein paar interessante bautechnische Details. Zum Einen war der Eingang so konstruiert, dass ganz am Schluss vor der massiven mit Eisenzacken bestückten Tür eine enge Kurve kam, so dass angreifende Elefanten nicht genug Geschwindigkeit aufnehmen konnten, um die Tür einzurennen. Die Elefantenabwehrpiekser halfen zusätzlich. 


Die Palastgebäude waren erstaunlich gut erhalten beziehungsweise restauriert worden, da sich der letzte Maharaja von Jodhpur sehr dafür eingesetzt hat aus diesem Fort in Familienbesitz ein Museum für die Öffentlichkeit zu machen. Seine Familie lebt immer noch hier und ist hoch angesehen - dazu später mehr. 


Am spannendsten fand ich die Art, wie die Wände gebaut worden waren. Zierliche, wunderschön verschnörkelte Muster waren in den Stein geschnitzt worden. Von Außen sah man nur diese wunderbaren Bilder, von Innen ermöglichte dieses System einen ungehinderten Blick nach draußen auf die Höfe, ohne dabei zu viele Fenster bauen zu müssen, die die Wärme herein lassen würden. Es war erstaunlich kühl, schattig, aber trotzdem hell in den Räumen.


Es gab mehrere Höfe und Palastträkte. Frauenquartiere und Thronsaal. Der Thronsaal war so gebaut, dass kleine Nischen oben in den Wänden zu einem Flur der Räumlichkeiten der Frauen (natürlich Mehrzahl) des Maharajas führten. Dort konnten seine Frauen gemütlich sitzen und den Gesprächen lauschen, um anschließend ihre Meinung mit ihrem Mann zu teilen. 


Der Museumsteil zeigte Kunst, Waffen, Kleidung, Sachen aus dem Alltag, natürlich Vasen und auch ein paar restaurierte Räume mit viel Farbe an den Wänden und der Decke, hochwertigen, alten Möbeln, Lampen und Spiegeln. Die haben hier echt ein Ding mit Spiegeln. Sheesh. 


Es war spannend und schön. Und man konnte mit den Kopfhörern auf den Ohren so tun, als würde man nicht hören, dass jemand einen nach Selfies fragt. Besonders, wenn es merkwürdige Typen sind, die einem schon länger folgen. 


Da wir nur diesen einen kompletten Tag in Jodhpur hatten, machten wir das beste daraus und gingen vom Fort in der Mittagshitze zu einem kleinen Mausoleum in der Nähe. Friedlich an einem See in der noch hügeligen Landschaft über der Stadt gelegen, war der Garten und das Gebäude darin einfach ein toller Anblick. 

Ich hatte gegen die Sonne mein Tuch über den Kopf gezogen, es war warm. 


Auf dem Rückweg in die Stadt zu einem Restaurant und dann zum Hostel, kamen wir durch Wohnviertel, die sehr sauber und ordentlich waren, aber in denen ich mich merkwürdig unwohl fühlte. Ich weiß nicht einmal genau wieso. Ja, die Leute auf den Straßen schauten uns an, aber das ist normal. Aber niemand sprach uns an. Hunde bellten uns an, das war nicht ganz so normal. Und dann sahen wir eine Hündin mit ihren 4 Welpen und Insa lief natürlich sofort dorthin. Knurren. Zwei der Welpen lagen tot auf dem heißen Beton, die Bäuche aufgebläht. Wir gingen schnell weiter. 

Auf dem Weg zum Hostel - kurzer Zwischenstopp bei unserem Fruchtsaftmenschen des Vertrauens (wir haben es geschafft in 2 Tagen Stammkunde zu werden) - hatten wir uns überlegt noch eine Nacht länger hier zu bleiben. Jodhpur gefiel uns und hatte noch mehr zu bieten. 
Wir machten an diesem Nachmittag dann nämlich noch eine billige "Blue City Tour with sunset", die in einen Teil der Stadt führte, in dem wir noch nicht gewesen waren. Etwas mehr blaue Häuser standen hier, denn die blaue Stadt war natürlich nicht durchgehend blau. Pff. 


Blau deshalb, weil es zu heiß gewesen ist, als diese Stadt erbaut worden war. Die Herrscher holten sich Rat aus dem heutigen Iran / Afghanistan / Irak, wo ähnliche Klimabedingungen herrschen und fanden so eine Lösung: Kalk. Weiße Kalkfarbe an die Außenwände gegen die Hitze, vermischt mit blauer Farbe gegen Insekten. 

Natürlich stellte ich nach dieser Erklärung die Frage: Wieso sind dann nicht alle Städte hier blau? Tja, die Inder sind eitel. Sehr eitel (sie sind die Menschen, die am meisten Schmuck am Körper tragen - der Welt) und deswegen konnte kein Nachbar-Maharaja zugeben, dass das schlau war und es nachmachen. Ok. Ob das stimmt weiß ich nicht. 


Eins der Häuser war hier noch traditionell mit der blauen Kalkfarbe bemalt, so dass man beim Anfassen blaue Finger bekam. Insa malte mir einen blauen Punkt auf die Nase. Die meisten anderen Häuser sind mit normaler Farbe blau bemalt, eine Klimaanlage hält die Kälte in den Räumen. So geht's natürlich auch. 

Es gab Fruchtbier. Großartig deshalb, weil das süße und ziemlich leckere Zeug (Insa meinte es wäre widerlich) weder Bier noch Früchte beinhaltet. Super. :D Diese Mehrwegglasflasche kostete 12 Cent. Lala.


Wir kamen noch an einem tollen, künstlichen See vorbei, der als Brunnen dient. Stufen führen bis zum Boden des Beckens und dort befinden sich noch tiefere Brunnen, falls der See in der Trockenzeit mal austrocknen sollte. Ich fragte wie oft das schon passiert sei: nie. Ein Wasserproblem haben sie hier nicht. ;) 


Den Sonnenuntergang schauten wir uns dann von einem kleinen Tempel neben dem Fort an. Das lustigste: Wir trafen alte Bekannte wieder! Die beiden Schweizer aus der Wüstensafari waren (mit immer noch heilen Knochen) auch gerade in Jodhpur. :) Wir unterhielten uns eine längere Zeit und witzelten, dass wir uns vielleicht in der weißen Stadt, unserem nächsten Ziel wieder treffen würden. Aber leider passierte das nicht. 


Der Sonnenuntergang war wunderbar golden über der Stadt, aber schnell vorbei. Also zurück ins Hostel. Chillen und Schlafen in einem kühlen Zimmer. 


Wir hatten für den nächsten Vormittag um 10 Uhr einen Termin bei Flying Fox und frühstückten daher schnell im Hostel, bevor wir zum Fort zurück liefen. 

Flying Fox hat in vier indischen Städten ein Zipline-System aufgebaut und ich bin mir sicher dieses hier ist das tollste! Denn es gab 5 oder 6 verschieden lange Strecken, die über die Mauern des Forts, Felsen, tiefe Abgründe und einen großen See führten. 


Es machte einfach sooooo viel Spaß! Zeeeeeeep. 
Hände an das Seil und die Rolle, abstoßen und Füße hoch. Fliiiieeegen. 

Die erste Strecke war zu flach, so dass ich es nicht bis zum Ende schaffte, also drehte ich mich mit dem letzten bisschen Schwung um und hangelte die letzten Meter zur Plattform. Es war großartig! 

Ich war die letzte auf der allerletzten Strecke, weil ich von allen noch Fotos und Videos machte - keine Ahnung wieso ich plötzlich zur Kamerafrau hochgestuft worden war. In unserer Gruppe waren noch ein paar britische Rentner, die super süß waren und total begeistert bei der Sache. :) 


Am liebsten wäre ich direkt noch einmal alle Strecken gefahren, aber es war nun ziemlich warm geworden in der Mittagssonne und so war ich dann doch froh auf der schattigen Hosteldachterrasse entspannen zu können. Wir warteten quasi so lange es ging (es war wärmer als am Tag zuvor) und fuhren dann raus zu einem Palast. 

Unser TukTuk Fahrer war alt, vermutlich so alt wie sein TukTuk und so fuhr er auch. Wir waren die langsamsten auf der Straße.. Und dann lieferte er uns am falschen Eingang ab, wo uns der Wächter sagte, dass wir dort nicht rein dürften. Also weigerten wir uns auszusteigen und zu bezahlen. Sollte er uns halt zum richtigen Eingang bringen, denn einer aus dem Hostel hatte ihm auf Hindi erklärt wohin, also war es nicht unsere Schuld. Er wollte dafür dann mehr Geld haben, weil es ein Umweg von 4km war, aber das sahen wir gar nicht ein. Er konnte auch kein Englisch also schrie er die ganze Zeit erbost herum und der arme Torwächter musste sich das anhören. Er tat mir leid. Im Endeffekt war auch er es der einknickte, denn er meinte dann, dass wir zu Fuß durch das Tor dürften. Es wären nur 15 Minuten zum Museum. Naja, das war okay für uns also bezahlten wir und stiegen aus. 

Der Palast ist aufgeteilt in 3 Teile. Einmal der Teil, in dem noch immer die Familie des Maharajas wohnt. Natürlich darf dort das gemeine Fußvolk nicht rein. Dann gibt es noch das Museum, wo wir hin wollten und was im Endeffekt wenig spektakulär war. Aber der dritte Teil war spannend und auch der Eingang, den wir aus Versehen genommen hatten, war dafür: Es war ein Hotel. Und zwar nicht irgendeins. Natürlich 5 Sterne und es hatte 2016 den Titel zum besten Hotel der Welt gewonnen. 2018 war es immer noch in den Top 3 gewesen. Cool. Das billigste Zimmer gab es für 500 Euro die Nacht, was eigentlich voll okay ist. Wir buchten es trotzdem nicht. :P


Am nächsten Tag ging es dann weiter in die weiße Stadt: Udaipur. Auch Stadt der Seen genannt. Diese Stadt war die einzige der drei farbigen Städte, die tatsächlich fast durchgängig eine Farbe hatte. Weiß. Ein toller Kontrast zu dem dunklen Wasser und dem blauen Himmel. 


Mindestens einer der großen Seen ist künstlich und unser Hostel lag auf einer kleinen Insel zwischen zwei großen Seen. Viele kleine Fußgängerbrücken, Ghats, Tempel am Wasser, ein großer Palast und einfach eine super entspannte Atmosphäre. Wir beschlossen auch hier zwei volle Tage zu bleiben. 
In den schmalen Gassen fuhren wenige Autos, wir fanden ein Restaurant direkt am Wasser, das günstig war und unglaublich leckeres Essen hatte. Und natürlich besuchten wir den Palast und einen großen Tempel. 


Der Palast war halt einfach wieder einer der vielen Paläste, die wir hier schon gesehen hatten. Schön, aber ziemlich ähnlich zu den anderen in Rajasthan. Spiegel, Farben, Höfe und Zimmer. Aber da jeder Palast, so ähnlich wie auch sind, etwas einzigartiges hat, das ihn von anderen unterscheidet, fand ich auch hier etwas, das mich inspirierte. Bunte Fenster. Rankenmuster, Bögen und die kleinen Zwischenräume gefüllt mit buntem Glas. Erinnerte an Kirchenfenster, nur in schöner, verspielter. 



Wir ließen alles etwas gemächlicher angehen hier und gingen am nächsten Tag wieder zurück zum Palast, von dem auch die Bootstouren starteten. Minuspunkt: man musste noch mal Geld zahlen, um überhaupt zum Bootsanleger zu kommen. Die haben doch nen Knall. Nicht, dass es viel Geld war, verglichen mit der Bootsfahrt, aber es war unnötig. 


Es war schön windig auf dem Wasser und wir sahen die tollen Fassaden nun vom Boot aus, das einmal im Kreis fuhr. Dann landeten wir auf einer netten, kleinen Insel und von dort ging es wieder zurück zum Palast. 





Das war ein schöner, entspannter Ausflug gewesen und da wir nun auf der anderen, von der Innenstadt abgewandten Seite hinaus gingen, waren wir nah an einer Seilbahnstation hoch auf einen tollen Aussichtspunkt über die Stadt und die Seen. Schien nicht sehr touristisch zu sein, denn wir fanden erst den Eingang nicht und dann mussten wir uns etwas verplant den Weg zu den Tickets erklären lassen. Stand irgendwie alles nur auf Hindi dort. 
Aber dafür war es billig und die Aussicht war cool und wenn andere Touristen das nicht sehen wollen, ist das nicht mein Problem. :D So mussten wir auch nicht so lange warten, um wieder runter zu fahren. 


Udaipur, du hast mir wahnsinnig gut gefallen, es war eine tolle Urlaubsatmosphäre. :) Wenn ich auch noch einen Pool gehabt hätte, wäre ich hier einfach nicht mehr weggefahren. :P

Samstag, 22. Februar 2020

Halbzeit, Geburtstag und Abschied

Listen as your day unfolds
Challenge what the future holds
Try and keep your head up to the sky
Lovers, they may cause you tears
Go ahead release your fears
Stand up and be counted
Don't be ashamed to cry

You gotta be bad, you gotta be bold, you gotta be wiser
You gotta be hard, you gotta be tough, you gotta be stronger
You gotta be cool, you gotta be calm, you gotta stay together
All I know, all I know
Love will save the day

Des'ree - You gotta be


Anfang Februar kam und ging plötzlich der Tag, der mein 6-monatiges Reisejubiläum markierte. Wie konnte die Zeit schon wieder so unglaublich schnell vergehen? Kein halbes Jahr mehr und ich wäre wieder zu Hause. Ich habe jetzt schon so viel gesehen und Myanmar fühlt sich unendlich lange her an.. Selbst unsere Einreise nach Indien ist schon Wochen her... 

Sechs Monate unterwegs, ein guter Zeitpunkt für mich ein schnelles Zwischenfazit zu ziehen: Denn lange unterwegs zu sein ist nicht immer einfach, jeden Tag aus dem Rucksack zu leben, nach meist 2 bis 3 Nächten alles wieder einzupacken.. *seufz* und auf die wieder kommenden Magen-Darm-Probleme hätte ich in den letzten Wochen auch liebend gerne verzichtet, aber auch das gehört dazu, wenn man den Komfortbereich in Europa verlässt.. 
Ich habe das Gefühl, dass ich mich im Laufe der Wochen und Monate immer mehr auf das Reisen eingestellt habe, sogar mehr als beim letzten Mal. Ich bin glücklicher und entspannter geworden, besonders was neue und unerwartete Situationen angeht. Ich habe so viele tolle Erfahrungen gemacht, die ich mit nach Hause nehmen werde als einen Teil meiner Persönlichkeit. Meist positive, aber auch ein paar negative, an denen ich gewachsen bin. Ich weiß wer ich bin und was ich will und ich freue mich auf Deutschland, meine Familie und Freunde und die neuen ganz anderen Herausforderungen. Aber bevor es so weit ist, will ich noch eine Zeit lang alleine Reisen und dorthin zurück, wo ich mich am wohlsten gefühlt habe: Nepal. 

Das wird noch mal eine spannende zweite Hälfte und Insa dann wieder zu treffen wird eine Feier. Es war auch nicht immer einfach zwei Leben in eine Reise zu quetschen und beide damit glücklich zu machen, aber ich finde wir haben uns ziemlich gut geschlagen. 

Auf die Freundschaft! 


Normalerweise reisen wir beide ja etwas gemächlicher, haben mal einen Tag Pause zwischendrin und tun den ganzen Tag einfach nichts. Netflix, lesen, Tagebuch schreiben, Blog hochladen. Das schafft man ja kaum an einem normalen Sightseeing-Tag. ;) 
Aber mit Saskia machten wir alles ein wenig im Schnelldurchlauf, weswegen wir auch schon wieder in der nächsten Stadt ankamen. Pushkar. Ein heiliger See im Stadtzentrum, viele Tempel, Ghats und eine süße Innenstadt. Klingt bekannt? Erstaunlicherweise war dieser Ort jedoch wieder Mal eine Stadt mit ganz eigener Persönlichkeit und gefiel mir super gut. :) Hier blieben wir daher auch zwei Nächte und hatten etwas mehr Zeit. 


Leider hatten wir bei der Ankunft ein paar Probleme unser Hostel zu finden, das eigentlich nur 300m neben der Busstation lag, aber irgendein Vogel, der hoffentlich in der Hölle schmort (sorry), hatte die Lage auf Mapsme am anderen Ende der Stadt eingezeichnet. Als wir dann dort waren - natürlich zu Fuß - und Google zu Hilfe holten, merkten wir das auch. Hurra. 
Jetzt aber wieder 3km zurück zu latschen war mir zu blöd. Ich hatte Hunger, denn ich hatte im Bus nur eine Banane gehabt.. seit dem Frühstück. Hungriges Mareike ist kein glückliches Mareike. Also nahmen wir ein TukTuk zum Hostel. Wir bekamen dann immerhin ein schönes Zimmer und kurz darauf Essen. Mareike glücklich. 
Die Geschichte warum ich weniger Mittagessen als die anderen beiden hatte, ist etwas länger.. Ein paar verrückte Zufälle und was das Schicksal halt manchmal so auswürfelt. Aber wenigstens geht's meinem Verdauungssystem wieder blendend. :D


Am nächsten Tag war perfekter, warmer Sonnenschein und wir erkundeten die Stadt.  


Der Tag verging wie im Flug: Einmal barfuß den See umrunden und die verschiedenen Tempel anschauen. Eine heiße Schoki im Café trinken und Leute beobachten. Saskia dabei zuschauen, wie ihr ein sehr detailliertes Hennamandala auf die Hand gemalt wird. Mich auch überreden lassen. Shoppen. Zu viel essen. Eine Seilbahn auf einen steilen Berg nehmen, der einen tollen Ausblick auf die Stadt und die umliegende Gegend bot. 


Gibbons saßen entspannt vor dem kleinen Tempel. Wenn man den Blick von der Stadt abwandte, sah man trockene Steppenlandschaft, Steine, Hügel, die aus der Ebene herausragten - irgendwie sprach mich das an. 


Insa und ich wären vermutlich noch etwas länger dort oben geblieben, denn man konnte auf dem Grat noch weiter wandern, aber das Lämmchen hat Höhenangst und mit sowas muss man ja nicht spaßen. Besonders nachdem Saskia kurz in eine Situation geraten ist, in der sie sich sehr unwohl gefühlt hatte. Sie in die Mitte zu nehmen hilft in einer wenig rationalen Situation auch nicht wirklich. Also wieder runter. 
Insa hat ihre Höhenangst in Nepal ziemlich gut in den Griff bekommen, aber ich glaube es war auch nie so schlimm wie bei Saskia. Wenn man bedenkt, dass Saskia ursprünglich nach Nepal kommen wollte, muss ich zugeben, dass ich froh bin, dass das nicht geklappt hat. Dort oben auf dem Berg über Pushkar war alles vollkommen sicher, klar ging ich bis zur Kante (muss man ja aber nicht machen) und schaute in den Abgrund, aber es verursachte kein Ziehen im Magen. Es war weder steil genug, noch vom Untergrund her gefährlich genug, dass ich hätte Angst haben müssen. Und es war auch nicht wahnsinnig hoch. 

Wir sind einen weiten Weg gekommen seit dem Start dieser Reise. :) 


Die arme Saskia musste dann am nächsten Morgen noch einmal mit uns auf einen etwas kleineren Berg steigen, der direkt beim Hostel war. 


Erst danach wurde es sich in einem weiteren Government Bus gemütlich gemacht für unsere letzte Station vor Delhi. Jaipur

Jaipur, Jodhpur und Udaipur sind die drei berühmten "Purs" von Rajasthan und haben jeweils eine Farbe, die die Stadt besonders macht. Pink, blau und weiß. Insa und ich würden uns alle anschauen, für Saskia reichte die Zeit nur für eine der drei. Jaipur, die pinke Stadt. Sie ist auch die größte, hat am meisten Attraktionen und lag am günstigsten. Alles gute Gründe und so ging es dorthin. 

Dorm-Selfies aus Pushkar und Jaipur

Leider passierte nun etwas, von dem wir gehofft hatten, dass wir darum herum kommen würden: Saskia wurde krank. Sie musste sich in der Nacht übergeben und so verbrachte sie den nächsten Tag komplett im Bett. :( Super ärgerlich, aber nun waren wir froh, dass wir alles so geplant hatten, wie wir es nun einmal geplant haben: den Taj Mahal am Anfang zu machen. Als hätten wir es geahnt.. 

Insa und ich fuhren also alleine zum etwas weiter von der Innenstadt entfernten Patrika Gate, bei dem wir ganz Influencer-mäßig Fotos machten im wunderschönen, bunten Torbogen. Wir hatten wohl knapp ein paar Bollywoodstars verpasst, die wir zwar eh nicht erkannt hätten, aber alle anderen Inder dort bestimmt. :D So ein Mist. :D


Da wir auf der Hinfahrt eine super futuristische Mall gesehen hatten, gingen wir nach dem Gate, das in einem riesigen Kreisel mit Parkanlage liegt, dorthin zurück und ich beschloss, dass heute mein entspannter Geburtstagstag war. Mit Shoppen, Süßigkeiten kaufen, Pizza von Domino's essen, zum Nachtisch ein Eis naschen, das auf einer gefrorenen Platte aus Milch und Karamell etc in Minuten hergestellt wurde.. 


Ich tobte mich aus. Und Insa musste mir Geld leihen, weil ich - wie immer - nicht damit gerechnet hatte, dass ich irgendwie Geld ausgebe. Ist auch erst 5 mal oder so passiert.. :D Gut, dass Insa immer noch was übrig hat. :P

Da wir morgen - an meinem tatsächlichen Geburtstag - nur von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit fahren würden und somit keine Zeit sein würde für mich irgendetwas anderes zu machen, machte ich mir dieses Geschenk eben einen Tag vorher. 


Als letztes schauten wir uns noch die Albert Hall an, ein tolles Gebäude, in dem sich ein Museum befand. Mit ziemlich vielen Vasen übrigens. Und ich meine sehr, sehr vielen. Aus quasi überall in Indien und dann noch aus umliegenden Ländern. Naja, sie haben nicht daran gespart. Vasen. Wow. Vasen.



Erschöpft ging es ins Bett, ich brütete eine Erkältung aus. Muss das sein? 



Dafür wurde ich am nächsten Morgen aber mit der leckersten und tollsten Torte Indiens begrüßt! Butterscotch (Insa weiß was ich mag <3). Es gab sogar Kerzen, die ich auspusten konnte. Und dann frühstückten wir alle zusammen Torte. Großartig! Ich war auch gar nicht mehr so grumpy danach, obwohl ich nicht hatte ausschlafen können, da wir ja einen langen Tag vor uns hatten. 

Jeder Tag startet gut mit einer Torte. Das ist eine wichtige Lebensweisheit! 

Im TukTuk :) 

Wir hatten für knapp 10 Euro (insgesamt) ein TukTuk mit Fahrer für den ganzen Tag gebucht, der uns zu allen Sehenswürdigkeiten fahren würde und so starteten wir mit der Innenstadt, der pink City. Und was soll ich sagen? Ich kann diese Nachricht nicht sanft vermitteln.. Es tut mir leid. Die pink City ist orange. ORANGE. Wer tut sowas? Ich meine das sah auch nett aus, aber ich hatte mich auf pink eingestellt. :D

Nach dieser Enttäuschung genoss ich den Anblick der Gebäude, an denen wir vorbei fuhren, trotzdem und schon besuchten wir die erste Sehenswürdigkeit, den City Palace. Ein paar krass schöne Räume, tolle Dekorationen, Kanonen, die da etwas fehl am Platz eine Tür am Innenhof bewachten. 


Weiter, weiter. Das nächste Highlight war direkt nebenan. Ein großes Gelände, auf dem im 17. Jahrhundert viele riesige astronomische "Instrumente" gebaut worden waren, mit denen Planetenbewegungen, Zeit, Sonne und Sterne gemessen werden konnten. Hätten wir mehr Zeit gehabt, wäre es sicher spannend gewesen herauszufinden wie jedes einzelne davon funktionierte. Bei manchen war es offensichtlich, andere waren ein Buch mit 7 Siegeln. 


Nun ging es für uns nach kurzer Diskussion zum etwas weiter weg gelegenen Amber (Amer) Fort. Hatte nichts mit der Farbe zu tun, auch wenn ich das erst dachte. Sandstein und Marmor in den Palästen. 


Diskussion, weil wir nämlich einen ziemlich beschissenen Fahrer bekommen hatten, der uns ziemlich viel Mist erzählte. Gut, dass wir für uns einstehen können und so etwas nicht hinnehmen. Leichte Opfer muss er sich woanders suchen. 

Falls es jemanden interessiert: Er hatte direkt am Anfang gesagt, dass es zeitmäsig nicht passen würde zum Amber Fort raus zu fahren. Dann würden wir alles andere nicht mehr sehen können. Wir hielten dagegen und meinten, dass wir schnell wären und das unsere Sache sei. Tja, kein Geld beim Sprit gespart.. Dann wollte er uns die Parkgebühr aufdrücken, aber wir meinten, er solle das mit unserem Hostel klären, wir haben für den ganzen Tag gezahlt. Tat er natürlich nicht, er war im Unrecht und wollte einfach noch ein bisschen mehr Geld rausholen. Es war ja auch nicht viel, aber es geht ums Prinzip. Dann nervte er uns ständig damit, dass er uns noch auf einen lokalen Markt fahren wollte. Taten wir im Endeffekt nicht, also noch ein Sieg für uns. Und er war so dreist und fragte mich über meinen Rock aus, weil er uns diesen Markt schmackhaft machen wollte. Er wollte wahrscheinlich hören, dass ich mega viel Geld bezahlt hätte, aber da ich einen echt guten Preis bekommen hatte, konnte er darauf nicht rumhacken und meinte, dass das super schlechte Qualität wäre. Wow, er schaut den Rock eine Sekunde an und hat sofort erkannt wie die Qualität ist? Der Junge sollte nicht als TukTuk Fahrer arbeiten, der hat Talent.. 
Das nervigste war dann auch noch, als er nachmittags anfing uns herumzuhetzen und zu erzählen, dass die Sehenswürdigkeiten bald schließen würden. Aber sowas kann man ja googlen, und nein, wir hatten noch Zeit. 
Aber das gemeinste von ihm war, dass er uns an der Top-Sehenswürdigkeit nur vorbei fahren ließ. Er meinte das wäre von Innen ja gar nicht so schön und so ein kurzer Blick von Außen würde ja reichen. Penner. Das Teil taucht immer auf, wenn man Jaipur googelt und es sah von Außen richtig toll aus. Der Hawa Mahal, der Wind Palace. Grr. 

Naja, immerhin hatten wir so was zum Reden und drüber aufregen, falls uns kein besseres Thema einfiel. :D


Zurück zum Sightseeing. 
Das Amber Fort lag toll gelegen auf einem kleinen Berg über einer Wasserfläche und sah von Außen schon echt hübsch aus. Es war recht weitläufig, aber die sehenswürdigen Gebäude waren nicht zu groß dort. Es gab einen Spiegelpalast, von dem ich nun das Hindi Wort kannte: Sheesh Mahal. Ich sage das so gerne. :D Sheesh. Spiegel. ^^


Da wir ja noch mehr sehen wollten, schauten wir uns zwar alles an, aber machten keine zu langen Pausen. Gemütlich überall durchgehen reichte uns. 


Neben dem Amber Fort war ein Step Well, der schön sauber war und warm in der Sonne strahlte. Im Hintergrund Tempel. Es sah schön aus. Eigentlich wären wir nur kurz geblieben, aber ich bekam einen Videoanruf von Mama und Papa und so qutaschten wir entspannt eine Runde. :) <3 Ein Hoch auf das gute mobile Netz in Indien. :P


Auf dem Rückweg in die Stadt hielten wir noch zwei Mal an, um einen Palast mitten auf einem großen See anzuschauen und dann einen Gedenkplatz voller wunderschöner tempelartiger Gebäude zu besuchen. Der einzige Ort mit sehr wenigen Touristen bisher und einer der schönsten. :) 


Wir besuchten noch einen Monkey Tempel, der einen großen Haufen vollgefressener Affen beherbergte, die noch nicht einmal alles gegessen hatten, das man ihnen dorthin gebracht hatte. Der Tempel selbst war unspektakulär, aber die Aussicht auf die Stadt sehr schön. Und um das mit der Aussicht noch einmal auf die Spitze zu treiben, besuchten wir einen hohen Turm in der Innenstadt als Abschluss der Tour. Den hatte uns der Fahrer auch ausreden wollen. 

Insa ging sich dann noch den Hawa Mahal anschauen, während wir anderen zwei zum Hostel gefahren wurden, denn wir waren echt fertig. Ich pennte direkt ein. 


So war ich dann auch fit für den Abend, denn es war ja immer noch mein Geburtstag und wir hatten uns mit Anshul verabredet, den wir in Manali kennengelernt hatten. 
Witzige Sache: in Manali hatten wir Insas Geburtstag im Backpackers Headquarter gefeiert und die hatten auch ein Hostel in Jaipur. Somit feierten wir beide Geburtstage quasi im gleichen Hostel und mit der gleichen Person, denn Anshul war zu Besuch bei seiner Familie hier. 
Mit ihm fuhren wir dann zu einem anderen Fort hoch, von dem man auch eine schöne Aussicht auf die funkelnden Lichter der Stadt hatte. Wir aßen und tranken ein bisschen was, unterhielten uns und genossen den letzten richtigen Tag mit Saskia. Danke, dass du über meinen Geburtstag da warst und den ewigen Zorn deiner Oma auf dich genommen hast. ;) Kussi! :*


Es war ein wunderbarer 13. Geburtstag, auf die nächsten 13 Jahre. :P


Am nächsten Tag fuhren wir nämlich in einem privaten Bus (ausnahmsweise) recht entspannt zurück nach Delhi, stiegen irgendwo vor dem Busbahnhof aus, weil wir mit unserer guten Metrokenntnis Abkürzungspotential erkannt hatten (das war ein bisschen brillant von uns) und hatten eigentlich nicht mehr viel zu tun außer Saskias Rucksack zu packen. Mit kiloweise Sachen von mir. :D Die dicken Jacken aus dem Norden kamen schön zurück nach Deutschland.. 

Weil der Rucksack danach auch etwa das doppelte wog (hupsi), trug ich diesen am nächsten Morgen viel zu früh zum Flughafen. Und musste das Lämmchen endgültig wieder verabschieden. :( Aber ist ja jetzt nur noch weniger als ein halbes Jahr bis ich wieder in Deutschland bin und alle wieder sehen werde! <3 

Bis dahin: Winkewinke und verzeiht mir falls dieser Artikel etwas hingeklatscht wirkt, ich habe nicht nochmal drüber gelesen. Dafür habe ich es mir den Fotos ein wenig übertrieben.. :P 
Hab euch alle lieb und danke für die vielen Glückwünsche und so! :)