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Dienstag, 18. August 2020

Home is where your heart is

 

Am I losing touch
Am I losing touch now?

He said, "Why why, what a terrible time to be alive
If you're prone to overthinking and
Why why, what a terrible time to be alive
If you're prone to second guessing" and

Hey pretty smiling people
We're alright together, we're alright together
Hey pretty shining people
We're alright together, we're alright together, hey

George Ezra - Pretty Shining People


Bremen :)


Brinkum. Heimat auf eine ganz andere Art als Bremen es ist. Kindheit, Mama und Papa und so viele Erinnerungen. Als wäre ich in den letzten Wochen irgendwie angespannt gewesen ohne es richtig gemerkt zu haben, fiel fast sofort eine Last von meinen Schultern als ich mein neues, altes Zimmer bezog. Natürlich ist es nicht mehr mein Kinderzimmer sondern nun Mamas Nähzimmer, aber es fühlte sich noch so gewohnt an. Die Tapeten in fröhlichem Orange, wie ich sie zurückgelassen hatte und die Tür schmückte noch immer mein Name in Window Color Buchstaben. Alte Fotos aus der Schulzeit hingen immer noch an der Innenseite der Tür und umrandeten einen Kalender, in dem die eingetragenen Geburtstage schon seit Jahren bis zur Unkenntlichkeit verblasst waren. Neu waren die wunderschönen gequilteten Wandbehänge von Mama, die in ihren verschiedenen Blautönen wunderbar vor der Wand wirkten. Hach, wie schön.

Meine Eltern hatten beim Gesundheitsamt nachgefragt, ob ich in Quarantäne müsste, aber da ich nicht aus einem Risikogebiet zurück kam, musste ich es nicht. Hurra. Die allgemeine Quarantänepflicht für Zurückkommende wurde erst eine Woche später beschlossen.

Ich füllte die Tage also erstmal mit Ankommen.. Sachen wurden gewaschen und ich schaute mehr deutsche Nachrichten im Fernsehen als in den letzten 5 Jahren zusammen. Ich ging spazieren und war erstaunt wie wenig sich in den letzten Jahren verändert hatte. Wenn ich jetzt noch Jumi an der Leine gehabt hätte, dann wäre ich wahrlich in der Zeit zurück gereist. Aber so oft ich in den nächsten Wochen auch mit bittendem Blick nach einem Hund fragte, meine Eltern wollten sich nicht erweichen lassen. Mistkram. Und ich ging ja schon noch davon aus, dass ich ab dem 1.8. wieder Vollzeit würde arbeiten müssen, also konnte ich mir leider zeittechnisch keinen Hund leisten. Allerdings ging nun auch langsam meine ganze Firma in Kurzarbeit und auch mir wurde ein Zettel zum Unterschreiben zugeschickt. Je schlechter es Airbus ging, desto übler ging es natürlich uns als "Zulieferer". Vielleicht also doch keine Vollzeitbeschäftigung im August. Wir werden sehen.
Aber momentan war mir das alles relativ egal. Ich fühlte mich wie früher in den Sommerferien. Das Wetter wurde von Tag zu Tag besser und ich war viel draußen. Ich hatte ja Zeit und nicht wirklich etwas zu tun. Aber natürlich hielt ich mich an die Regeln und besuchte nicht wild alle Freunde, die ich seit letztem Sommer nicht mehr gesehen hatte.

 

Allerdings hatten die ganzen Corona-Maßnahmen natürlich auch Nachteile, die mich echt traurig machten. Ich sah Jannis nach so langer Zeit wieder und wir standen im Garten 2m auseinander. Mein rationales Gerhirn verstand die Gründe, aber mein Herz war nicht wirklich überzeugt. Miri kündigte einige Tage, nachdem ich wieder angekommen war, an, vorerst nicht mehr nach Brinkum zu kommen, weil sie im Krankenhaus schon Kontakt zu positiv getesteten Menschen gehabt hatte und uns nicht gefährden wollte. Das tat richtig weh. Aber wie gut, dass wir ja noch unseren Kleingarten hatten, den Miri so wunderbar gepflegt hatte, als ich unterwegs war und so konnte ich Miri und Max dort an der Luft und mit hoffentlich genug Abstand treffen. :) Die Pflanzsaison ging auch los und wir verfrachteten die wild wuchernden kleinen Pflänzchen von Miris Fensterbrettern in die Beete und sähten auch fleißig aus: Kohlrabi, Möhren, Kartoffeln, Erbsen, Radieschen, Rote Beete, Salat, Zucchini, Lauch, Zwiebeln, Bohnen, Mais, Kürbis, Mangold, Spinat, Wirsing, ... Ich habe bestimmt noch was vergessen. Dieses Jahr kamen auch die Kirschen und Äpfel viel besser als in den Jahren zuvor! :) Es wird allmählich!

Damit mir nicht langweilig wurde, war meine erste Amtshandlung in Brinkum, die seit der Erbauung nicht mehr geputzte Terrassenüberdachung, penibel von Schmutz und Moos zu befreien. Immerhin war es für den norddeutschen Frühling erstaunlich warm und so war es nicht ganz so unangenehm komplett nass zu werden.


Langsam kam ich wieder an. Insa und ich fuhren jeden zweiten oder dritten Tag Rad und erkundeten mit sämtlichen Stuhr-Touren die Heimat. Wir entdeckten erstaunlich viel Neues. Mit der Babywaldtour konnten wir unsere Bäume besuchen, die im Herbst 1989 von unseren Eltern im gleichen Wald gepflanzt worden waren. Ich war das letzte Mal als Kind dort gewesen und hoffte, dass mein Bäumchen noch stand. Mit abfotografierten Karten von damals erreichten wir das kleine Wäldchen. Mein Baum, eine Linde, stand recht nah an der Straße und so suchten wir diesen als erstes. Schwer zu sagen, welcher von den Bäumen tatsächlich meiner war. Ich beschloss nach ein paar Minuten ihn gefunden zu haben und umarmte den erstaunlich dicken Stamm. Meinem Baum ging es gut! :) Insas Baum war ein Ahorn und etwas besser zu identifizieren. Da sich seine Äste etwas tiefer schon gabelten, konnte man diesen Baum sogar erklettern, was ich natürlich machen musste. Wenn ich mich schon wie ein Kind fühle, kann ich es auch komplett ausleben.


Wir fuhren an diesem Tag etwa 40km und waren trotz Pausen vollkommen fertig. Wir machten zwar getrennt voneinander, aber immerhin täglich, weiter mit unseren Fitnessübungen oder Yoga oder gingen Joggen. Hauptsache Bewegung und langsam wieder fit werden. Es klappte über die Wochen echt gut, denn am Ende fuhren wir eine flotte Nachmittagsrunde von über 60km ohne großartige Ermüdungserscheinungen. Das musste auch sein, denn wir hatten uns das Ziel gesetzt uns so weit hoch zu trainieren, dass wir die knapp 150km von Osnabrück nach Bremen fahren können. Dort gab es einen ausgewiesenen Radweg, den wir auf einer unserer vielen Stuhrtouren gefunden hatten. Irgendwann war uns Stuhr natürlich zu langweilig und so planten wir mit Komoot immer neue Touren in die Umgebung. Wir entdeckten die Weserside Gallery (ein etwa 1000m langer Streifen am Fluss mit Graffiti-Kunstwerken an einer langen Mauer), fuhren durchs Blockland und an der Weser entlang. Außerdem machten wir die Erkenntnis, dass rund um Syke verflucht viele Hügel sind und beschlossen nie wieder in diese Richtung zu fahren. :D Der Hohe Berg beschwerte uns allerdings eine schöne Aussicht auf die ganze Länge von Bremen - von den Stahlwerken über den Dom bis Tenever. Gastfahrer auf unseren Touren waren Saskia und Kolja - natürlich alles brav mit Abstand. ;)

 
Die "Pilgertour an allen Kirchen Stuhrs vorbei machten wir stilecht im Einhornkostüm. Ein bisschen Lächeln auf die Gesichter zaubern, das kann man mal machen. :)
 


Saskia war es auch, die mir den wertvollsten Tipp (was Geldgewinn angeht) seit langem gab: Ich dachte nämlich die ganze Zeit, dass ich ja mit meinem "unbezahlten Urlaub" kein Arbeitslosengeld bekommen würde, aber Saskia hatte recht, technisch gesehen war ich in einem ruhenden Arbeitsverhältnis, was so viel heißt, wie "ich arbeite gerade nicht". Und wer in Deutschland nicht arbeitet, kann Arbeitslosengeld bekommen. Insa hatte schon direkt am ersten Tag Hartz 4 beantragt, was sehr schnell bewilligt worden ist. Ich rief erst Mitte April beim Amt an und bekam tatsächlich bestätigt: Wenn ich in den letzten 2 Jahren mindestens 12 Monate sozialversichert beschäftigt gewesen bin, habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Achwas! Also schnell arbeitslos gemeldet und den Antrag ausgefüllt. Ein Mann vom zuständigen Amt in Syke rief mich noch am gleichen Tag an und fragte mich zu meiner Situation aus. Da ich aber ab dem 1.8. wieder in einem Arbeitsverhältnis stehen würde und in Coronazeiten eh nicht wirklich Arbeit in meinem Beruf finden würde, wurde mein "Fall" auf den Stapel "darum muss ich mich nicht weiter kümmern" gelegt. Nun musste ich nur noch den Anhang von meiner letzten Arbeitsstelle ausfüllen lassen und mich bei meiner alten Krankenkasse anmelden. Dauerte alles, aber man bekommt das Geld, wenn es bewilligt wurde, ja rückwirkend zu dem Tag, an dem man sich arbeitslos gemeldet hatte. Und ich bekam es bewilligt. Wie cool ist das denn? :) 


Ostern ging sehr merkwürdig vorüber, denn es wurde das erste Mal in meinem Leben, dass nicht alle in Brinkum waren (außer natürlich jemand von uns Kindern war gerade im Urlaub, aber dann war ja zumindest der Rest der Familie vereint). Jannis kam morgens vorbei und holte die obligatorischen Hefe-Hasen, die Mama wie jedes Jahr gebacken hatte, ab und brachte auch welche zu Miri und Max, die immerhin mit zwei anderen Ärzten zusammen draußen Brunchen konnten. Was für ein merkwürdiges Ostern. Was für ein merkwürdiges Jahr.


Aber langsam merkte ich, dass ich nicht dauerhaft nichts tun konnte. Wenn ich keinen Grund habe, um aufzustehen, dann tue ich es auch nicht. Das hilft natürlich nicht wahnsinnig, wenn man eh schon ein Nachtmensch ist und so geriet ich in eine Spirale von immer später ins Bett gehen und immer später aufstehen. Ich nervte mich selbst damit.
Ich brauchte eine Beschäftigung, denn nur Sport, Malen und am Blog schreiben, füllten die Tage nicht genug. Ich hatte mich für ab Mai auf der "Erntehelfer"-Seite angemeldet, falls es Bauern in der Umgebung geben sollte, die noch Hilfe benötigten. Allerdings wusste ich nicht ob und wann sich da jemand melden würde und so bewarben Insa und ich uns für die Erdbeerernte bei Wichmann. Insa bekam direkt eine Antwort, dass sie bald zum Probearbeiten kommen könne, ich bekam weder eine Zu- noch Absage. Hmm. Aber dann kam Rike mit einer wunderbaren Idee um die Ecke: Ihr Bruder braucht bestimmt immer Hilfe auf dem Hof und so passierte es, dass ich an einem Mittwoch die 9km nach Lehmkuhl fuhr, um mir die Arbeit auf dem Hof anzuschauen.
Natürlich war ich begeistert. Ich mag Kühe lieber als Pferde - Pluspunkt für einen Milchbetrieb - und ich bin eh gerne draußen und tue Sachen. Also wurde mir alles gezeigt und ich beschäftigte mich lange damit Holz zu hacken. Ich schwöre, die Axt wog mindestens so viel wie ich! Aber ich fühlte mich sehr männlich und schaffte es mir keine Körperteile abzuhacken. Wäre sonst auch schwierig geworden im Krankenhaus, denn ich hatte zu dem Zeitpunkt meine Krankenkassenkarte noch nicht.
In den nächsten drei Wochen war ich dann immer zwei bis drei Tage den ganzen Tag auf dem Hof und half mit dem kleinen Hofladen, sammelte Eier von den freilaufenden Hühnern und malte allerhand Schilder und eine Mauer an. Mein persönliches Highlight war definitiv die kurze Zeit, die ich einen Trecker auf dem Feld fahren durfte, als der Lehrling, der mir übrigens ziemlich viel beibrachte, Pfähle auf den hinter mir fahrenden Anhänger warf. Ha, ihr Pöbel da unten. Ich war sehr glücklich, als wir auf der Straße den Verkehr aufhielten. Würde man mir einen Trecker schenken, würde ich wohl ganz schnell zu einem bösen Menschen mutieren und aus Spaß im Berufsverkehr durch die Gegend schleichen. Gut, dass Trecker sehr teuer sind.


Es machte Spaß und ich stand wieder früher auf. Wie wunderbar! An einem Freitag wurde dann im Melkstall ein kleines Spiel gestartet: Man musste einen Kurzen trinken immer wenn eine Kuh irgendeine Art von Geschäft hinterließ oder mehr als 15 Liter (bin mir gerade unsicher wieviel es genau waren) Milch gab. Da ich noch Kartoffeln abpackte, kam ich erst dazu als schon die 3. Flasche angebrochen wurde, aber wow, die ging schnell leer. Den beiden trinkenden Damen ging es am nächsten Tag auch nicht soooo gut. ;)


Langsam gewöhnten sich alle in Deutschland ein bisschen an die neuen Umstände und manche Menschen wurden kreativ. Die Osterwiese war ja abgesagt und plötzlich öffnete in Varrel ein kleiner Verkaufswagen mit allem, was man sonst so dort bekommen konnte: gebrannte Mandeln, Süßes, Zuckerwatte und Schokofrüchte! <3 der="" dort="" fter="" fuhr="" im="" mal="" man="" p="" praktisch="" radtouren="" vorbei="" wenn="" zuge="">


Und eins blieb so wie immer: Natürlich besuchten meine Eltern, wie jedes Jahr zur Zeit der Blüte den Rhododendronpark und ich kam mit. Ich hatte es in den letzten Jahren natürlich nicht immer geschafft, aber es ist immer schön und wenn es passt, gehe ich super gerne mit! Auf irgendeinem Schild stand, dass der Park der zweitgrößte der Welt sei, aber irgendwie konnte ich nicht herausfinden welches nun der größte ist. Falls es jemand weiß, bitte melden! Ich mag keine ungelösten Rätsel. ;)


Und das Fitnessprogramm lief auch gut. Ganz am Anfang konnte ich gerade mal 5km Joggen gehen, nach einem Monat konnte ich schon recht entspannt mehr als 10km laufen. Ich wurde dank Yoga wieder beweglicher und das Radfahren half auch. Da Mama auch zu Hause ihr Trainingsprogramm machen musste, machten wir ein paar Mal zusammen Übungen. Ich fühlte mich wie ein Lauch. :D Aber ich sah Fortschritte.. Insa und ich nahmen im Mai / Juni an dem Stadtradeln für die Gemeinde teil und machten zusammen über 800km. Wir landeten auf Platz 14 von 21, aber Platz 4 in der km pro Kopf Wertung. Damit konnten wir leben. ;) 

Ab Mitte Mai durften wir auch wieder mit dem Korbballtraining anfangen, auch wenn wir uns erst einmal nur draußen treffen durften. Aber schon allein alle aus der Mannschaft wieder zu sehen, war toll! Und dann durfte die Linie 7 ihre Boulderhallen auch wieder öffnen - ein Hygienekonzept war ausgearbeitet und das vorherige Buchen eines Zeitslots sorgte dafür, dass nie zu viele Leute gleichzeitig dort waren. Meinetwegen kann das gerne so bleiben! Weniger Menschen, wenn ich an einer Wand herumturne, sind gar nicht so schlecht. Natürlich war ich ein kompletter Dulli, denn ich hatte absolut keine Kraft mehr in den Fingern und Armen, aber das konnte ich ja langsam wieder aufbauen und als ich eine schwere Balance-Route versuchte und schaffte, merkte ich mal wieder, dass ich zumindest die Technik und das Körpergefühl nicht verloren hatte. :) Es wurde langsam! 

Vor Monaten hatte ich Klimmzüge verlernt und langsam konnte ich wieder einen machen! Ein großartiges Gefühl! Fit sein macht Spaß! Und Anfang Juni holte uns mal wieder unser "Reiseglück" ein. Wir hatten unsere Radtour diesmal in den Bremer Norden geplant und fuhren über die Erdbeerbrücke, hinter der an der nächsten Ampel ein Lastenrad wartete. Jemand vom ADFC verteilte kleine Papiertüten mit Äpfeln und kleinen Geschenken an Radfahrer! Es war der Weltfahrradtag und wir waren zufällig dort vorbei gekommen. Wie cool ist das denn schon wieder? Außerdem machten wir an dem Tag unseren schnellsten Geschwindigkeitsdurchschnitt bei den etwa 60km, die wir fuhren, da wir von einem Gewitter gejagt wurden. Eine ganz großartige Motivation. Kann ich nur weiterempfehlen. :D


Corona schränkte mich vermutlich sehr viel weniger ein als andere Menschen, aber natürlich fanden auch unsere Spieleabende nicht mehr statt. Da es jedoch im Internet alles zu finden gibt, machten wir mit ein paar Leuten an zwei Tagen ein "Corona-Escape", ein Room Escape Spiel, das online gespielt wurde und wir konnten alle über eine Videokonferenz miträtseln.
Videokonferenzen waren ja eh das Ding in diesen Monaten. Und so telefonierten wir öfter mit allen aus der Familie - auch gerne, wenn wir mal wieder online Siedler spielten oder etwas kurzweiligere Würfelspiele, in denen ich - Zitat Jannis - "unschlagbar" war. :P Irgendwann verlor ich dann aber doch, was meinem Ego leider einen deutlichen Dämpfer verpasste. :D



Als man sich wieder mit zwei Haushalten treffen durfte, gründeten wir spontan für einen Tag eine WG und gingen zu viert im Teufelsmoor wandern und picknicken. Britta, Anika, Carmen und ich. Hach, ich hatte euch vermisst! Es war nicht viel los und wenn jemand kam, taten wir so, als wären wir zwei zweier Gruppen. Es interessierte niemanden. Aber es war unglaublich toll die Mädels mal wieder zu sehen! *.* Telefonate und WhatsApp sind einfach nicht das gleiche.


Mit Mama und Papa ging ich dann meine neu gekauften Wanderschuhe im Tilster Moor einlaufen - keine Blasen, ich denke sie passen. ;)


Und irgendwann durfte man sich wieder treffen. Wie schön es war alle aus der Familie an einem Ort zu sehen, wie gesellig eine kleine Runde Grillen auf der Parzelle war mit den Spieleleuten. Aber ich hatte es ja auch einfach. Ich arbeitete nicht im Krankenhaus oder Rettungsdienst, wo alle regelmäßig möglichen Kontakt zu infizierten hatten. Saskia musste einmal für 1,5 Wochen in Quarantäne, was für Leute, die alleine leben, besonders hart sein muss. Insa und ich brachten ihr ein kleines Care-Paket vorbei und quatschten eine zeitlang mit ihr. Blöde Situation!


Aber auch das ging vorbei und ab Juni wurden dann langsam immer mehr Lockerungen eingeführt. Restaurants öffneten wieder und auch Hotels durften wieder Gäste aufnehmen. Moooooment. Ha, ich muss ja erst zum 01.08. wieder in Bremen bzw. Hamburg sein, da hätte ich ja durchaus noch ein paar Wochen Zeit, um mir vielleicht mal meine Heimat anzuschauen. Von Deutschland hatte ich peinlicherweise nämlich noch gar nicht so viel gesehen und besonders im Süden war ich sehr, sehr selten gewesen. Also nahmen meine Pläne langsam Gestalt an, ich nahm Kontakt zu Freunden im Süden auf und dann wurde das Startdatum festgelegt: 11.06.2020. Noch vor dem angedachten Termin der Grenzöffnungen in Europa. Aber ich wollte ja eh in Deutschland bleiben. Es würde wieder los gehen! Wie toll, wie aufregend, wie spannend!


Aber davon dann im nächsten Blog. :) Ich versuche den auch etwas schneller zu schreiben - Mama will mich sonst nicht mehr Reisen lassen, wenn ich die Blogs hier nicht auf Stand bringe. :P Hihi.

Sonntag, 18. August 2019

Es war einmal ein Wasserbüffel..

Nyaung Shwe am Inle See. Um noch etwas mehr von der Gegend kennen zu lernen, nahmen wir uns am nächsten Tag die Räder und fuhren los auf die Ostseite des Sees. Auf den umliegenden Bergen gab es ein paar gute Aussichtspunkte auf den See, auch wenn es eeeetwas anstrengend war dort mit dem Rad hin zu kommen. ;) 
Bis auf einen kräftigeren Regenschauer, den wir Selfies machend unter Insas Regenschirm verbrachten, hielt sich das Wetter sehr gut. Durch den bewölkten Himmel (und gelegentlichen Nieselregen) war es auch nicht zu heiß, also perfekt, um ein paar Kilometer auf dem Rad zu fahren. Was haben wir nur immer für ein Glück? :) 




Nach einer abenteuerlichen Fahrt zu natürlichen Pools rutschten wir über matschige Wege den Berg wieder runter und freuen uns auf der Hauptstraße wieder Gas geben zu können. Gerade nachdem wir eine Gruppe Jugendlicher überholt hatten, hielt uns allerdings eine Gruppe Polizisten an. Wir mussten niemanden bestechen und hatten auch nichts falsch gemacht, wir bekamen einfach Flyer in die Hand gedrückt. Die Polizei, dein Freund und Helfer. Wollten die damit, glaub ich, sagen.. 
Also mussten wir die Gruppe noch mal überholen (immer ein bisschen stressig, wenn man nicht weiß ob gleich ein LKW angebrettert kommt), aber dann war die Straße frei. Wir fuhren zügig üben den ganz guten Asphalt. Natürlich alles Training für Nepal. :D 




Das war nun aber auch genug Touristenstadt, also wollten wir weiter in den Norden. Hatten einen 14 Stunden Nachtbus gebucht und nahmen den auch am nächsten Tag. 
Die Strecke, die der Bus nahm, war absurd. Wieder zurück über Kalaw nach Mandalay und von dort fast parallel in den Norden. Die Karten zeigten eine Direktverbindung an, aber scheinbar ist die für Busse nicht befahrbar oder so. Daher die lange Fahrt. 
Gerädert (ein Mensch hatte schon nicht mehr geschnarcht sondern gegrunzt, aber das TV Programm war super, wenn man dem lachenden Mönch vor mir glauben kann) kamen wir gegen 6 Uhr morgens in Hsipaw an. 

Hsipaw. War etwas größer als ich gedacht hatte, aber der Tag begrüßte uns sehr freundlich mit Reihen an Mönchen und Nonnen (die haben nicht orange sondern rosane Gewänder), die durch die Straßen zogen. Meist so um die 10 Kinder hinter einem Erwachsenen. Unser Hotel ließ uns schon in unser Zimmer, so dass wir noch ne Runde schlummern konnten. Dann zogen wir los und klapperten Tourveranstalter ab. Wir fanden auch das perfekte Programm für uns: Diesmal nur zwei Tage im Dschungel, aber mit Übernachtung im Baumhaus. 


Das da im Hintergrund ist übrigens der Wasserfall :P

Da wir noch etwas Zeit hatten, holten wir uns Räder und fuhren aus der Stadt raus zum Friedhof. Dort fing ein Wanderweg zu einem Wasserfall an. Plötzlich landeten wir jedoch in einer Prozession von Autos und Mopeds, die einem Musik spielenden Leichenwagen folgten. Eine Beerdigung war gerade dabei los zugehen. Etwas verunsichert wie wir uns verhalten sollten, gingen wir durch die Menschen und bekamen prompt jeder ein Tütchen in die Hand gedrückt. Opfergabe? Was tun damit? Ich glaube die Frau, die die an alle Gäste verteilte, hatte ihren Spaß mit uns. 
Naja, falls wir den einen Typen richtig verstanden haben, dann war das ein Goody Bag und durfte mit nach Hause genommen werden. Wir sahen auch nichts wo man hätte spenden oder opfern können. Also danke für den Saft, das Shampoo und das Waschpulver. ^^
Das Gebet ließen wir dann aus und gingen über eine Müllhalde in Richtung Wasserfall. Eine kurze Stunde durch Reisfelder und eine Flussüberquerung später waren wir da. Eine kleine grüne Oase mit tollem Ausblick und einem Minibecken zum Schwimmen, was ich nutzte, um ein Bad zu nehmen. Wunderschön und ruhig. Und niemand da, den es stören könnte, dass ich als Frau halb nackt herumrenne.. 




Am nächsten Morgen waren wir pünktlich bei Mr. Bike, unserem Tourveranstalter, der sich sehr liebevoll um alles kümmerte. Erstmal gab es gekühltes Wasser für die Wanderung, dann Taschentücher und eine SIM Karte, für den Notfall, wenn man später in ner anderen Stadt ist und Internet braucht oder so. Sehr süß von ihm. 

Unsere Gruppe bestand aus 12 Leuten, sehr gemischt, aber alle super cool drauf! <3 Mit unseren zwei Guides und dem Hund Eko ging es dann los. Wir starteten in einer nahen Shan Siedlung (wir sind gerade im Shan Staat, falls das jemand vergessen hat :P) und wanderten durch hügeliges Land zur nächsten Siedlung - Shan und eine andere Gruppe gemischt. 
Ich regte mich immer auf, wenn wir den gerade erklommenen Berg wieder runter stiefelten, denn wir wussten, dass wir auf etwa 400m starteten und das Ziel bei 1340m lag. Bei dem ganzen Hoch und Runter machten wir also sicher mehr als die 1000 Meter. 
In dem Dorf aßen wir dann ungeplant Mittag, denn es schüttete plötzlich übel und unser eigentliche Mittagsplatz lag im Wald und hatte kein Dach. 




Im Regen ging es dann raus aus dem Dorf und rein in den Wald. Zeitweise ging es an einem Fluss entlang, dann war der Weg ein Fluss, denn es schüttete immer noch ordentlich. Gut, dass wir Regenschirme hatten. 




Als wir dann nach etwa einer Stunde den Fuß des Berges erreichten, hörte es langsam auf zu regnen und wir waren froh über die Wolken, denn bei dem Aufstieg will niemand Sonne haben. :D Es war zwar schattig durch den Wald, aber es war recht licht und man hatte je höher man kam tolle Aussichten auf die umliegenden Berge und die Täler, in denen Wolken hingen. Besonders unwirklich und schön war es als wir durch die nebligen Wolken wanderten. 









Und dann war es geschafft! Am zweiten Gipfel waren unsere Baumhäuser am Hang errichtet und wir entspannten uns völlig verschwitzt bei der tollen Aussicht. Erstmal Tee trinken. Das Motto gefällt mir besser als "when in doubt always up". :P
Irgendwann wurde es dann kalt in den nassen Klamotten und ich war schon erkältet.. Also runter zum Bach bzw. der Quelle, wo wir uns waschen konnten und unser Trinkwasser auffüllten. Reiner als hier wird es nicht. 


Rafael, Aung San, Nina, Lewis, Daniel, wir, Alan, Jack mit Eko. 
Joy, Mirko, Keith, Tanja, Hans. 


Der Abend war richtig schön mit "Happy Water" (Reisschnaps, selbstgebrannt) und singen und quatschen und lachen und was man halt so tut. Es blieb trocken und kurz zeigte sich sogar der Vollmond (alle Menschen in den Dörfern hatten frei und feierten). Wir hatten mit Joy, einer süßen Koreanerin, zu dritt ein Baumhaus und drei Jungs teilten sich die Honeymoon Suite. Der Franzose wurde danach nur noch Darling genannt, er war ein Männermagnet, ein bisschen witzig. Aber das alles zu erzählen würde zu lange dauern. Also zusammengefasst: Wir hatten viel Spaß und gingen etwas zu spät ins Bett. 

Da es dort oben in den Bergen kühler war als in der Stadt, konnte man sich sogar in die Decke kuscheln - es war sehr entspannt. :) 

Und plötzlich.. Herzinfarkt. 
Ein Kanonenschuss knallte durch die Nacht. Es hallte nach, plötzlich war alles still. Dann raffte ich, dass es das Gewehr von unseren Köchen / Portern war, die in der Nacht jagen gehen wollten. Das Teil war uralt, ein Vorderlader.. Und es knallte offensichtlich wie eine verdammte Kanone. 

Die hatten einen Flughund ganz oben in dem Baum recht nah an unserem Baumhaus geschossen. Kein Wunder, dass es so laut gewesen ist. Ein paar andere hatten das sogar verschlafen und ich wünschte ich hätte jemals so einen tiefen Schlaf. Die anderen deutschen Mädels versteckten sich reglos in ihren Betten, weil sie dachten, dass Rebellen uns angreifen würden. 




Am nächsten Morgen schaute ich dabei zu wie die Haare des Flughundes abgemacht wurden, dann wurde er ausgenommen und besonders vorsichtig die Blase entfernt, denn der Urin bringt einem richtig viel Geld. Chinesische Medizin und so. Ich probierte auch was von dem Fleisch.. Was ist der Sinn davon ein Tier zu töten, wenn man es dann nicht isst? War lecker, bisschen wie Kaninchen. 




Danach wurde uns von unserem Guide erzählt, dass es heute Morgen einen Anschlag geben hatte. Die Hauptbrücke (die einzige die es gibt) zwischen hier und Mandalay wurde von Rebellengruppen gesprengt, es fuhren keine Busse (und alles andere) mehr über diese Straße und es gibt keine anderen Wege. Erstmal ein ungutes Gefühl, aber wir waren weit weg in den Bergen. Weiter nördlich sind die Berge in Rebellenhand, weswegen es keine Touren mehr in die Richtung gibt, aber hier soll man sicher sein. Es gibt keine Dörfer und auch sonst nichts zum Einnehmen oder unter Kontrolle bringen. 
Beruhigt machten wir uns deutlich zu spät auf den Rückweg. Rein in einen Dschungel, Lianen, Bambus, Wasser. Alle möglichen verrückten Pflanzen und eine Wasserschlange dort, wo wir unser Wasser nachfüllten. 
Das Highlight kam kurze Zeit später: Baden im Wasserfall mitten im Dschungel in einem schmalen Tal. Hach Wasser! Es regnete schon wieder, aber man war ja eh im Wasser und ob Wasserfall oder Regen, kommt ja beides von oben. :P

Nach noch einmal einer Stunde, in der wir etwa 20 mal den Fluss auf rutschigen Steinen überquerten, kam die Zeit Abschied zu nehmen. Vier von uns hatten noch eine zweite Nacht gebucht, der Rest ging zurück nach Hsipaw. Leider vergaß ich dort in dem ganzen Tschüß sagen Chaos meinen Schirm. :( :( 

Für uns ging es dann raus aus dem Wald durch irgendwelche 'Wiesen', die so hohes Gras und anderes Zeug hatten, dass es einfach höher war als ich. Ständig schlug mir irgendein Kram ins Gesicht.^^ Aber dann war es geschafft. Endlich Mittagspause und danach einen Transport zurück nach Hsipaw.  Wir bekamen sogar T-Shirts geschenkt mit dem Gruppenbild von diesem Tag drauf. So süß von dem Veranstalter und keine Ahnung wie die es geschafft haben die so schnell zu drucken. 

Eine süße Geschichte erzählte uns unser Guide dann noch zum Mittag: Es war einmal ein Wasserbüffel, zu einer Zeit, in der Tiere, Pflanzen und Menschen noch miteinander reden konnten. Ein großer Gott trug diesem Wasserbüffel auf ein weiter entferntes Dorf zu besuchen und den Menschen dort zu sagen, dass sie eine Mahlzeit alle drei Tage zu sich nehmen sollten. Also machte er sich auf den Weg. Doch es war heiß und kein Fluss oder See war zu sehen. Er machte Halt bei ein paar Bananenbäumen, unter denen er sich im Schatten ausruhte. Die Bananenpflanze sagte ihm, dass das nächste Wasser erst bei dem Dorf sei und so musste der Büffel erschöpft bis dorthin weiterlaufen. Endlich kam er in den Dorf an und teilte den Menschen mit, dass der mächtige Gott ihm aufgetragen habe, ihnen zu sagen, dass sie drei Mahlzeiten am Tag essen sollten. Zufrieden und erfrischt machte der Büffel sich auf den Rückweg und erzählte dem Gott von seinem Erfolg. Der Gott war erzürnt über den Fehler des Büffels und bestrafte ihm damit, dass er nun den Menschen im Dorf auf den Feldern helfen müsse, damit sie genug zu Essen anbauen könnten für drei Mahlzeiten am Tag. 

Das war der Grund warum die Menschen in diesen Dörfern die Wasserbüffel, wenn sie alt werden, frei lassen im Wald. <3 Und wenn ein Tier stirbt, wird es nicht gegessen, aber die Haut wird den Mönchen gespendet, die daraus traditionelle Trommeln herstellen. 


River View Restaurant :)


Zurück in Hsipaw war es schwer durch die Situation durchzusteigen, denn man bekam von jedem andere Informationen und wir hatten überhaupt kein Gefühl für die Lage. Die Fakten waren: Brücke zerstört, Militärstützpunkte in der Nähe von Mandalay angegriffen, mehrere Tote, aber keine Zivilisten. Der Zug fuhr nicht, die extra Flüge von Lashio, die primär für Touristen waren, waren voll. 

Wer noch ein paar Infos will (über das Viadukt sind wir heute gefahren und in Pyinoolwin sind wir gerade, fühlen uns hier aber sehr sicher): Link1 und Link2

Später bekamen wir die Information, dass am nächsten Tag der Zug wieder fahren sollte. Eine Erleichterung für die, die ihre Rückflüge nach Europa erwischen mussten. Wir wollten die Lage lieber noch abwarten und blieben daher noch eine Nacht länger. Der Zug brauchte wohl auch ein paar Stunden länger und es gab viele Kontrollen durch das Militär. An diesem Morgen hatte es noch mehrere weitere Anschläge in der Nähe von Lashio gegeben und so wurde ab Nachmittag in Hsipaw eine Ausgangssperre verhängt. Wir mussten an unserem Hotel klingeln, weil die Schotten schon halb runter gefahren waren, als wir gegen 17 Uhr zurück kamen. Nach uns wurde alles komplett geschlossen, wir waren die einzigen Gäste dort. Es kamen ja auch keine neuen Touristen rein in den Ort.. Es war ein merkwürdiges Gefühl an der Polizeistation vorbei zu gehen, vor der gerade ein Truck mit Soldaten angekommen war. Alle Anschläge waren gegen Polizei und Militär gerichtet gewesen. Nur schnell weg dort. Es sollen dort in der Nähe später am Abend auch Schüsse gefallen sein, erzählten uns ein paar aus unserer Gruppe, die wir am nächsten Tag trafen und die nach uns dort in der Gegend waren. 
Es war für uns auch schwer einzuschätzen wie die Bevölkerung dazu stand. Wir wussten, dass nördlich von uns viele Dörfer in der Hand der Rebellen waren und dass dort wohl dann immer ein Sohn aus jeder Familie in die Armee eintreten muss. Aber ob das mehr gezwungen als freiwillig ist, weiß man nicht. Auch sind es nicht nur "die Rebellen", es hatten sich drei verschiedene Gruppen für die Attacken zusammen geschlossen und es gibt noch mehr. In Myanmar leben so viele verschiedene Völker, dass wir auf unserer Wanderung, die ja nur durch zwei bis drei Dörfer ging, direkt zwei neue Sprachen "lernten". Mai sum ka sagt man in der Shansprache für Hallo und etwas das wie "Byebye" klingt in einer anderen Sprache (hat etwas gedauert, bis wir rafften, dass die Kinder uns nicht tschüss zuriefen). 
Es ist ein unglaublich faszinierendes Land. 




Den freien Tag nutzen wir zum Ausschlafen (am Abend zuvor hatten wir noch lange mit der Gruppe zusammen gesessen, Bier getrunken und mit dem Franzosen Schnecken probiert :D) und dann das Klein-Bagan erkunden. Alte Stupas standen dort in verschiedenen Straßen außerhalb verteilt, viele Kloster und Pagoden und Buddhas luden zum Durchschländern ein. Es war heiß, deswegen blieben wir nicht ewig, aber es war schön. Am coolsten war der Baum, der aus einer der alten Stupas rauswuchs. 






Alles war sehr entspannt, trotz der Lage und das Mittagessen im Lake View, wo wir vor der Tour auch schon zu Abend gegessen hatten, war sehr gut! 

Am nächsten Morgen mussten wir noch einmal in den 6. Stock hoch zum Frühstück auf dem Dach - es gab übrigens keinen Fahrstuhl, sind die direkt sicher gegangen, dass keine alten Leute im Hotel einchecken - und dann gingen wir zum Bahnhof. Der Zug fuhr zwar etwas verspätet, aber er fuhr. Wir sind endlich raus aus Hsipaw. Puh. 

---

Und es ist gut wieder unterwegs zu sein. Ich hatte keine Angst in Hsipaw, denn dazu gab es keinen konkreten Grund, aber man will irgendwie auch weiter. 

Und ich will auch keine Angst haben. 

Jeder hat Ängste und das ist vollkommen in Ordnung. Doch wenn man sein Leben davon bestimmen lässt, dann ist es doch nur eins:
Die Angst zu leben. 

Ich will leben und ich will keine Angst davor haben. 
Keine Angst zu sterben, denn das werden wir alle irgendwann. Aber wenn du stirbst, während du das tust, was du liebst, ist das nicht besser als etwas aus Angst nie gemacht zu haben? Das waren Gedanken, die ich hatte, als ich vor ein paar Wochen vom Tod dreier Ausnahmesportler in Kanada hörte. Sie hatten nichts falsch gemacht, waren kein unnötiges Risiko eingegangen, sie hatten einfach Pech. Und Pech kann man immer haben. Ein Autounfall auf dem Weg nach Hause oder oder oder. 

Und deswegen freue ich mich auf die Zukunft und auf das Leben. Jeder Moment ist kostbar und keine Angst soll mich zurückhalten genau das zu machen, was ich machen möchte. Ich bin glücklich mit den Entscheidungen, die ich getroffen habe, sie haben mich zu dem gemacht, der ich bin und da hin gegangen bracht, wo ich bin. 

Und natürlich werde ich wieder nach Deutschland kommen, denn das Leben hat noch so viel zu bieten. <3 
Myanmar, Thailand, Nepal, Indien und Sri Lanka werden mir am Ende viel geben, das ich mit zurückbringe und das mein weiteres Leben beeinflussen wird. Und darauf freue ich mich. Auf jede Erfahrung, jeden falschen Weg, der nur ein anderer Weg ist und jedes Missgeschick, das am Ende zu einer lustigen Geschichte wird. Denn seien wir doch ehrlich: Niemand will von einem perfekten Tag hören. :D Falls doch, erzähle ich gerne von meiner grünen Welle, die ich vor etwa 2 Monaten hatte, als ich mit dem Rad durch die Bremer Innenstadt gefahren bin. Ernsthaft, das war ziemlich episch. :P 

Zwei Wochen sind wir übrigens schon in Myanmar. Ich habe weniger als 250 Euro ausgegeben und dabei haben wir bis auf in Yangon immer ein Twin Bed Zimmer gehabt. Läuft. ;)

Sorry für den langen Text und herzlichen Glückwunsch, dass du es bis hier geschafft hast. :P