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Donnerstag, 30. Januar 2020

Für ein freies Tibet

The memories are all we have
So keep them safe and sound
Nothing matters but what we learned
Get your feet back on the ground

Well it's the last day under
Last day under the
Last day under
Last day under the
Last day under, under the sun

Volbeat - Last Day Under The Sun 


Wir waren also im Minibus nach Dharamshala - sehr bequem uuund wir trafen einen alten Bekannten wieder. Er hatte auch in unserem Hostel gewohnt und nun zufällig wieder das gleiche Hostel in Dharamshala bzw. einem kleinen Dorf daneben gebucht. Witziger Zufall. 
Die Fahrt dauerte bis zum frühen Abend, mit nur einer Mittagspause, wo wir sehr billiges Thali (verschiedene Currys, Dhal, Reis, Brot, etc.) aßen. Von Dharamshala, der größeren Stadt im unteren Bereich des Tals und mit einem der höchsten (und definitiv schönst gelegenen) Cricket Stadien der Welt, fuhren wir mit unserem indischen Kumpel, der auch keinen besseren Taxipreis heraushandeln konnte als wir, hoch durch Mcleodganj nach Bhagsu
Zum Verständnis: Dharamshala ist die größere Stadt, Mcleodganj ist etwas höher gelegen das Dorf, in dem der Dalai Lama wohnt und Bhagsu war noch mal dahinter, näher an den Bergen, die das Tal umschlossen. Eine schöne, ruhige Atmosphäre. :) 

Wieder ein nettes Hostel ausgesucht, wo wir den Mädelsschlafsaal für uns hatten. Gegen die Kälte stellten wir noch eine elektrische Heizung zwischen unseren Betten auf. Top. 
Leider war mir ein wenig unwohl, weswegen Insa alleine ihr Abendessen aß. Wir saßen draußen mit mehreren Leuten um eine Feuerschale herum und tranken warmes Wasser. 

Als ich mich dann fürs Bett fertig machte, kam es dann leider übel: Ich kotzte mir die Seele aus dem Leib. Ich weiß nicht, ob ich jemals wegen schlechtem Essen gekotzt habe, aber ich glaube nicht. Es war ziemlich unangenehm.. Ich lag dann ein paar Stunden mit Schüttelfrost im Bett und konnte mich nicht genug entspannen, um tatsächlich zu schlafen. 
Mitten in der Nacht lief dann Insa auch aufs Klo und trat dem Club bei. Wir machten erstmal nicht viel am nächsten Tag.. 


Nachmittags gingen wir allerdings noch runter nach Mcleodganj, um uns den Tempel des Dalai Lamas anzuschauen und durch das Tibetmuseum zu gehen. Ich war so fertig, dass ich sogar zu blöd war Fotos zu machen. :D

Beweis hier: Hälfte vom englischen Text abgeschnitten. Message trotzdem angekommen - 'Tibet's stolen child'. 


Leider war ich nicht zu fertig, um nicht zu verstehen was ich dort las. Schon am Eingang vor dem Tempel waren Infotafeln und ich hatte wirklich Mühe nicht zu weinen. Zweimal gab ich auf und musste mir unauffällig eine Träne von der Wange wischen. 
Ich hasse Menschen. 

Ich will nicht die ganze Geschichte wiederholen, aber um es kurz zu machen: Tibet stirbt. Das riesige Land, das oft als Dach der Welt bezeichnet wird und durchschnittlich auf 4500m liegt, ist dabei zu sterben. 
Die Tibeter werden von China unterdrückt und sind mittlerweile eine Minderheit im eigenen Land, das ihnen nicht mehr gehört. Viele sind geflohen und leben nun auf der ganzen Welt zerstreut. Der Dalai Lama lebt im Exil, politische Gefangene sind verschwunden. Das Land wird ausgebeutet, Wälder abgeholzt, Bodenschätze gefördert und das Ökosystem zerstört. Der so genannte "dritte Pol der Welt" mit riesigen Gletschern auf dem tibetischen Hochland verschwindet genauso wie die anderen beiden Pole und man weiß nicht was passiert, wenn das System erst kaputt ist. 

Die Tibeter haben immer wieder versucht Wiederstand zu leisten und auch heute noch setzen sich immer wieder junge Tibeter in Flammen, um auf ihr Problem aufmerksam zu machen. Im Museum gab es eine Wand mit Fotos dieser Menschen und ihren letzten Worten. So viel Trauer und Wut. Die Sehnsucht nach ihrem Zuhause spricht aus jedem Satz und Bild dort. Über dem Tempel hängt ein riesiges Gemälde von der Hauptstadt Lhasa. Die Menschen hier und der Dalai Lama werden sie wahrscheinlich nie wieder sehen. Erinnerungen sind alles, was übrig bleibt. 


Nach diesem doch etwas deprimierenden Tag, ging ich ohne etwas gegessen zu haben ins Bett und konnte am nächsten Tag endlich wieder frühstücken. 
Wir besuchten einen Wasserfall, der nur 1-2 km entfernt am Berghang lag. Es war nett dort und wir hatten die ganzen 3 Tage hier besten Sonnenschein. 
Wir unterhielten uns damit, dass wir (hoffentlich unauffällig) ein paar Mädels nachmachten, die in einem kompletten Fotoshooting-Rage waren. Handy ausrichten, Pose und "next". Pose wechseln. "Next". "Next". "Next". 


Am nächsten Tag gingen wir einfach nur spazieren. Endlich fühlte ich mich wieder fit. 
Am Rand des Dorfes entlang, schöne Sichten ins Tal, eine Bank mit Aussicht. Raubvögel zogen ihre Kreise in der Sonne. Insa und ich quatschten die ganze Zeit und alberten rum. Wir waren gut gelaunt nachdem es uns vorher ja nicht so gut gegangen war. Wir beschlossen, dass wir mit Ben (dem beste Engländer aus Myanmar) eine dreier Gruppe bilden müssten, um jedes Jahr einmal zusammen zu verreisen. Ben lernt gerade Deutsch mit einer tollen App und schickte uns Screenshots von Beispielsätzen:
  - Die Senioren springen aus dem Fenster. 
  - Die fetten Kinder essen Pizza. 
  - Wo ist die heilige Kartoffel?

Ich finde man sollte "heilige Kartoffel" als festen Term einführen! Was zur heiligen Kartoffel! 


Wir wanderten also immer weiter runter ins Tal, durch kleine Dörfer mit schmalen Feldern und einen Pinienwald. Es war so friedlich dort, dass wir schon wieder eine Pause machten. Man muss es ja nicht übertreiben. :P 
Und.. wir mussten später den ganzen Weg wieder hoch. Aber es war okay, meine Kraft war langsam wieder da. 

Mein Hunger würde sich die nächsten Tage jedoch in Grenzen halten. Es war komisch, aber irgendwie konnten wir nicht mehr viel Essen. Plötzlich - ohne darüber gesprochen zu haben - waren wir bei nur noch 2 Mahlzeiten am Tag und es waren nie große Portionen. Aber solange mein Körper sagt, dass alles gut ist, ist wohl alles gut. ;) 


Wir mussten gegen 4 Uhr früh los am nächsten Tag, um den Bus nach Amritzar zu bekommen, die entspannten Tage in den Bergen waren vorbei. Mit schwerem Herzen sagte ich dem Himalaya Tschüß, man sieht sich im April wieder. 
Ab jetzt wird es nur noch in den Süden gehen. Der Wärme entgegen. Das ist zur Abwechslung jedoch auch mal schön. Sommer, ich kommeeeee. OK, dauert noch.. Aber bald. 

Dienstag, 21. Januar 2020

Rishikesh - Let it be

And when the night is cloudy
There is still a light that shines on me
Shine until tomorrow
Let it be

Let it be, let it be, let it be, yeah, let it be
There will be an answer
Let it be

Let it be, let it be, let it be, yeah, let it be
Whisper words of wisdom
Let it be

The Beatles - Let It Be


Rishikesh. Eine Stadt, von der ich immerhin schon gehört hatte und zwar Positives. Also Erwartungen hoch! Naja, eigentlich nicht. ^^
Wir hatten zwei Tage dort geplant, verlängerten aber um eine Nacht, so dass wir drei Tage dort blieben. 


Für die meisten westlichen Touristen ist Rishikesh eine Hochburg für Yoga, Meditation, das Einkehren in einem Ashram und Entspannung. Für Hindus ist die Stadt, die auch am heiligen - hier noch sehr klaren - Ganges liegt, der Ausgangspunkt für Pilgerfahrten zu den Quellen des Ganges und anderen heiligen Stätten in den Bergen. Rishikesh ist hügelig und schön und markiert ein bisschen den Anfang des Himalaya-Gebirges. Es gefiel mir sofort. Berge habe ich ja schon länger nicht gesehen. ;) 

Am ersten Tag wanderten wir ein bisschen durch den touristischen Teil der Stadt (nicht den Teil, in dem die 70.000 Einwohner leben), kraxelten zu einem Viewpoint hinauf und erkundeten dann ein altes, verlassenes Ashram. Im warmen Sonnenschein nicht wirklich gruselig, aber ein in verblassten Buchstaben geschriebenes "Sanatorium" könnte nachts schon anders wirken. Insa unterhielt mich mit Geschichten über ein verlassenes Gebäude, das sie mal mit ein paar Leuten nachts erkundet hatte. :D

Sundayfunday-Shirts :)

Ein Tempel, der sich vielstöckig in den Himmel schraubte, eignete sich noch einmal perfekt als Aussichtspunkt auf den Fluss. 


Und dann waren wir am heutigen Highlight angekommen: dem sogenannten Beatles Ashram. Der Eintritt war recht teuer und so googelten wir kurz nach Bildern, um zu schauen, ob sich ein Besuch überhaupt lohnen würde. Ich meine, nur weil da die Beatles mal ne längere Zeit gewohnt und Lieder geschrieben haben, muss das ja nicht schön sein. Naja, sah aber schon ganz cool aus, also beschlossen wir rein zu gehen und das war die beste Entscheidung! Das ganze Gelände war ein einziges Wow. 

Zunächst erkundeten wir die über 100 Meditationshütten, die wie kleine Wichtel im Wald standen. Das obere Stockwerk konnte über halb zerfallene, abenteuerliche Treppen erreicht werden und dann konnte man auf dem Dach von Hütte zu Hütte gehen. Die Natur ist gerade dabei die Hütten langsam zurück zu erobern und ich bin mir sicher, dass es so noch schöner aussieht als damals, als die Hütten noch in Benutzung gewesen waren. 


Kurze Zeit später auf dem Dach des Gebäudes des Meditationsgurus schlief ich erstmal ne Runde in der Mittagssonne. Irgendwie hatte mich das viele Herumlaufen müde gemacht, nachdem ich heute das erste Mal wieder ordentlich hatte frühstücken können. 


Danach erforschten wir ein riesiges, verlassenes Hotel, in dem Street Artists die Wände mit verschiedenen Bildern bemalt hatten. Es gab ein paar richtig tolle Motive und ich bin mir recht sicher, dass wir nicht alle fanden. Aber die, die wir fanden, waren schon toll genug. 


Der Beatles-Bungalow war dagegen wenig spannend. Also nur kurz rein geschaut und weiter - denn danach fanden wir die beiden coolsten Gebäude. Die Bilder an den Wänden waren Beatles-spezifisch und riesig (ich lasse lieber mal Fotos sprechen, denn das richtig gut zu beschreiben dauert zu lange):


Als wir dann zum Schluss durch die Fotogalerie schlenderten, wurde mir komischer Weise erst wirklich bewusst, dass die Beatles tatsächlich hier gewesen waren. Exakt hier. Für längere Zeit, ein paar Lieder wurden hier geschrieben und ein paar Texte sind inspiriert von diesem Ort. 18 der Lieder, die hier geschrieben wurden, landeten auf dem weißen Album, falls hier irgendjemand daran interessiert ist. Faszinierend. :) 


Das Gelände dieses alten Ashrams liegt direkt an einem Naturreservat, in dem es auch Tiger gibt, aber dieses Mal hatten wir keine Pläne für eine Safari. 
Wir waren lieber von den Tieren in der Stadt begeistert. Ein süßes und ganz flauschiges Kälbchen wurde von uns geherzt, Straßenhunde gestreichelt und Welpen geknuddelt. Später sahen wir sogar zwei Ferkel glücklich am Fluss entlang laufen. Naja, und Kühe sowieso. Ich werde es so vermissen all die Kühe und Hunde auf den Straßen zu sehen. So friedlich und schön. 


Wir hatten an diesem ersten Tag schon viel gesehen und setzten am nächsten Morgen noch einen drauf. Um 5 Uhr los, um uns den Sonnenaufgang über den Bergen anzuschauen. Ich bin ja nicht so der Morgenmensch und es war stockdunkel und ich grummelte die Fahrt über vor mich hin, aber die 200 Treppenstufen und ein leckerer Chai machten mich dann langsam wach. Und für diesen Sonnenaufgang wäre ich auch um 4 Uhr aufgestanden. Ernsthaft. Wir hatten es uns in der ersten Reihe vor dem Geländer der Terrasse gemütlich gemacht. Beste Sicht, in die sich niemand reinstellen konnte (außer die Person kann fliegen). 

Langsam kroch der erste rötliche Schimmer hinter den Hügeln im Osten hervor. Der helle Nebel lag im Rishikesh-Tal und ließ die dunklen Berge noch mehr hervorstechen. 
Die Farben im Himmel wurden intensiver, orange-rot, bis der Himmel in Flammen stand. Als die Sonne sich plötzlich zum ersten Mal zeigte, glühte es gelb auf. Manchmal ist diese Welt der schönste Ort, den man sich vorstellen kann. 


Wir waren die ersten dort oben gewesen und fast die letzten, die gingen. Wunder muss man genießen. :) 
Ein wenig die Treppen hinunter aßen wir dann ein klassisches indisches Frühstück. Kartoffel-Paratha. War lecker, aber ein Stück schnappte uns ein pfiffiger Affe weg, der es irgendwie durch den Zaun geschafft hatte, der alles dort umgab (wegen der Affen). 


Wir wanderten nun etwa 2 Stunden durch grüne Hügel und kleine Dörfer immer nach unten. Unser Guide war super nett (er arbeitete in unserem Hostel) und das muss nach der schlechten Erfahrung in Khajuraho definitiv hervorgehoben werden. Wir quatschten, er erzählte uns viel über die Gegend und am Ende tanzten und sangen wir auf der Straße zurück nach Rishikesh. Ich glaube er wird noch oft von uns erzählen. Irgendwie schaffen wir es immer, dass uns die Leute lieben. :D

Kurz vor der Straße kamen wir noch an einen tollen, mehrstufigen, terrassenförmigen Wasserfall. Wir hätten dort schwimmen gehen können, aber es war zwar warm, aber nicht heiß und es waren noch ein paar indische Männer dort und da muss ich mich nicht unbedingt ausziehen. War wohl auch der Grund, warum wir gar nicht erst Badesachen eingepackt hatten. 


Die erste Stufe war die höchste, mit einem klassischen Fall, danach floss das Wasser in breiteren Kaskaden durch die Waldlandschaft. Eine Affenbande zog vorbei und das klare, türkise Wasser rauschte leise. 


Hach, der Vormittag hatte sich mehr als gelohnt. 
Und unser Reiseglück hielt an. Unseren Plan abends im Hostel zu Abend zu essen, hatten wir genau am richtigen Tag gemacht, denn plötzlich kam ein Unwetter über das Tal gezogen mit ordentlich Regen und Gewitter. 

Am nächsten Tag erinnerte nichts mehr daran und wir konnten ein paar Sachen erledigen. ATM suchen - nicht so einfach.. Kommentar Hostelmitarbeiter "ja, in touristischen Gegenden sind nicht so viele, aber wenn man in Wohngegenden geht, findet man überall welche." Ernsthaft, Indien? Willst du es den Touristen extra schwer machen? 

Naja, außerdem konnten wir unser Busticket für den nächsten Tag buchen und wir frühstückten in der 'Mother Miracle' - Bäckerei. Ein Hilfsprojekt, das sich für arme Kinder einsetzt, sie in die Schule schickt und Computerausbildungen finanziert. Davon kauften wir auch die Kekse. Gute und wichtige Arbeit. 

Wir liefen an diesem Tag viel in der Sonne am Ganges entlang und sahen noch eine Verbrennung am Ufer. Wir blieben allerdings nicht stehen. 


Es war wunderschön in Rishikesh, entspannt, warm und es gab leckeres Essen. Wir waren 3 mal bei 'Pumpernickel', das wir schon in Pokhara entdeckt hatten. <3 
Mir geht's wieder gut und ich war bereit für den Nachtbus hoch in die Berge. Was mir gar nicht bewusst war: Schon Rishikesh liegt nördlicher als der nördlichste Punkt, den wir in Nepal gesehen hatten und nun ging es noch weiter in den Norden. :) Berge, wir kommen!

Kussi <3 

Freitag, 17. Januar 2020

Von schönen Orten und schmerzenden Bäuchen

We live in a beautiful place
Let love take away all this pain
We live in a beautiful place, ah oh
We wasted so many days
Our hearts are as dark as the rain
We live in a beautiful place, ah oh, ah oh

A Beautiful Place - Good Charlotte


Vor vier Uhr aufstehen liebt ein Morgenmensch, wie ich, besonders. Immerhin waren wir somit sehr früh in Orchha. Sonnenschein begrüßte uns. Aber erstmal legten wir uns noch kurz ins Bett. Mir ging es nicht besonders gut, ich hatte am Tag zuvor das Abendessen ausgelassen und dachte, dass ich mir wieder eine Erkältung eingefangen hätte. Bei den kühlen Nächten ohne Heizung hätte mich das nicht gewundert. Aber es wurde im Laufe des Tages klar, dass es ein "Delhi-Belly" war. Und das kurz vor Delhi.. Wer sich darunter nichts vorstellen kann: Durchfall. Mehr sag ich dazu jetzt nicht. 


Orchha ist berühmt für seine vielen Paläste (indisch: Mahal) und Tempel aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die sich über die komplette Stadt verteilten. Da Orchha selbst eher klein ist, sah man eigentlich von jedem Punkt in der Stadt irgendein cooles Gebäude. Verschiedene Alter, unterschiedliche Stile, mal eher Ruine, dann ein neueres, helles Gebäude, in dem gerade irgendein Gottesdienst oder so abging. Glockengebimmel und Gesänge, viele Räucherstäbchen. Wir standen etwas verwirrt herum, denn natürlich gab es keine Erklärung auf Englisch. Es waren hunderte Menschen aus uns komplett unerklärlichen Gründen in diesem Palast..


Wir blieben nicht sehr lange und schauten uns lieber die beiden Highlights an. Ich zombiete den ganzen Tag eher hinter Insa hinterher, aber die tolle Architektur wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ignoriert einfach mein blasses Gesicht auf den Fotos. 
Erstmal zum Raja Mahal, das wir gründlich erkundeten. Burgmäßig aufgebaut auf einem kleinen Berg zwischen Flüssen und mit starken Mauern, die die Höfe und das Hauptgebäude umschlossen. Große, graue Affen bevölkerten den Palast. 
Das Hauptgebäude umschloss einen großen Innenhof und wir erkundeten jedes Stockwerk. Die schmalen Galerien hatten nur sehr niedrige Geländer und ich versuchte möglichst vom Abgrund wegzubleiben, denn ich fühlte mich etwas schwach und ich hatte keine Lust einen Schwindelanfall neben einem Fall von mehreren Metern zu haben. 


Aber ging alles gut und so durchstreiften wir die nähere Umgebung mit Gärten, die gerade aufgeräumt wurden, um sie wieder zu nutzen? Es war sehr faszinierend den Aufbau des Geländes zu sehen. 

Das zweite Highlight waren die Chhatris (Memorialbauten über den Verbrennungsplätzen der "Rajas" - Hindufürsten) am Flussufer. Sehr gepflegte Gärten und hübsche Gebäude, auf denen geschützte Geier nisteten. 


Ich hatte es bis zum Abend geschafft eine Flasche Cola zu trinken und gönnte mir nun zum Abendessen mal was festes: gekochte Kartoffeln. Seufz. Das Essen von allen anderen sah so lecker aus... 


Am nächsten Tag hatten wir noch Zeit uns den Rama (7. Inkarnation Vishnus) Tempel aus dem 16. Jahrhundert anzuschauen, der architektonisch etwas ungewöhnlich war - es war eine Mischung aus Palast, Tempel und Fort. Wir konnten auf das Dach steigen, auf dem kleine, runde Türme in den Himmel ragten. Diesmal gab es gar keine Geländer... 


Überall in der Stadt verkauften kleine Geschäfte Milchkekse, die wir probieren durften, um dann ein paar davon zu kauften. Der Ladenbesitzer war so glücklich, dass er Fotos und unsere Nummer wollte. 


Am frühen Nachmittag fuhr uns dann ein TukTuk zum etwa eine Stunde entfernten Jhansi, dem nächsten Bahnhof. Auf einer Abkürzungsstraße wurden wir plötzlich angehalten und gefragt wo wir hinwollten. Wir dachten wir würden jetzt ausgeraubt werden, aber war nur das Militär. Jhansi ist quasi eine Militärstadt. Nagut. Durften weiter und erreichten ohne weitere Probleme den Bahnhof. Unseren Zug zu finden war dann etwas schwieriger, weil sich unser Gleis etwas versteckte und die Beschilderung mehr als schlecht war. Aber wir sind ja extra viel zu früh da, damit uns sowas nicht in Stress bringt. 

Der Zug war bequem, es gab Essen (schon im Ticketpreis drin), das ich vielleicht nicht hätte essen sollen und so kamen wir abends in Delhi an. 
Wir hatten Delhi eigentlich umfahren wollen, aber wegen Nebel sind alle Züge für die nächsten zwei Wochen auf dieser Route gestrichen worden. Also halt eine Nacht in Delhi und dann am nächsten Tag weiter nach Haridwar, eine Stunde vor Rishikesh

Ich litt. Die 6 Stunden im Bus waren ein ziemlicher Horror, denn mir ging es immer noch nicht besser.. 
Das war dann auch der Grund, warum wir einen Tag länger als geplant, hier blieben. Ich brauchte einen Tag im Bett. Insa war ein Schatz und besorgte mir für nicht mal 1,50 Euro irgendwelche Tabletten aus der Apotheke. Irgendwas gegen Durchfall und ein Breitbandantibiotikum. Ich aß die Tabletten abends mit ner Packung Cracker, mein einziges Essen an diesem Tag. Hurra. 

Aber das Zeug schien zu wirken. Reis und Brot und einen Tag später ging es mir wieder so gut, dass wir uns die Stadt anschauen konnten. 


Haridwar ist bei westlichen Touristen eher seltenerer Teil des Programms, dafür aber ein berühmter Pilgerort für Hindus. Wie auch Rishikesh liegt es am Ganges und hat dort in einer Kurve des Flusses einen großen Platz mit Tempeln, Treppen und Straßenverkäufern. Es war erstaunlich voll, dafür, dass gerade kein Feiertag war. Menschen badeten im Fluss oder saßen auf den Treppen in der Sonne. Wir schlenderten durch die Gegend, schauten uns den Uhrenturm an, gingen am Fluss weiter herunter, bestaunten die Figuren am Ufer und im Wasser des Ganges, der hier doch um einiges klarer war, als in Varanasi und besuchten dann eine große Statue von Vishnu, die über dem Fluss thront.


Vielleicht weil es ein Pilgerort ist und somit auch im Winter sehr gut besucht, vielleicht auch aus ganz anderen Gründen, waren hier überdurchschnittlich viele Bettler. Da wir als Weiße natürlich auffallen, werden wir also recht häufig angesprochen. Das war nicht wirklich was Neues für uns, auch wenn es das ganze nicht angenehmer macht. Manche sind sehr aufdringlich und andere haben interessante Strategien entwickelt. In Varanasi wurden wir oft von Frauen mit Babies oder kleinen Kindern angesprochen, die mit einer leeren Flasche wedelten und wollten, dass wir Milch für sie kaufen. Macht natürlich keinen Sinn, denn ich habe einmal eine der Frauen ihr Kind stillen gesehen. Der Trick ist, dass du Milch kaufst und sie die Tüte dann wieder zurück verkaufen. 
Naja, um das ganze kurz zu machen: Wir geben kein Geld und wir kaufen nichts von Kindern. 
Aber immerhin konnte ich hier ein wenig Freundlichkeit an eine alte Frau geben, die eine schwere Tasche eine Treppe hinauf schleppte. Sie fragte einen vorbeikommenden Mann um Hilfe, aber der ging einfach weiter, also nahm ich eine der Tragelaschen und half ihr. Dass ich die ganze Tasche nahm, wollte sie nicht, aber am Ende lächelte sie mir super lieb zu. 


Um den ganzen Besuch noch abzurunden, fuhren wir mit einer etwas klapprigen Seilbahn hoch zu einem Tempel mit netter Aussicht auf die Stadt und das Tal. Der Tempel selbst war nicht so spektakulär. 


Haridwar (Wikipedia - immer noch ein faules Mareiki): "Im Hinduismus ist sie eine Pilgerstätte und zählt zu den sieben heiligen Städten. Hauptzielpunkt der Pilger ist der Hari-ki-Pauri. Im Brahmakund fließen nach Vorstellung der Gläubigen die himmlischen Wasser in den Ganges. Ein Tempel hier soll den Fußabdruck Vishnus enthalten. Der Ort ist deshalb bedeutsam, weil hier der Eintritt des Ganges in die Ebene gesehen wird.

Alle 12 Jahre findet in Haridwar an den Ufern des für Hindus heiligen Flusses Ganges ein großes religiöses Fest, die Kumbh Mela statt. Die Städte Haridwar, Allahabad, Nashik und Ujjain veranstalten die Kumbh Mela alle drei Jahre im Wechsel, also jeweils im Zwölfjahresrhythmus. Die letzte Kumbh Mela in Haridwar fand im März und April 2010 statt und wurde von 40 Millionen Menschen besucht, davon versammelten sich allein zehn Millionen am Haupttag zum Bad im Ganges."

Haridwar war nett und entspannt und das Essen war richtig gut und billig. Zumindest meinte Insa das, ich hatte davon nicht viel..
Aber immerhin konnte ich am letzten Abend wieder Gemüse essen, so dass ich beschloss ab Rishikesh am nächsten Tag wieder gesund zu sein. ;)