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Freitag, 14. Februar 2020

Auf der Jagd

Face to face, out in the heat
Hanging tough, staying hungry
They stack the odds still we take to the street
For the kill with the skill to survive

It's the eye of the tiger
It's the thrill of the fight
Rising up to the challenge of our rival
And the last known survivor
Stalks his prey in the night
And he's watching us all with the eye of the tiger

Survivor - Eye Of The Tiger



Wir hatten schon in Delhi eine Unterkunft für unseren nächsten Zielort gebucht, weshalb wir da natürlich auch hinwollten / mussten. Dummerweise konnten wir jedoch keinen Zug dorthin buchen, da alle Züge (okay, es fuhr nur einer tagsüber) ausgebucht gewesen waren. Auch spontan konnten wir nun keine Tickets mehr bekommen, also musste ein Plan B her. Bus geht eigentlich immer, wir hatten bisher ja überwiegend Busse genommen in Indien.. Aber die einzige Verbindung ging über Jaipur und machte daher einen sehr großen Umweg. Nicht cool. Wir entschieden uns im Endeffekt für Plan C und buchten ein Taxi, das uns in 5-6 Stunden runter nach Sawai Madhopur fahren würde. Es war nicht billig, aber wir konnten auch nicht mehr umplanen, also bissen wir in den sauren Apfel und fuhren. Es war immerhin sehr entspannt und unser Fahrer verfuhr sich nur einmal in der mittlerweile steppenartigen, trockenen Landschaft. Die kleinen Bauerndörfer dort waren jedoch viel hübscher als die Hauptstraße, da kann man sich gar nicht beklagen. 

Unsere Unterkunft dort war simpel und da es in dem Ort weder Hostels noch bezahlbare 3-Bett-Zimmer gab, hatten wir 2 Zimmer. Insa bekam eins alleine, was auch gut war, denn sie wollte in der zweiten Nacht extra früh aufstehen, um den Superbowl zu gucken. Wir anderen beiden nicht. :P

Sawai Madhopur liegt am Rande der Ranthambore Tiger Reserve und diese ist auch der einzige Grund warum jemand hier her kommen würde. An spannender Architektur gab es wohl nur ein Fort, das wir uns nicht anschauten. Hupsi. 
Wir hatten zwei - für Indien - teure Touren gebucht, um die Möglichkeit Tiger zu sehen zu erhöhen. Wir hatten nur einen vollen Tag dort und auch wenn die Chance hier Tiger zu sehen statistisch am höchsten ist, heißt das ja gar nichts. Viele machen tagelang ein bis zwei Touren und auf der Straße wurde man auch immer gefragt wie viele man denn schon gemacht hätte. Zwei Versuche für uns. Daumen waren gedrückt. 

Also stiegen wir am nächsten Morgen etwas müde in den Canter (quasi ein Minilaster, auf den etwa 20 Leute passen). Es war arschkalt. Der Wind zog natürlich ungehindert durch das offene Fahrzeug und es war einfach noch zu früh für die wärmenden Sonnenstrahlen. Wir kuschelten uns unter Wolltücher und aneinander, während wir noch andere Menschen einsammelten, bis der Wagen voll war. 


Dann ging es in den Park. Und die Gegend war wirklich schön. Wir waren mittlerweile im Staat Rajasthan, der auch der Wüstenstaat genannt wird. Wer also dichten Urwald erwartet hat, wird enttäuscht. ;P Es war steinig, zerklüftete Hänge erhoben sich zu beiden Seiten des Weges, ein lichter, trockener Wald bedeckte den Talboden. Es gab ein paar Flüsse und Seen, aber der Boden war recht trocken. Wir sahen Rehe, Hirsche und Antilopen und Affen und verschiedene Vögel. Als wir einmal eine Pause machten, fütterten wir Elster-artige bunte Vögel mit Weintrauben aus unseren Händen. Es kitzelte, wenn die Tiere einen Sekundenbruchteil auf der Hand landeten und sich die Traube schnappten.
Eine süße Eule schlummerte über uns in einem Astloch. Süß! Es war eine schöne Tour gewesen. 


Leider sahen wir keinen Tiger und mussten nun all unsere Hoffnung auf die Nachmittagstour legen. 

Wir hatten vorher noch Zeit uns in der Mittagssonne aufzuwärmen, es war nun angenehm über 20°. Um 14 Uhr ging es dann schon los. Dieses Mal hatten wir den etwas teureren Jeep gebucht, in dem nur wir und eine indische Familie mit zwei kleinen Kindern saßen. Und der Fahrer gab Gas. Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt auf der Fahrt zum Nationalpark. Diesmal einer ganz anderen Stelle. 

Wir fuhren hinein, sehr zielstrebig zu einem trockenem Bachlauf. Der Beifahrer stieg aus und suchte nach Spuren. Selbst ich konnte dann aus dem Jeep die Schleifspur und Blutreste am Stein sehen. Sah aber nicht frisch aus. Man erzählte uns, dass ein Tiger hier in der Nacht oder am frühen Morgen einen Hirsch gerissen hatte. 
Wir fuhren weiter. Dann plötzlich, etwa 100m von uns entfernt: Ein Leopard. Er aß die Reste des Hirsches - das Geweih gut erkennbar zwischen den Bäumen. Wow. Leoparden sind deutlich seltener im Park, also fühlten wir uns sehr glücklich. Es hatte sich gelohnt hier her zu kommen.

Aber wir blieben nicht lange hier, es ging schon wieder weiter, etwas weiter in den Wald hinein. Und ungelogen, keine 2 Minuten später kam der Ausruf "Tiger"! Und ich sah einen riesigen Flecken weit entfernt zwischen den Bäumen. Hätte auch ein Bär sein können, aber wenn die sagen, dass das ein Tiger ist.. Oh mein Gott, wie viel Glück hatten wir denn? 

Und wir standen kaum, da erhob sich das Tier und trottete auf die zwei, drei Jeeps zu. Ich war so total hibbelig, dass ich die ganze "oh mein Gott, ein Tiger" vor mich hin brabbelte. Er kam langsam auf uns zu und ging MAXIMAL 5m an uns vorbei. Kein Zaun, kein geschlossenes Auto, nichts zwischen uns und diesem riesigen, majestätischen Tier. Es war ein Männchen und er war so vollgefressen, dass er leicht humpelte. Na, dann brauchte ich mir wohl um mich selbst keine Sorgen machen. 

Der Tiger legte sich dann wieder irgendwo hin, aber an einer Stelle, wo wir ihn besser sehen konnten. Wow. Sogar mit meiner Handykamera konnte ich brauchbare Fotos machen. Nun erfuhren wir auch, warum er da so ruhig herum chillte. Er war durstig, aber das nächste Wasser befand sich hinter einer Baustelle, an der noch gearbeitet wurde. Erst wenn die Menschen und Bagger am Abend gehen würden, würde er zum Wasser gehen. Glück für uns! 


Wir beobachteten den Tiger ein oder zwei Stunden, bis wir wieder aus dem Park heraus mussten. Die anderen Tiere (unter anderem verdammt viele Pfauen - Pfaus? Pfaue? Pfauissen?), die wir noch sahen verblassen irgendwie neben dieser Erfahrung. Einen wilden Tiger in freier Wildbahn zu sehen, das ist etwas unglaublich Besonderes für einen normalen Menschen, wie mich. <3 

Später erfuhren wir dann, dass unser Hotelbesitzer quasi der Grund war, dass wir den Tiger gesehen hatten, denn der Teil des Parkes, in den man herein darf, ist in Sektoren aufgeteilt. Und die Fahrzeuge bekommen immer einen Sektor zufällig zugeteilt. Jedoch können die Hotelbesitzer wohl Einfluss nehmen (hallo, wir sind hier schließlich in Indien, Geld kann so einiges regeln) und so hatte der gute Mann uns morgens in Sektor 5 geschickt, wo am Tag zuvor ein Tiger gesichtet worden ist und dann in 7, weil er von dem gehört hatte, den wir dann auch tatsächlich gesehen haben. 

Überglücklich gingen wir an diesem Tag ins Bett. So konnte die Reise am nächsten Morgen gut gelaunt weiter gehen. 



Unser nächstes Ziel war Bundi, das wir in einer Zug / Bus Kombi erreichten. Und wir nahmen noch ein bisschen mehr echtes Indien mit, indem wir im "unreserved" Abteil fuhren. War mega billig, dafür mussten wir eine halbe Stunde zwischen anderen Menschen stehen, bis endlich Plätze für uns frei wurden. Luxus sieht anders aus, aber die Fahrt war weit davon entfernt einer dieser vollen Züge zu sein, aus denen die Menschen herausquellen und sich von Außen festhalten. Ich weiß nicht wo diese Bilder her kommen, aber gesehen haben wir so etwas noch nicht. 


Da wir schon mittags in Bundi ankamen, schauten wir uns noch am selben Tag das Fort und den Palast oben auf dem Berg an. 
Tolle Räume, Aussichten und ein etwas anstrengender Spaziergang im warmen Sonnenschein auf den Berg hinauf. 



Heute lernten wir, dass man Affen nicht in die Augen schauen sollte und erneuerten unseren Respekt vor den Tieren. 
Außerdem schaffte ich es zwei Mal meine Wasserflasche zu verlieren. Einmal stellte ich sie ab um bescheuerte Fotos machen zu können, vergaß sie dort bis ein Affe sie klaute und ein netter Security Mann sie zurück erkämpfte. Und beim zweiten Mal schauten wir gerade in ein tief im Boden liegendes Wasserbecken mit geometrischen Stufen an den Wänden (Step Well), die es an vielen Orten in Rajasthan gibt. Ich schaffte es irgendwie sie hereinfallen zu lassen, so dass sie unten auf dem schmalen Weg neben dem Wasser lag. Ich Trottel. Also kämpfte ich mich die schmalen und überwachsenen Stufen runter, zog ein paar kräftige Dornen aus meinen Sohlen und schob mich am Ende durch einen mit Spinnenweben vollgehangenen Dornenbusch. Ich hoffe die Flasche ist mir unendlich dankbar für dieses nicht ganz so angenehme Abenteuer. :P

Auf der mittleren Stufe landete meine Flasche.. 


Saskia hatte ein bisschen Probleme mit der Hitze, Trockenheit und dann auch noch dem Besteigen des Berges, aber wir hatten ja Zeit und machten den Ausflug zu einem tollen Tag. Insa und ich kletterten in ein paar alte Gebäude und schauten von den Mauern hinunter ins Tal und auf die Stadt und versuchten nicht zu lange zu bleiben, wenn Saskia etwas Abstand hielt. Das arme Lämmchen hat Höhenangst. 



Am späten Nachmittag schauten wir uns noch zwei Step Wells in der Stadt an, die hübsch symmetrisch waren, aber leider lag viel Müll im Wasser, was das Bild etwas zerstörte. ;) 

Am nächsten Vormittag schauten wir uns dann den berühmtesten Step Well an, der unter einem von wunderschön verzierten Säulen gehaltenen Dach lag. Das hatte ich nicht erwartet und ich stand gut staunend da: Elefanten, Verzierungen, Gottheiten. Unten klares Wasser und Stufen, die in das komplett ruhige Becken führten. Es könnte eine Szene aus einem Fanstasyfilm sein. 


Mittags verließen wir das wunderschöne, entspannte und warme Bundi, um etwas mehr Zeit im nächsten Ort zu haben: Pushkar. 


Mittwoch, 18. Dezember 2019

Einhörnerparadies

Forever zusamm', ich halt' dich im Arm,
Sonnenuntergang.
Und wir geh'n heut' Nacht ein Einhorn fang'
Zusamm', ich halt' dich im Arm,
Sonnenuntergang,
Und wir geh'n heut' Nacht ein Einhorn fang'

Einhorn fang - MC Fitti


Jap, großartiger Songtext, ich weiß. :P Aber auch dieses Lied hat es in unsere höchst epische Travel-Playlist geschafft. ;)

Aber darum geht es nicht. Sondern um Natur! Wuhu! Raus aus dem versmogten Kathmandu und rein in den Nationalpark. Quasi.
Wir haben keine Ahnung warum keiner unserer Travelbuddies nach Chitwan gefahren ist, denn mit 5-6 Stunden ist der Park näher dran als Pokhara und viele Orte, von denen man eine Wanderung startet. Uuuund ganz anders als alles, an das man so denkt, wenn man Nepal hört.

Chitwan National Park. 
Sauraha, Nepal. 

Wir fuhren aus einem Tal, das südlich von der Hauptstraße zwischen Kathmandu und Pokhara abging, quasi direkt aus den Bergen heraus. Es wurde warm und plötzlich säumten Palmen die Straße. 50km und man war in einer anderen Welt.



Keine Berge in diese Richtung. Es war wirklich komisch wieder auf flacher Ebene zu sein. 


Wir hatten eine süße Lodge mit Veranda gebucht und richteten uns kurz dort ein. Es war so angenehm die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren - es war doch recht kühl geworden in Kathmandu. Hier war noch ein letzter Rest Sommer. :)

Am späten Nachmittag machten wir einen kurzen Spaziergang zum Fluss hinunter, der die natürliche Grenze zwischen Dorf und Nationalpark bildet. Dieser Fluss fließt übrigens viele, viele Kilometer stromabwärts in Indien in den Ganges. 
Langsam färbte die untergehende Sonne den Himmel und Fluss golden und wir bestaunten die paar Krokodile auf der Sandbank uns gegenüber. Eins davon war ein Gharial, ein Krokodil, das eine sehr dünne, flache Schnauze hat und sich ausschließlich von Fischen ernährt. Diese Art ist vom Aussterben bedroht - man schätzt, dass es nur noch 200-1000 Tiere in der freien Wildbahn gibt. Und hier im Park gibt es nicht einmal mehr 50.


Krokodile auf der Sandbank




Glücklich dieses Tier gesehen zu haben, gingen wir noch ein bisschen am Fluss entlang und sahen plötzlich ein schlafendes Nashorn im hohen Gras liegen. Einfach so. Wie hart wir in Afrika nach diesen Tieren suchen mussten und hier chillte quasi eins im Vorgarten der Stadt. 
Kurz darauf sahen wir noch ein zweites über die Sandbank spazieren. Wir waren nicht mal im Nationalpark gewesen und hatten schon zwei Nashörner gesehen!
Ich versprach mich ein paar Mal in der Aufregung und nannte die Tiere Einhorn, womit Insa mich den Rest des Tages aufzog. Aber hey, komplett falsch lag ich damit nicht, denn anders als die afrikanischen Tiere, haben die asiatischen Nashörner nur ein Horn.

Nashornsuchbild

Am nächsten Tag ging es dann wirklich in den Chitwan Nationalpark. Wir hatten die acht-Stunden-Wanderung gebucht, um möglichst viel von der Gegend sehen zu können. Wir und zwei Guides mit Bambusstöcken.

Erstmal eine Sicherheitsunterweisung (safety first und so):
  - Rhino: renn so schnell du kannst und kletter auf einen Baum. Lass dabei noch was von dir fallen, damit das Tierchen abgelenkt ist. Falls kein Baum in der Nähe, renn über spitze Steine, das tut denen weh.
  - Elefant: auf nen Baum klettern ist auch hier nicht schlecht, aber die kommen höher, also besser in dichten Wald laufen, wo sie dir nicht mehr folgen können.
  - Bär: alle zusammen groß machen und laut sein. Quasi was man standardmäßig so macht bei Bären.
  - Tiger: Augenkontakt und nicht rennen. Bloß nicht umdrehen. Ok. Kein Problem. :P



Am Fluss ging es los. Wir fuhren in einem Kanu, das aus einem einzigen Baumstamm per Hand geschnitzt worden war, eine dreiviertel Stunde auf dem dampfenden Fluss durch den stillen Morgennebel. Es gab warme Quellen, weswegen das Flusswasser wärmer als die Luft war und den Fluss dampfen ließ. Die Krokodile schliefen daher noch im warmen Wasser und zeigten sich nicht. Hinter uns ging rot-orange die Sonne über der farblosen Welt auf. Es war still und der Nebel schnitt uns schnell von der Zivilisation des Dorfes ab.


Der Fluss war ein Paradies für Vögel. Wir sahen mehrere Eisvogelarten, Reiher, Ibise, hier überwinternde Enten aus Sibirien, Störche und Pfaue. Klar habe ich schon viele Pfaue gesehen, aber noch nie in der freien Wildbahn. Irgendwie habe ich nie darüber nachgedacht, wo die wohl herkommen würden.


Nach einer langen dreiviertel Stunde und mit mittlerweile schmerzendem Hintern (die Holzhocker im Kanu waren abnormal unbequem), stiegen wir auf der "anderen" Seite des Flusses aus - der Nationalparkseite. Kein Zaun, direkt Wildnis. Schon nach zwei Minuten stolperten wir quasi über die ersten recht frischen Tigerspuren im Sand. Wow. Einfach wow. Die riesigen Pfotenabdrücke bildeten eine lange Spur und es war einfach kaum vorstellbar, dass hier ein Tiger lang gelaufen sein soll. Ich meine, ein TIGER!


Funfact: Es gibt mehr Tiger im Chitwan Nationalpark als wildlebende Elefanten.  Aber wirklich berühmt ist der Nationalpark für die Nashörner und er enttäuschte auch heute nicht. Wir sahen im Laufe des Tages noch sechs weitere Nashörner. Gott sei Dank nicht super nah dran, denn diesmal waren wir in ihrem Zuhause die Eindringlinge. 
Elefanten sahen wir nur welche, die von Menschen geritten wurden, leider. Sie werden unter anderem im Nationalpark als "Big Buddy" eingesetzt. Elefantenreiten gibt es leider auch noch, aber es wird weniger, weil viele das nicht mehr wollen und es somit nicht mehr so oft gebucht wird. Gott sei Dank. Es tat weh Elefanten in Ketten zu sehen. :(
Wir trafen einen Typen, der seine Doktorarbeit im oder über den Park schrieb und wohl über Nacht dort bleiben würde und der hatte einen Elefanten als Beschützer dabei. War auch praktisch als sie den Fluss überqueren mussten, da konnte er eben schnell auf den Rücken hopsen und wurde nicht nass oder von Krokodilen gefressen. :P
Auf der Hauptstraße trafen wir später noch eine Elefantenmama und ihr Baby, das plötzlich anfing auf uns zu zu rennen. Tapsige Schritte, offensichtlich noch klein und trotzdem einfach mal größer als ich und so schwer wie ein Auto oder so. :D Was weiß ich. Es war süß und scary zugleich. ^^ 


Aber zurück zu unserem kleinen Spaziergang:
Wir gingen nun durch recht lichten Wald. Salbäume, falls es jemanden interessiert. 
Hier sahen wir andere bunte Vögel, Spechte und mehrere Hornbills - ich finde den deutschen Namen "Nashornvogel" irgendwie doof. Außerdem zwei verschiedene Affenarten und Rehe. Ich hätte die Rehe niemals entdeckt und selbst als der Guide dorthin zeigte, sah ich.. nichts. Erst als die Tiere plötzlich weg liefen, merkte ich, dass sich der halbe Wald zu bewegen schien. 
Wir sahen frische Kratzspuren von Tigern in Bäumen und große Abdrücke von Nashornfüßen im getrockneten Schlamm. 


Gegen Mittag kamen wir aus dem Wald heraus in große Flächen voller Elefantengras. Krass! Jetzt am Ende des Jahres, wo auch hier langsam ein Herbst einsetzt, ist das Gras nicht mehr so hoch wie es sein kann (bis zu 8m), aber immer noch hoch genug, dass man sich winzig klein vorkam. Es hätten sich Elefanten, Tiger, eigentlich alles, direkt neben uns verstecken können und wir hätten es nie bemerkt. Unser Guide hielt oft an, um zu lauschen, denn große Tiere machen auch meist großen Lärm, aber wir sahen hier nur noch ein paar andere Affen auf den einzelnen Bäumen und viele Vögel, natürlich. 


Als wir plötzlich vor einem Zaun standen, war ich etwas verwirrt. Was machte der hier? Und sollte er etwas davon abhalten herein zu kommen oder auszubrechen? Auf beiden Seiten war Strom. 
Es stellte sich heraus, dass in dem Gehege Büffel waren, die als Test hier leben, um sie vielleicht wieder hier auszuwildern. Sie sind momentan nur noch im Osten Nepals in freier Wildbahn zu finden. 
Ein Tiger hatte vor einiger Zeit die Gunst der Stunde genutzt und war eingebrochen und hatte einen der Büffel gerissen. Man hatte ihn betäuben und raustragen müssen. 


Als wir wieder den Fluss erreichten, setzten wir uns dort noch eine Zeit lang hin, in der Hoffnung am anderen Ufer einen Tiger zu sehen. Keine Ahnung warum unsere Guides keine Angst hatten, dass die hinter uns auftauchen könnten, denn dort hatten wir eben noch Tigerspuren gesehen, aber hey.. Die werden schon wissen was sie tun. Wir haben überlebt. :P Und statt Tigern halt noch ein Nashorn gesehen. 

Tigerwatch

Krokosuchbild 


Wir kamen einiges nach den geplanten acht Stunden zurück. Sehr glücklich übrigens, denn die lange Zeit durch den Park gewandert zu sein war unglaublich spannend gewesen. Ja, es erinnerte mich an Afrika und vielleicht auch Südamerika, aber in so einer Landschaft bin ich noch nie gewesen. Danke Nepal, dass du auch dieses Wunder besitzt! 

Am nächsten Tag regnete es wirklich die komplette Zeit mit ein paar Gewittern am Abend. Wir hatten erst überlegt unsere Pläne trotzdem umzusetzen, aber dann beschlossen wir einfach einen Tag zu verlängern. Wir planten unsere letzten Wochen in Nepal und entspannten halt 'ne Runde. 
Unser Zimmer hatte eine süße Veranda, auf der man Tee trinkend und dem Regen zuhörend sitzen konnte. Frieden. 


Der nächste Tag war dann wieder sonnig und es war perfekt, dass wir abgewartet hatten, denn wir spazierten durch stechend gelbe Senffelder, die im Sonnenschein so viel kraftvoller leuchteten. 
Heuhaufen, Ochsen, Büffel, Ziegen, Hühner und Enten. Kleine Tharu-Dörfer, die von Landwirtschaft leben. Eine ganz andere Art von Natur und Tierbeobachtung. ;) 


Wir besuchten auch ein Tharu-Museum und ich habe, glaube ich, noch nie wirklich JEDEN Text in einem Museum gelesen. Es war unglaublich spannend. 

Die Tharu waren das einzige Volk, das sich in der Chitwan-Region angesiedelt hatte und dort leben konnte, weil sie irgendwie eine Immunität gegen Malaria entwickelt hatten. Die Völker aus den Bergen hatten ziemlichen Respekt vor dieser Krankheit und kamen daher nur im Winter herunter in die wärmeren Ebenen. 
Alles änderte sich dann in den 50er Jahren, als die Amis anfingen sich einzumischen. Sie schafften es Malaria innerhalb kürzester Zeit auszurotten und starteten eine Siedlungswelle von "Bergnepalis", die sie mit dem Vordringen in den wilden Westen verglichen. Ein paar Jahre später waren die Tharu plötzlich eine Minderheit. Als dann in den 70ern der Chitwan Nationalpark gegründet wurde - übrigens der erste Nationalpark in Nepal -, kam es noch einmal hart für die kleinen Dörfer, denn man wollte keine Menschen mehr im Park haben und so fing man an die Menschen umzusiedeln. So wichtig der Schritt gewesen ist, die einmalige Natur und Tiere zu schützen - es gibt immer zwei Seiten einer Geschichte. 

Viele Menschen hatten in Interviews von ihren Geschichten erzählt, das ging einem schon nah, auch wenn ein paar Geschichten erstaunlich positiv waren. 
Am meisten taten mir aber die alten Jagdfotos weh. Schwarzweiße Wahrheit. Dreizehn abgetrennte Nashörnköpfe auf einem Foto sind dreizehn zu viel. Leoparden, Tiger. Reiche Menschen mit Gewehren. 
Ich esse ja nicht viel Fleisch, auch wenn ich wohl nie ganz darauf verzichten werde, aber diese Art Tiere zu töten für Trophäen oder den Spaß - das ist das widerlichste der Welt. 

Dafür kann ich diesen Artikel jedoch mit etwas Positiven beenden: Nepal hat die Wilderei in den Griff bekommen! Seit 2014 wurde kein Tier mehr illegal getötet in dieser Grenzregion zu Indien. Die Tigerzahlen steigen! <3

WWF zu Tigern in Nepal



ein Gorkha auf das nächste Ziel der Reise: Gorkha ;) 

Freitag, 15. Februar 2019

Bester Plan der Welt...

....oder wie wir unsere Reise "planen".

Februar. Denn auch das muss man ja irgendwann tun. Planen. Natürlich nur um die Vorfreude zu steigern, weil der Rest kommt dann spontan und eh ganz anders als gedacht.
Also ist eigentlich das einzige, das Insa und ich momentan machen, alles was sich cool anhört und auf unserer vorraussichtlichen Länderroute liegt, in unseren WhatsApp-Chat zu posten, uns zu freuen und es dann in einem Jahr parat zu haben, falls wir Anregungen brauchen. Ich wüsste keine bessere Methode.

Damit ihr einmal seht wie unglaublich gewissenhaft wir recherchieren und planen, ein kleiner Auszug aus unserem WhatsApp-Chat (Dezember):

Insa: "Übrigens hat "best place to be today" gestern wieder gesagt wir sollen nach Indien für Tiger <3
*Foto des Artikels mit einem umkreisten Satz: They're known to have an appetite for humans, but are typically shy..."
Ich: "Yes! Na dann machen das doch einfach :D What? Die fressen Menschen? Meine Mama ist ja nicht begeistert von Indien, aber dass wir dort dann nicht überfallen sondern von Tigern gefressen werden, das hat sie vermutlich nicht gedacht"
Insa: ":D ich hoffe uns passiert nix von beidem. Und klar muss man da sicherlich vorsichtiger sein als in anderen Ländern aber wir reisen ja nicht zum ersten Mal und mit genug Recherche mach ich mir da nicht so viele Sorgen ;)"
Ich: "Ich auch nicht, man muss sich halt nicht dumm verhalten. Das werden wir schon hinbekommen"
Insa: "Und wir sind ja auch zu zweit. ;)"
Ich: "Eben! Alleine wäre auch wieder was anderes. Aber so kann ich dich zum Tiger schubsen und wegrennen :'D"
Insa: "Dann reite ich auf dem Tiger hinter dir her und du rennst dann aus Angst vor uns vor nen Zug... ...oder so :'D #vollrealistisch"
Ich: "Klingt auf jeden Fall nach einer guten Geschichte, die man später erzählen kann :D"
Insa: "Eben. Glaubt uns zwar keiner, aber wir können ja noch nen Selfiestick kaufen und alles filmen"
Ich: "Dann können wir das go pro Video an Red Bull schicken und werden berühmt"
Insa: "Genau und reich"
Ich: "Und können für immer reisen. Bester Plan der Welt!"
Insa: "Kann gar nix schief gehen. Auf nach Indien :D"

Und so entstand der beste Plan der Welt.

Frei nach dem Motto:

Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn't do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.
- H. Jackson Brown Jr., P. S. I Love You

Erforsche. Träume. Entdecke.
Genau das werde ich machen. Träumen tue ich schon jetzt und ich kann es kaum noch erwarten!

Auch wenn wir keine Go Pro dabei haben werden, freue ich mich schon riesig auf die Erlebnisse und Fotos, die wir machen werden. Der einzige Plan, den wir brauchen ist, dass wir uns an einem bestimmten Tag treffen und der Rest wird sich geben. Da Insa ihren Flug nach Bangkok schon gebucht hat, wird es der 1.8. sein. Weniger als ein halbes Jahr von jetzt an. Wie die Zeit schon wieder verfliegt - bald werde ich packen müssen. Es wird ein Fest! <3

Außerdem waren wir schon immer Profis, also werden wir ganz sicher berühmt. ;) Es fing in unserer Schulzeit an und ich bin überzeugt davon, dass man mit dem Alter nur Awesomeness dazugewinnt.
Auf diesem Foto sind wir mit Vollspeed durch die Nacht gedüst - legendär:


Und jetzt, wo wir beide endlich das Erwachsenenalter erreicht haben (haha), muss es gut werden.

Dieses Jahr habe ich groß gefeiert. Wenn man weiß, dass man geht, will man noch einmal alle Möglichkeiten nutzen, um Familie und Freunde zu sehen. Denn trotz der Freude zu gehen, muss man auch einen Grund haben, um wieder zu kommen. Danke, dass es euch gibt und dass ihr der Grund seid, warum ich wieder nach Hause kommen werde - der Grund, warum ich überhaupt ein Zuhause habe. :)



Auf die nächsten 30 Jahre mit euch! :*

Auch, wenn ihr ab Ende Juli nur noch digital an meinem Leben teilhaben könnt. Ich freue mich allerdings über jeden Besucher in der Zeit. Nur bitte bedenkt: Das mit dem Planen nehmen wir nicht so genau, also am besten Zeit und Geduld mitbringen und dann wird es zu einem unvergesslichen Erlebnis. Das verspreche ich. ;) Hehe.