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Sonntag, 31. Januar 2021

Gestern Berge, heute Berge, morgen Berge - meine Vorstellung vom Paradies

Glorifying monsters, it sells on TV
If it bleeds, it reads in papers out tomorrow
We say we'll pray for change one day but afraid what it means
Face it, we'll take it, no lessons learned
Talking heads addicted to the sound of their voice
The devil's got us all in his pocket
Mistakes we made and this game we played now change everything
Well we fake it, no lesson learned

I won't be one of your puzzle pieces
Forced into fitting
Pardon me but there's a part of me
That feels something's missing
Are we living or are we just dying?
It's time we wage a war really worth fighting
I don't wanna be another puzzle piece
I don't wanna be part of your puzzle

 Framing Hanley - Puzzle Pieces

 

20.-27.08.2020. Frankreich im August bedeutet zuallererst eins: Touristen, überall. Bei Airbus war jedes Jahr im August kein Arbeiten möglich, weil kein Franzose zu erreichen war - jetzt sah ich die andere Seite: Die ganzen Franzosen, die sonst mit Abwesenheit glänzten, bestachen nun mit ihrer Anwesenheit im Urlaubsort Chamonix. Yay. Große Freude. :D Es war warm, sonnig und voll. Ich war froh, dass wir etwas außerhalb des Trubels wohnten mit Blick auf die Berge und umgeben von ruhigen Gärten.

Besonders mittags war es unglaublich warm in der Sonne, aber da es hier viel weniger schwül war als im Norden, ließ es sich viel besser aushalten. Eigentlich war es sogar sehr angenehm. Warme Tage und kühle Nächte. So wie ich es mag.

Wir ließen es ruhig angehen: einkaufen, entspannt auf dem Balkon Mittagessen, einfach nichts machen nach dem anstrengenden Reisetag. Den kompletten Tag im Zug zu sitzen laugt mich irgendwie mehr aus, als den ganzen Tag Wandern zu gehen.

 

Chamonix von oben

Da wir den vagen Plan hatten eine große Tour in den Bergen zu machen, wollte mir Mark vorher noch eine Sache beibringen, die ich noch nie gemacht hatte und die man mit ziemlicher Sicherheit brauchen würde: Abseilen.

Wir schauten uns gemeinsam ein paar Youtube-Videos an, denn Mark konnte sich auch nicht mehr hundertprozentig an den richtigen Knoten erinnern, dann fuhren wir sein Seil holen. Es war kein Kletterseil, sondern für Gletscher-Rettungen gedacht, aber das musste zum Üben reichen.

Richtung Les Bossons knapp außerhalb von Chamonix liegt eine Felswand mit verschiedenen Kletterrouten direkt neben der Straße. Irgendwie sah es verrückt aus "mitten in der Stadt" so eine Felswand zu haben, aber immerhin musste man so weder Wandern noch einen Lift nehmen, um dorthin zu kommen. Dementsprechend voll war es auch. Nebenan war ein kleiner Park mit Zipline und Kletterwald und die vor uns aufragende Felswand bot auch genug leichte Routen für Kinder und Anfänger, es waren also viele Familien unterwegs.

Wir kamen gegen 11 Uhr dort an und uns fiel noch eins auf, das uns vorher nicht klar gewesen war: Die Wand streckte uns ihre Südseite entgegen. Bei der prallen Sommersonne, die darauf schien, strahlte der Fels die Hitze ordentlich zurück. Wir schwitzten schon bevor wir uns auch nur einen Meter bewegt hatten.

Ein Wandteil in der Mitte, in dem gerade niemand kletterte (wohl auch, weil es dort gar nicht wirklich steil war und man auch ohne Klettern quasi hochlaufen konnte), eignete sich wunderbar für unser Vorhaben. Wir brauchten nur einen Ankerpunkt am Felsen, an dem wir unser Seil ein paar Meter über dem Boden durchziehen konnten und den fanden wir hier.

Mark probierte ein wenig herum, bis er einen Prusikknoten hinbekam, der ihm gefiel und funktionierte und dann konnte er mir zeigen wie man sich abseilte. Also hochklettern, Sicherungsgerät anbringen, Klettergurt und den Knoten dazu. Dann nur noch vorsichtig Druck auf den Knoten ausüben, rückwärts nach hinten lehnen und langsam herunterlassen. War ungewohnt, aber fühlte sich nicht allzu schlimm an.

Etwas weniger Spaß hatte ich am Ende unseres Abseilexperiments als ich Mark sicherte, der noch die letzten Meter die Wand hinabgeklettert kam. Als er sich einmal vorsichtig in das Seil reinlehnte, um sich entspannt herabzulassen, hob ich beinahe ab und dabei fiel er nicht einmal oder machte eine plötzliche Bewegung... Bin mir nicht sicher wie sinnvoll große Gewichtsunterschiede sind bei so etwas. Ich hatte kurz etwas Angst ihn fallen zu lassen, aber er kam gut unten an und so fuhren wir verschwitzt, aber guter Dinge wieder zurück. Generalprobe bestanden, behaupte ich einfach mal.

 

Einziges Foto von Chamonix :D


Ein paar Stunden, einer Runde Yoga (ich, nicht Mark), einer Dusche und ein paar organisatorischen Sachen später, fuhren wir für ein paar Bierchen mit Marks Freunden in die Stadt.

Wir saßen in einem U auf Bänken um einen Tisch herum und unterhielten uns. Warmer Abend, kühles Bier und lustige Menschen. Corona schien weit weg zu sein... Als der Typ neben mir später am Abend aufstand, um aus der Ecke herauszuklettern und auf Klo zu gehen, kam ihm plötzlich ein lockeres Brett der Bank entgegengeknallt. Mein Gesicht verfehlte es netterweise um ein paar Zentimeter, so dass niemand verletzt wurde, aber es bot sich super als Anlass an von den Kellnern einen Pitcher für uns als Wiedergutmachung herauszuschnorren. Großartig! Vielleicht half es auch, dass alle die Kellner zu kennen schienen. Schulterzuck. Ich verstehe das Leben hier nicht, aber es macht Spaß.

 


Die nächsten Tage waren entspannt. Ich ging einmal allein Wandern und sah eine dunkel gefärbte Schlange, die plötzlich vor mir auf die Straße flitzte und sie überquerte. Nach der ersten Schrecksekunde war ich begeistert. So oft sehe ich in meinem Leben nun auch keine Schlangen. Ich glaube nicht, dass sie giftig war, aber ich ging nicht nah genug ran, um das auszutesten. Müsst ihr selbst machen.

Am Tag darauf gingen wir zusammen hoch zum Glacier d’Argentière, etwa 1.000 Höhenmeter vom Tal hinauf in die Berge. Es war ein wenig kühler geworden und hatte morgens auch mal geregnet, so dass heute wunderbares Wanderwetter war. Den Weg mussten wir unten jedoch erst noch suchen, da Mark noch nie im Sommer hier gewesen war, aber dann ging es durch schattige Wälder immer weiter hinauf. Nach etwa einer halben Stunde bekam ich Hunger und bemerkte, dass ich vergessen hatte zu frühstücken. Na supi, das war ja wieder besonders schlau gewesen. Immerhin hatte Mark ein paar Gummibärchen eingepackt und rettete so vielleicht nicht mein Leben, aber immerhin meine gute Laune. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir das untere Ende des Gletschers, den ich viel lieber „Icefall“ nennen möchte, denn so sah es aus. Gletscher ist einfach nicht das richtige Wort für die tiefen, geheimnisvoll tiefblau-grau leuchtenden Spalten und die zerklüfteten, fantasievollen Eis-Türme, die sich direkt vor uns befanden. Man sah keine Bewegung, doch immer wieder hörte man das Eis knacken und das Krachen von einstürzendem Eis. Der Wind kam wieder aus den Bergen und brachte den Geruch nach Eis, Stille und Gefahr mit sich. Ich bekomme immer Gänsehaut davon. 

 



Wir machten auf ein paar sonnenwarmen Felsen eine Pause und beobachteten das Eis. Hier öffnete sich auch der Blick auf die tiefer liegenden Berge, eine ganz andere Landschaft als das Tal unter uns. Hach, Berge. :) Gegenüber lag die Spitze des Aiguille du Chardonnet in Wolken und ich bekam Sehnsucht nach mehr als nur Wandern. Leider war es nicht einfach einen Guide zu finden, weil jetzt so viele Touristen hier waren, dass alle ausgebucht waren. Wir schienen nicht die einzigen zu sein, die gerne in die Berge wollten. Seufz.

Es gab dann auch noch einen Felssturz auf dem Dent du Géant und einen weiteren großen auf der italienischen Route des Matterhorns, von dem Mark von einem Bekannten erfuhr, der an diesem Tag dort oben gewesen war. Er hatte zwei langsamere Wanderer vor sich gehabt und konnte nicht überholen, weswegen er frustriert hinter denen geblieben ist. Im Endeffekt rettete ihm das vermutlich das Leben, denn als der Felssturz kurz unten den dreien passierte, wäre er eigentlich schon dort gewesen. Ein Helikopter rettete sie dann aus den Bergen.


Gipfel der Aiguille du Chardonnet (3.824m) und ein gelber Pfeil, unter dem ein Mensch steht (Größenverhätnisse sind auf Fotos immer so schwer festzuhalten)

Ein kurzer Abstieg brachte uns zu einer kleinen Hütte, bei der man etwas Essen und Trinken konnte und ich war so hungrig, dass ich kurz davor war mich mit dem Hund zu prügeln, als Mark anfing diesen mit seinen Resten zu füttern.

Danach ging es auf einem anderen Weg hinunter: Skipisten, Schotter und ungeschützte Sonne. Ich war froh, dass wir den anderen Weg hinaufgenommen hatten. Es war nicht wahnsinnig schön und so liefen wir so schnell es ging und überholten einen Haufen anderer Wanderer. Andere Menschen zu überholen macht mich immer sehr glücklich - ich stelle diesen Teil meines Charakters einfach mal nicht in Frage.

 

--

Unsere nächste Wanderung ging entspannt zu einem Wasserfall in der Nähe der Midi-Station, wo wir mit den Rädern hinfuhren und dann wandern gingen. Es ging durch schattigen Wald und auch nicht so weit hinauf, so dass es einfach nur ein sehr angenehmer Tag wurde. Für mich. Mark meinte er müsse für verrückte Bergabenteuer trainieren, hatte sein Kat-C-Schuhe an und mehrere Liter Wasser im Rucksack. Kann man machen, aber ich glaube er hasste mich zwischenzeitlich, wenn ich fröhlich vorweg lief und er grummelnd seine 6kg hinaufackerte. Es waren kaum Menschen unterwegs und so sahen wir mehrere schwarze Eichhörnchen und einen schwarzen Vogel mit rotem Kopf. Ein Specht? Die Farben des Waldes waren sommerlich kraftvoll mit roten und orangenen Beeren im Kontrast zu dem satten Grün.

Wir kamen an der obersten Stufe des Cascade du Dard an, der sich dort laut rauschend seinen Weg ins Tal suchte. Kleine Pfade führten hinab und erlaubt immer wieder andere Ausblicke auf den Wasserfall, bis man unten ankam. In der Nähe war auch eine Hütte und ein kleiner Parkplatz, also waren hier auch mehr Menschen, aber es war immer noch eine nette Atmosphäre. Man konnte direkt bis zum Wasserfall herangehen, der einen mit kühlem Sprühregen begrüßte.   

 

links: oberer Teil, rechts: unterer Teil des Wasserfalls


Ein kleiner Umweg brachte uns zurück nach Chamonix, er war eine nette kleine Wanderung gewesen. 

Am nächsten Tag wollte ich mir Schuhe und Steigeisen ausleihen für eine Tour in die Berge, die aber in letzter Minute abgesagt wurde. Menno. :( Ich hoffte wir würden an einem anderen Tag noch mal die Möglichkeit haben…

Ich hatte vormittags ein Video-Teammeeting gehabt und mit der weißen Wohnzimmerwand niemandem einen Hinweis auf meinen Aufenthaltsort gegeben. Dass ich von meiner Position ohne Probleme den Mont Blanc sehen konnte, verriet ich nicht, aber es ließ mich das ein oder andere Mal schmunzeln. Hihi. Das Leben ist schön.

 


Symbolbild :P


Der nächste Tag wartete mit einer wunderbaren, langen Wanderung auf uns: Der Wanderung zur Refuge Albert I. Dazu fuhren wir das Tal bis fast an die Grenze zur Schweiz hinab, bis nach Le Tour. Von dort konnte man auch einen Lift etwas weiter hoch nehmen und sich 500 Höhenmeter sparen, aber Schummeln gibt es nicht. Und so würden wir die 1.300 Höhenmeter zur Seitenmoräne des Glacier du Tour (ein Tal weiter als der Glacier d’Argentière) sowohl hoch als auch wieder hinab laufen. Mark hatte sich wieder den Rucksack vollgepackt, so dass ich besonders am Ende fröhlich vor lief und immer wieder auf ihn wartete. Im Tal ging es zunächst quer über eine Kuhweide und dann durch einen kleinen, offenen Wald bis es in den steinigen, sonnigen Aufstieg ging. Kein Schatten und jeder Schritt ging bergauf, wir schwitzten.

Dieser Gletscher war nicht ganz so spektakulär wie der andere, aber immer noch schön anzusehen, besonders da wir die letzten paar hundert Meter direkt neben ihm auf einem steinigen Grat entlangwanderten.

 

Blick hinab nach Le Tour

Die Hütte liegt auf etwa 2.700m und bietet den Einstieg für viele kleine Touren hier: sowohl auf den Gipfel der Aiguille du Tour als auch der Aiguille du Chardonnet, die wir letztes Mal von der anderen Seite gesehen hatten, können von hier bestiegen werden.

Auf den Holzbänken der Hütte machten wir unsere Mittagspause, wozu wir Jacken überziehen mussten. Die Sonne versteckte sich plötzlich hinter Wolken und so nassgeschwitzt wie wir waren und mit dem kühlen Wind der Berge wurde es schnell ungemütlich. Wir blieben dementsprechend nicht ewig und machten uns kurz darauf wieder auf den Rückweg. Diesmal über den längeren, weniger steilen, dafür aber mit schönen Aussichten bespickten Pfad in Richtung der Seilbahnen. Das war auch gut, denn bis dieser Weg etwa auf der Hälfte des steinigen Grats abzweigte, war ich schon dreimal ausgerutscht. Kieseliger Untergrund ist wirklich mein Endgegner.

 


In einem weiten Bogen kamen wir langsam zurück zum Parkplatz und da wir beide nun nicht mehr ganz so außer Atem waren, konnten wir uns auch wie normale Menschen unterhalten. Mark brachte mir englische Wörter bei, die nicht so geläufig waren, ich brachte ihm zwei Sätze Deutsch bei und dann philosophierten wir über ein ziemliches altes Paar, das abseits des Weges in einer steilen Wiese stand. Der Mann kam sogar mit seinen Wanderstöcken kaum vorwärts, ich weiß nicht mal wie es die beiden so weit hoch geschafft hatten, so klapprig sahen sie aus. Vielleicht waren sie mit dem Lift hinaufgefahren. Aber die eigentliche Frage war doch: Wieso waren sie in dieser Wiese und nicht auf dem Weg? Ich vermutete, dass die Frau gerade versuchte ihren Mann umzubringen, aber irgendwie gäbe es dafür doch auch einfachere Wege? Es wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Menschen sind komisch.

Nach 10 bis 12km waren wir wieder am Auto und da Mark die Tour aufgezeichnet hatte, wussten wir, dass wir sogar ziemlich flott gewesen waren. Yay! Eine wirklich schöne, empfehlenswerte Wanderung. Aber waren sie das nicht alle hier? Sommer, Sonne, Berge, Gletscher und blauer Himmel. Wälder und Blumen, Flüsse und Wiesen. Hach.

 


Am nächsten Tag machten wir noch ein letztes kleines Abenteuer in den Bergen, bevor es in einen kleinen Urlaub gehen würde (ha, weil das hier ja kein Urlaub war :D). 

Wir fuhren etwa eine halbe Stunde raus nach Passy, kletterten in Haarnadelkurven den Berg hinauf und parkten dann auf einem Wanderparkplatz in einem kleinen Wäldchen. Für den Nachmittag war Regen angesagt und so zeigte sich der Himmel in einem eintönigen Grau. Noch 20 Minuten zu Fuß durch den Wald bis zum Einstieg in den Klettersteig, den wir uns für heute herausgesucht hatten.

 

Via Ferrata de Curalla:

Schwierigkeit: C
Wandhöhe: 170 Hm
Einstiegshöhe: 1.250 m
Klettersteiglänge: 500 m
Durchstiegsdauer: 1 Std.
Exposition: Süd

 

Ich habe tatsächlich kein einziges Foto von dem Klettersteig, was mir für euch sehr leidtut, denn kein Mensch will mein Geschwafel lesen, oder? Tja, Pech gehabt, da müsst ihr nun durch. Es ging steil los auf Eisentritten, die in die vorgelagerte Felsklippe gebohrt worden waren, was das ganze recht leicht machte. Mark ging diesmal vor, wir kamen gut voran. Dann jedoch kamen wir kurz darauf in eine recht lange Traverse mit wenigen Tritten und noch weniger Handläufen außer dem äußerst locker hängendem Sicherungsseil. Man musste sich auf einem teilweise schrägen und nur wenige Zentimeter schmalen Absatz entlangschieben und genau als ich mitten in dieser unsicheren Stellung war, ging ein kurzer, sehr heftiger Schauer nieder. Kaum genug Wasser, um uns tatsächlich nass zu machen, aber er reichte aus, um den Felsen rutschig zu machen. Ich war nicht begeistert. Ganz und gar nicht. Mark war schon um die Ecke verschwunden und ich kämpfte mit schwindender Trittsicherheit und meinen Laufschuhen, die auch kein wirklich tolles Profil hatten. Keine Möglichkeit für meine Hände und hundert Meter Abhang unter mir. Hallo Puls.

Ich schaffte es jedoch ohne abzurutschen (es wird euch vermutlich überraschen, dass ich überlebt habe und hier nicht als Geist schreibe) und danach wurde alles wieder viel entspannter, so dass es noch einmal Spaß machte. Es ging in ein paar nette Kletterstellen, die auch mit Überhang waren und genau an so einer Stelle liefen wir auf zwei ziemlich langsame Wanderer auf, so dass ich versuchte mich irgendwie im Überhang gemütlich einzurichten. Sicherungskarabiner an den Handlauf und Beine in die Luft – könnte schlimmer sein. Ich war ein wenig genervt, weil die Frau vor uns die ganze Zeit nur Vlogs oder Geheimnachrichten (man weiß es nicht, mein Französisch hat sich nicht großartig verbessert) mit ihrem Handy aufnahm und der Typ, der wohl ihr Guide war, sie noch zusätzlich mit einem Seil sicherte, was die beiden so langsam machte. Er tat mir ein wenig leid. Mark war um einiges entspannter als ich oder einfach nur netter und quatschte ein wenig mit ihm, ich grummelte vor mich hin und versuchte die wolkenverhangene Aussicht ins Tal zu genießen. An guten Tagen soll man von hier wundervolle Sichten auf den Mont Blanc haben, wovon ich heute natürlich nichts sah.

Der Mann stellte sich dann als netter Typ heraus und ließ uns an einer geeigneten Stelle überholen und danach dauerte es nur noch ein paar Minuten, bis wir oben aus dem Klettersteig herauskamen. Es dauerte fast länger auf steilen Pfaden wieder nach unten zum Auto zu laufen. Aber wir beeilten uns und schafften es vor dem Weltuntergang ins Auto. Sind wir gut oder sind wir gut?

 

Habe ein paar Bilder von anderen Leuten herausgesucht :) (Quelle: hier)


Da mal wieder Freitag war, mussten wir abends natürlich in die Stadt und uns mit Leuten treffen. Diesmal war es jedoch eine echt große Gruppe, von der ich nur zwei Leute kannte und einer davon quatschte gefühlte Ewigkeiten mit Mark über Programmieren oder etwas anderes, das vollkommen außerhalb meines Wissensrepertoire lag, so dass ich etwas verloren daneben saß und Leute beobachtete. War wohl nicht so mein Tag heute.

Aber dann kam noch ein Mädel dazu, das ich nicht kannte: Aleks. Ich wurde aus meiner sozialen Langeweile erlöst und lernte diese super nette Kanadierin kennen, mit der wir morgen in den Urlaub fahren würden. Yay, der Abend wurde doch noch spannend und lustig!

 

Aber davon nächstes Mal mehr. Es wird eine Pause von den konstanten Bergbildern geben. Freut euch. ;)

 



Montag, 18. Januar 2021

Länderhopping, um zum höchsten Berg der Alpen zu gelangen

Natur in der Form wilder Landschaft ist der beste Spiegel unserer Seele.

 - Reinhold Messner

 

14.07.2020. Ortswechsel. Mit dem Bus von Götzens nach Innsbruck, dann mit der S-Bahn nach Ötztal, also ins Ötztal, nur dass die Haltestelle bzw. der Bahnhof auch so hieß. Dort stieg ich noch einmal in einen Bus um, der mich weiter in das Tal hereinbrachte, nach Umhausen. Ich hatte dummerweise direkt gesagt, dass ich ein Ticket benötigte, denn die meisten stiegen coronakonform hinten ein und zeigten ihre Tickets nicht. Ich glaube der Fahrer wollte mich auch gerne schwarz mitfahren lassen, aber ich hatte mich schon verraten. Mist. Also nannte er mir den Preis (5,50€) und ich kramte schon nach meinem Geld, als er hinterher schob „aber du bist ja Jugendliche, das sind dann nur 3,30€! Bei den Masken sieht man das Alter ja immer nicht.“ Fröhlich lachende Augen. Ehrenmanni.

Meine Unterkunft hier war richtig schön und so gut ausgestattet, dass ich gerne länger geblieben wäre, aber das lohnte sich nicht ohne Auto, denn hier gab es nur eine Sache, die ich mir anschauen wollte und dorthin brach ich auch direkt auf. Aber vielleicht komme ich noch mal zum Wandern wieder? :)

Die Besitzerin des Hauses hatte mir noch den Tipp gegeben direkt über die Wiese zur Hauptstraße zu laufen, was mir bestimmt 10 Minuten Weg sparte und so war ich nach etwa einer halben Stunde am Ötzi-Dorf. Ha, das schaute ich mir aber gar nicht an, denn dahinter lag mein eigentliches Ziel: der Stuibenfall, dem mit 159m zweithöchsten Wasserfall in Tirol (er verlor mit einem Meter gegen einen Wasserfall, der exakt gleich heißt, aber woanders liegt – kreativ ist was anderes).

 

Hach... :)

Der Wasserfall lag malerisch am Ende eines nach hinten enger werdenden Tals, grün Bewachsen an den Hängen, an der linken Seite eine steile Felswand und rechts Treppen mit Aussichtsplattformen. Mein Ziel war jedoch die linke Seite, denn an den Felsen war ein wundervoller Klettersteig gebaut worden.

 

Stuibenfall Klettersteig im Ötztal:

Schwierigkeitsgrad: C (würde ich aber leichter schätzen)

Wandhöhe: 300-400m

Exposition: Südwest

Zeit für Durchstieg: etwa 2 Stunden

 

Bevor man zu dem eigentlichen Einstieg an der Felswand kam, musste man den Fluss auf einem Drahtseil überqueren und dann etwa 10 Minuten durch den Wald spazieren. Es war wunderbar ruhig hier – die meisten Touristen hielten sich bei den Treppen auf. An der Felswand wurde dann aber recht schnell klar, dass auch hier ein Haufen Menschen waren, denn es staute sich an der Wand. Ich unterhielt mich also lange Minuten mit dem älteren Paar vor mir, die auch gerne schneller vorwärtsgekommen wären, es aber mit Humor nahmen. Es gab ein paar kleine Überhangbereiche und sehr steile Passagen, weswegen der Steig auch mit der Schwierigkeit C angegeben war, aber die waren sehr kurz, so dass sie mir keine Probleme bereiteten. Aber sie erklärten, warum es sich dort staute, denn es waren auch Familien unterwegs.

Die Wartezeit war aber nicht zu schlimm, ich hatte nette Gespräche, wundervolle Aussichten in das Tal hinab und die warme Sonne schien mir ins Gesicht. Eigentlich kein allzu schlechter Platz, um darauf zu warten, dass es weiter ging.

 


Nach einiger Zeit kletterte man dann um eine Felskante herum und plötzlich war das Tosen des Wasserfalls ganz nah zu hören. Im Sommer kommen hier die größten Mengen hinabgeschossen, da sich der Fluss aus dem Schmelzwasser zwei naher Gletscher speist. Ich war mittlerweile so weit hinaufgeklettert, dass ich fast auf einer Höhe mit dem Anfang des Wasserfalls war. Was für eine unglaubliche Sicht!

Und dann kam das Finale (siehe oben das linke Bild): Die Überquerung der Abbruchkante des Wasserfalls auf einem Drahtseil. Balancierend hing man nur einen Meter über der wild um sich schlagenden Wasseroberfläche. Immer wieder trafen mich klatschend Spritzer an den Beinen, während ich vorsichtig Schritt für Schritt über den Wasserfall ging. Was für eine verrückte Aussicht! Unter mir das Tal, um mich herum das Tosen des Wassers. Natur pur. Kraft.

 


Und dann war ich auch schon raus aus dem Klettersteig. Mittagspause nach nicht einmal zwei Stunden trotz Warten. Ein großartiger und anfängerfreundlicher Klettersteig mit ein paar der unglaublichsten Aussichten, die man sich vorstellen kann. Absolut ein Highlight! Nur schwindelfrei sollte man sein, wenn man auf dem Seil balanciert. Es gibt jedoch auch die Option vorher auszusteigen – aber das macht ja keinen Sinn. :P

Auf dem Rückweg nahm ich dann alle Aussichtsplattformen und Treppen mit und freute mich, dass ich die nicht hatte hochlaufen müssen. Klettern siegt über Treppenstufen. Ich lief auf den recht steilen Wegen flott nach unten und wurde zu meinem Unwillen von einem Trupp Soldaten überholt. Gebirgsjäger. Voll unfair, dass die schneller waren!

 


Am Abend hatte ich dann noch ein spaßiges Telefonat mit meinem Chef, der mich gerade erwischte, als ich unter der Dusche stand. Joa, nackt hatte ich bisher auch noch nie mit jemandem von der Arbeit telefoniert. :D

Vorteil: man kann den Angstschweiß direkt wieder abwaschen – haha.

Nachteil: es wurde irgendwann echt kalt.

Kurzfassung: Der Firma geht’s scheiße, fast alle sind in Kurzarbeit, es gibt keine Arbeit und ich würde im August voraussichtlich auch direkt in Kurzarbeit gehen. Hurra.

 

Noch ein letztes Foto vom Stuibenfall, weil er einfach so schön war!


Am nächsten Tag fuhr ich dann auch schon wieder raus aus Österreich, durchquerte Liechtenstein und düste einmal quer durch die Schweiz bis nach Genf. Wenn ich nicht vorgehabt hätte, jemanden zu besuchen, wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen diese lange Strecke auf mich zu nehmen. Besonders, wenn ich gewusst hätte, dass die Strecke zwischen Innsbruck und dem Ötztal irgendwo gesperrt sein würde wegen eines Rettungseinsatzes, ich einen schnell organisierten Ersatzbus nehmen und dann eine Stunde im Geisterzug sitzen musste, um auf die ganzen Leute aus Innsbruck zu warten. Als ich dann noch bemerkte, dass ich in der Schweiz außerhalb der EU war und mein Handy mir kein Internet geben wollte, sank meine Laune tatsächlich noch ein Stück weiter… Aus irgendeinem Grund ging meine SMS jedoch raus und so konnte ich Mark Bescheid sagen, dass ich eine Stunde später in Genf sein würde als geplant. Puh. Mark kennt man vielleicht noch aus Nepal – längster Travelbuddy (außer Insa natürlich) – und er wohnt momentan in Chamonix und hatte mich eingeladen ihn dort zu besuchen. Wundervoll, wenn man überall Freunde hat! :)

Er konnte mich also pünktlich und ohne langes Warten am Bahnhof abholen und schon fuhren wir eine kurze Stunde rein nach Chamonix, Frankreich. Das wäre dann Land Nummer 4 heute. Damit ich nicht einschlief, musste ich an einem Haufen Mautstellen die Kreditkarte aus dem Fenster halten, denn da es ein britischer Wagen war, saß ich als Beifahrer links. Wie äußerst merkwürdig. Fühlte sich falsch an, besonders, wenn man rechts fährt. :D

 

Das auf etwa 1.000m gelegene Chamonix-Mont-Blanc (das absolut niemand so nennt, sondern eher noch weiter verkürzt auf „Cham“) begrüßte uns mit tiefhängenden Wolken, hinter denen sich die Berge versteckten, so dass ich den Geschichten glauben musste, dass es das schönste Tal der Welt sei. Aber die zwei Gletscherzungen, die sogar noch unter der Wolkendecke ins Tal hinabrollten, waren schon imposant genug! Ich war zufrieden. Berge. Hier würde ich mich sicher wohl fühlen.

 

16. - 17.07.2020. Am nächsten Tag starteten wir direkt die erste kleine Erkundungstour im Chamonix-Tal. Die Wolken versteckten die oft gepriesenen Aussichten auf die Berge noch immer und so wanderten wir einen hübschen Waldweg hinauf nach Montenvers (entspannte 900 Höhenmeter hinauf auf knappe 2.000m). Es ging hinein in ein Seitental, in dem die Zunge des „Mer de Glace“-Gletschers hinab ins Tal rollt. Schöne Aussichten und kühle Winde, die direkt von den Schnee- und Gletscherflächen des Mont Blanc Massivs herabwehten. Ich habe noch nie Eis beim Atmen geschmeckt, aber heute konnte ich diese andere Welt riechen. Als hätte ich einen Fuß in die Arktis gesetzt. Begeistert versuchte ich mir die ersten Eindrücke dieser neuen Bergwelt einzuprägen. 

Mareike in eisiger Arktisluft und unter dem ganzen Kies und Gestein verbirgt sich der Gletscher

 

Wir standen auf einer zugigen Aussichtsplattform und plötzlich riss die Wolkendecke auf der gegenüberliegenden Seite auf und zeigte eine unendliche schöne, raue Felslandschaft. Dunkle Türme ragten in den Himmel, der „Dru“ zeigte seine Flanke. Dahinter die „Aiguille Verte“, einer der schwersten zu besteigenden 4.000er der Alpen (wenn nicht sogar der schwerste). Wenn das nicht Berge sind, weiß ich auch nicht.

Man konnte sich hier oben noch die Crystal Gallery, einen Tunnel mit Wissenswertem über Kristalle, und ein anderes kleines Museum über Gletscher anschauen. Weiter unten gibt es einen Zugang in eine Gletscherhöhle, für die wir aber zu spät aufgebrochen waren. Vielleicht ein anderes Mal. :)

Wir hatten uns die beste Pizza der Stadt abends auf jeden Fall verdient und „Rosemary Dream“ war definitiv ein Traum!

 

Am nächsten Tag konnte ich Mark zu seinem ersten Klettersteig überreden, wozu wir in das Nachbardorf Lez Praz fuhren und dort mit dem „Flégère“-Lift nach oben gondelten. Eine kurze Wanderung brachte uns zu dem auf etwa 1.900m gelegenen Einstiegspunkt dieses recht neu angelegten Klettersteiges.

Via Ferrata des Evettes:

Schwierigkeitsgrad: C

Wandhöhe: ca. 250 m
Einstiegshöhe: 1.900 m
Exposition: Südwest
Zeit für Durchstieg: 2 Stunden

 

Die Wolken waren heute nicht so düster und hingen nur noch an den höchsten Gipfeln, so dass sich über dem Tal blauer Sommerhimmel sehen ließ. Es war warm und so kletterte ich im Top. Ich hatte erwartet, dass der Klettersteig wirklich einfach werden würde, aber es gab ein paar Passagen, die im Überhang waren und einige steile Wände mussten erklommen werden. Rauer Felsen und wenig gehen. Meine Lieblingsstelle war die, wo man durch einen kleinen Tunnel geführt wurde und ich beinahe hängen blieb, weil meine Sicherungsseile auf Maximum gespannt waren.

Ich hatte mich am Anfang etwas umgewöhnen müssen, denn französische Klettersteige spannen die mitlaufenden Sicherungsseile fast gar nicht auf, so dass sie kaum guten Halt für die Hände bieten – das war ungewohnt. Dafür waren jedoch mehr Tritte in den Stein gehauen, so dass man immer genug Möglichkeiten fand sich festzuhalten.

Es war eine wunderschöne Route! Wenn man mal eine Pause machte und sich umdrehte, lag das ganze Tal entlanggezogen vor einem, auf der gegenüberliegenden Seite schauten weiße Berggipfel aus den Wolken und ich bekam meinen ersten Blick auf den Mont Blanc, dem mit 4.810m höchsten Berg der Alpen und der EU. Er sah gar nicht so hoch und weit weg aus – einfach ein großer weißer flacher Hügel, der zufällig höher als alle anderen Bergspitzen war. Auch wenn diese sich in ihrer Form mehr Mühe gegeben hatten und als schwarze Felsnadeln in den blauen Himmel ragten und die Wolken durchstießen. Das französische Wort „Aiguille“ bedeutet „Nadel“ und jetzt ergibt alles einen Sinn. Ich grinste jedes Mal dumm vor mich hin, wenn ich wieder einmal einen Blick auf einen hohen Berg erhaschte. Schon allein für die Aussicht sollte man diesen Klettersteig unbedingt mitnehmen!

 


Die wirklich tolle und teilweise auch anstrengende Kletterpartie endete in einem spannenden Finale: Einer ziemlich langen Seilbrücke. Also eigentlich nur einem Seil für die Füße und zwei Führungsseilen für die Hände, oben das Sicherungsseil.

Vorher hatte es eine kürzere Überquerung auf einer 2-Seil-Brücke gegeben, die etwas wackeliger gewesen war, und dort hatte Mark schon sehr unterhaltsam geflucht. Das führte er nun natürlich begeistert fort. Grinsend ging ich also vorweg.

Was wir nicht wussten: Ein anderer einsamer Wanderer hatte es sich gemütlich gemacht und filmte uns nun. Leider zu weit weg, um uns zu hören, aber dafür so weit weg, dass man die Drahtseile nicht mehr sehen konnte und wir auf dem Video in der Luft zu schweben schienen – auf eine höchst merkwürdige Art und Weise. Er wartete dann auf uns, entpuppte sich als Engländer und schickte uns das Video. Super lieb! :)

 


Nun war der Klettersteig auch schon geschafft, wir kraxelten über ein Trümmerfeld von großen Felsen hinab zum nächsten Weg und gelangten von dort über Skipisten entspannt zurück zur Bergstation des Flégère-Lifts.

 

Vollkommen legitime Pause, um noch einmal auf den Mont Blanc zu starren

Abends lernte ich dann einen Haufen von Marks Freunden kennen, denn es war Freitag und da traf man sich halt auf ein paar Bierchen. Mark erzählte begeistert von der absoluten Lächerlichkeit des Klettersteig-Sportes und deswegen würde ich ihn natürlich noch mal überreden mitzukommen. Aber von meinen restlichen Abenteuern in Chamonix müsst ihr beim nächsten Mal lesen.

Montag, 21. September 2020

Freundschaften und Heimatwunder

 

Freunde sind wie Sterne: Du siehst sie nicht immer, aber sie sind immer für dich da.

- Zitat von Unbekannt

 

Eine der faszinierendsten Sachen am Reisen ist eigentlich wie schnell man Freundschaften schließt. Man besucht so viele neue und wundervolle Orte, aber die Tage, die einem am stärksten in Erinnerung bleiben, sind die Tage, die mit Freunden verbracht wurden. Mit Menschen, die entweder für kurze Zeit zu Weggefährten werden oder innerhalb von Stunden zu unglaublich guten Freunden. Menschen, zu denen sich starke Bande formen, auch wenn man nur sehr wenig Zeit hat, um sich kennen zu lernen. Aber es ist eine umso intensivere Zeit und so scheint man schneller zu dem Wesen eines Menschen durchzudringen, als bei den vorsichtigen Begegnungen in Deutschland.

Ich habe zwar bisher noch nicht viele meiner Reisefreunde wieder getroffen, aber mit erstaunlich vielen halte ich immer noch Kontakt. Entweder über WhatsApp oder Instagram. Menschen, die ich vor Jahren oder erst vor ein paar Monaten kennen gelernt habe. Man schreibt sich gelegentlich, man hält sich auf dem Laufenden.

Verrückterweise hat es auch nie richtig geklappt meine Iguazu-Crew wieder zu treffen, obwohl die drei Mädels auch aus Deutschland kommen: Sophia, Caro und Annika. Sophia war einmal geschäftlich in Bremen gewesen, so dass wir uns für einen Abend hatten treffen können, aber das war es auch schon gewesen. Drei unglaubliche Tage in Argentinien und Brasilien am Weltwunder-Wasserfall und dann fünf Jahre ohne dass ein Termin in Deutschland zustande kam. Aber jetzt hatte es geklappt. Ich war flexibel und wollte eh in den Süden Deutschlands, weil ich dort noch nie gewesen bin, bis auf ein paar kurze Städtetrips nach Stuttgart, München oder Nürnberg.

 

Annika, ich und Sophia 2020

 
Ich, Caro, Annika, Martin und Sophia 2015

11. Juni bis 15. Juni 2020

Meine erste Station auf dieser leicht improvisierten Corona-Reise war also Marburg - ein altes, süßes, kleines Studentenstädtchen in Mittelhessen, in dem Annika wohnte. Sie holte mich vom Bahnhof ab - lange nicht gesehen und doch sofort wiedererkannt. ;) Es war als hätte es die letzten Jahre nicht gegeben. Wir redeten sofort über alles Mögliche und lachten viel zu viel. Ich lernte ihre verrückte und super nette WG - inklusive WG-Katze - kennen und dann schauten wir uns das Städtchen an. Eine wundervolle historische Altstadt, die im zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden war, erstreckte sich an einer Bergflanke. Über der Stadt thronte das Landgrafenschloss, von dem man einen tollen Blick auf die darunterliegenden Stadtteile hat. Wir schlenderten durch süße kleine Gassen, stiegen Treppen hinauf und schauten uns kurz die berühmte Elisabethkirche an, die wohl auch als Vorbild für den Kölner Dom gedient hatte. Was ich auch total nicht auf dem Schirm gehabt hatte: Es war Feiertag hier in Hessen. Fronleichnam. Auf dem Markplatz lagen Blumen gestreut und als vollkommen unwissende Atheisten, die wir sind, mussten Annika und ich erst einmal googeln was denn so passiert war an diesem Tag und wieso man ihn feierte..

In Marburg befanden wir uns dann auch noch in einer "märchenhaften" Stadt mit vielen kleinen Figuren und Statuen zu deutschen und internationalen Märchen. Mal versteckt, mal ganz offensichtlich ein Teil der Stadt. Außerdem konnte man kleine Auszüge aus berühmten Büchern lesen, festgehalten auf einer offen aufgeschlagenen Seite einer Metallskulptur des Buches: Der kleine Hobbit, Sterntaler, ...

Es war eine schöne Stadt mit vielen jungen Menschen auf den Straßen, auch wenn wohl etliche aus ihren WGs zeitweise wieder zurück in die Heimat gezogen waren während der Corona-Zeit. Vorlesungen fanden, wenn überhaupt, ja nur online statt. Aber man konnte überall den Einfluss der Studenten sehen: Viele kleine Kneipen und Bars und Plakate oder bemalte Stoffe, die politische Statements abbildeten und aus den Fenstern hingen. Mein Lieblingsspruch war jedoch weniger politisch und zierte eine überwucherte Fassade eines kleinen, verwunschenen Häuschens: "Wir sind die Enkelinnen der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet." Und irgendwie glaubte man das auch. Mir begegneten erstaunlich vielen Katzen in den Gassen und ja, auch in der WG - alle waren schwarz. Zufall? Ich denke nicht. :P

 





Am nächsten Tage fuhren Annika und ich dann zusammen runter nach Schwäbisch Hall zu Sophia und ihren Eltern. Zu Fuß wohnten die beiden Familien etwa 3 Minuten auseinander. Wie äußerst praktisch! :) Ich wohnte zunächst zwei Nächte bei Annikas Eltern, dann eine Nacht bei Sophia. Und obwohl ich ein wenig brauchte, um alle dort einigermaßen zu verstehen (es ist zu süß wie ihr redet, Kinder!), fühlte ich mich mega willkommen! Einfach so liebe Familien und so eine tolle Zeit!

Wir entspannten uns bei plötzlich schönstem Sonnenschein und warmen Frühsommertemperaturen am See, schauten uns Schwäbisch Hall an und saßen lange im Garten, um zu reden.

Schwäbisch Hall ist eine Stadt, die zwar irgendwie jeder kennt (als wären wir nicht alle vollkommen werbegeschädigt), zu der man aber trotzdem nicht unbedingt zum Urlaubmachen hinfahren würde. Was echt traurig ist, denn die Stadt war super schön! Rote Dächer, alte Gassen und ein Fluss, den ein paar urige, überdachte Holzbrücken überspannten. Dann stolperten wir über einen winzigen Weingarten neben einer Infostelle über Salzabbau, der die Stadt einst reich gemacht hatte. Eine entspannte Kleinstadt, die einfach ein zufriedenes Gefühl von Sauberkeit und Ruhe vermittelte. Und trotzdem genug Sehenswürdigkeiten zum Anschauen bot. Wir schafften es nicht einmal alle anzuschauen, weil wir dann in einem Café am Park versackten, etwas Leckeres aßen und tranken und einfach für immer redeten. Es gab keine schönere Atmosphäre, um uns alle auf den neuesten Stand unserer Leben zu bringen. Ich hoffe nur, dass nicht wieder 5 Jahre vergehen, bis wir uns wieder treffen! ;)






 

Am letzten Tag war das Wetter wieder schlecht, aber mit Regenschirmen bewaffnet, konnten Sophia und ich trotzdem noch durch einen ruhigen, kleinen Wald spazieren. Mein in Myanmar gekaufter Regenschirm ist auch in Deutschland ein äußerst wichtiges Reiseaccessoire! :P Danach belohnten wir uns mit dem Rest von Sophias Familie mit einem großen Stück Torte im Café mit den leckersten Torten und Kuchen. Es ist immer gut, wenn man Leute besucht, die kennen die ganzen guten Plätze zum Essen, Entspannen und auch Anschauen.

Glücklich mit dem ersten Teil meiner kleinen Deutschlandreise, musste ich nun langsam meine nächsten Schritte planen. Sophia lud mich natürlich ein noch eine Nacht zu bleiben, da sie eh im Homeoffice arbeitete. Und ich dachte auch wirklich darüber nach, aber so sehr ich auch einfach entspannt dort bleiben wollte, wo es die besten Menschen und gutes Essen und noch ein paar unbesichtigte Sehenswürdigkeiten und Kuriositäten, wie z.B. eines der teuersten Gemälde in einem deutschen Museum, zu sehen gab, irgendwann muss ich ja doch fahren und ich hatte nur noch 5 Tage, um pünktlich zum Wochenende in der hintersten Ecke Deutschlands zu sein, in Berchtesgaden.

 

15. Juni bis 19. Juni 2020

Also informierte ich mich und buchte den Zug nach Füssen, wo ich eine nette Unterkunft gefunden hatte mit relativ billigem Einzelzimmer, aber Jugendherbergen-ähnlich, so dass es auch eine moderne Küche gab, was mir sehr gefiel. Dann muss ich nicht so oft Essen gehen. :)

Top, somit war das nächste Ziel Füssen und damit Schloss Neuschwanstein und Schloss Hohenschwangau. Wenn man schon mal im Süden ist, muss man natürlich diese Highlights mitnehmen! Ich freute mich schon sehr! Und natürlich gab es dort auch Berge! Wie wundervoll!

Füssen erreichte ich nach einer recht langen Zugfahrt mit mehreren Umstiegsstationen, aber ohne Verspätung, in wundervoll einladendem, wolkigem Nieselwetter. Bisher tat immerhin die Deutsche Bahn (und alle lokalen Unternehmen) wofür man sie bezahlte, das Wetter dagegen tat sich noch etwas schwer, aber es bekam ja auch kein Geld von mir. Etwas fies war nur, dass in Norddeutschland echt gutes Wetter war und alle Leute anfingen Strandbilder zu posten. :D

Aber gut, kann man nicht ändern und so plante ich abends die nächsten Tage und beschloss auf jeden Fall bis Donnerstag zu bleiben, denn man konnte hier genug unternehmen und mir gefiel die Unterkunft.

Und so fuhr ich am nächsten Tag zur Tegelbergbahn, um damit in die Berge zu düsen und dort oben wandern zu gehen. Keine fünf Minuten später stand ich in einer geschlossenen Wolkendecke und musste etwas lachen. Die Sicht war absolut bescheiden. Somit war ich natürlich auch komplett alleine, als ich auf den Gipfel des Branderschrofen wanderte. Erst ein netter Wanderpfad, dann ging es plötzlich über steilen Fels nach oben. Stahlbänder erleichterten den Aufstieg und solange ich das Seil nicht los ließ, fühlte ich mich auch sicher. Vielleicht half es auch, dass ich dank der Wolken gar nicht sehen konnte wie weit und steil es an diesen Stellen bergab ging. Überrascht fiel mir etwas auf: Ich war auf etwa 1800m Höhe und ich merkte schon hier, dass ich schneller atmete. Ich armes Flachlandkind.


Selbstauslöser..

..oder skeptische Selfiekunst?!

 

Da man eh nichts sehen konnte, wanderte ich also munter weiter mit meinem Regenschirm in die Berge hinein. Ich begegnete maximal drei Leuten, die schnell wieder im Nebel verschwanden. Also stieg ich auf die etwas einfacher zu erklimmende Ahornspitze und dann ging es weiter hinunter in ein tolles Almgebiet.



Saftig grüne Wiesen, gesprenkelt mit bunten Farbtupfern der Wildblumen, die dort wuchsen und im Hintergrund die dunklen Silhouetten der Nadelbäume vor manchmal aus den Wolkenschwaden herausschimmernden Felsformationen. Was für eine magische, geisterhafte Welt. Wäre vor mir ein Irrlicht aufgetaucht, hätte mich das kaum gewundert und ich wäre ihm ohne zu zögern sofort gefolgt. Vielleicht war es hier sogar schöner im Regen als es im Sonnenschein je sein könnte.



 

Da das Gras natürlich klitschnass war, dauerte es auch nicht lange, bevor mein Hosenboden Bekanntschaft mit dem matschigen Weg machte. Juhu. Na, immerhin fiel ich weich, was man etwa eine halbe Stunde später nicht sagen konnte, als ich auf einer absolut nicht trittsicheren Holzbrücke ausrutschte und unangenehm auf meinem Steißbein landete. Es ging so schnell, ich bekam nicht mal mit, dass ich fiel.

Der Rest des Weges führte leider an einer Forststraße entlang, die zwar genauso leer war, wie der Rest der Berge, aber halt auch nicht wahnsinnig schön. Ich war also froh, als ich den Teil endlich hinter mir hatte und plötzlich das Schloss Neuschwanstein vor mir auftauchte! Ein verwunschener Wald, der zu einem Märchenschloss führte. Was für eine verrückte Welt war dies? Ich besuchte die berühmte Marienbrücke, von der man den tollsten Blick auf das Schloss hatte. Coronabedingt musste man hier eine Maske tragen, aber es war nicht wirklich voll, denn die Horden von asiatischen Reisegruppen, die sonst diese Gegend belagern sollten, waren nicht da. Nur ein paar deutsche Touristen, die Heimaturlaub machten, ein paar junge Paare und ein paar Familien. Naja, und ich.


 

Ich ging durch eine hübsche Schlucht weiter hinunter, ließ aber die beiden Schlösser erst einmal aus und ging an einem ruhig zwischen den Bergen gelegenen See vorbei über Wiesen zurück nach Füssen. Ich war über 7 Stunden unterwegs gewesen, hatte nicht wirklich eine Pause gemacht und dabei 23km zurückgelegt. Erstmal Beine hochlegen!


 

Eigentlich wollte ich es am nächsten Tag etwas ruhiger angehen.. aus Gründen.. und mir entspannt die Schlösser anschauen, aber ich bekam nur noch für den übernächsten Tag einen Termin für eine Führung im Schloss und so ging ich halt wieder bei mäßig gutem Wetter in die Berge. (Jannis ist nun im September dort unterwegs gewesen und hatte erzählt, dass die Termine für Schlossführungen schon Wochen oder sogar Monate im Voraus ausgebucht sind, da die Gruppengrößen ja immer noch reduziert waren. Ich hatte also wohl doch ziemlich Glück gehabt, dass ich überhaupt so spontan einen Termin hatte buchen können.) Immerhin regnete es nicht und auch die Sonne zeigte sich. Allerdings nur im Tal. Sobald ich mit der Breitenbergbahn nach oben fuhr, verschwand ich wieder in einer geschlossenen, grauen Wolkendecke. Hurra. Das kannte ich ja schon, also los.

Die Berge hier sahen anders aus, weite Almen mit Kühen, deren große Glocken schon von weitem zu hören waren. Durch die dicke Watteschicht der Wolken wurden die Klänge jedoch seltsam stumpf über die Fläche getragen. Zumindest die Gegend rund um die Bergstation war sehr offen, auch wenn die Sicht nicht besonders gut war.

Ich musste kurz nach dem Start meinen Plan etwas abändern, da der Weg, den ich auf einen Gipfel nehmen wollte, gesperrt war. Ein ziemlich neu aussehendes Schild informierte einen über einen Steinschlag und ich beschloss diesem zu glauben. Also stapfte ich in die andere Richtung los, denn laut Karte sollte man trotzdem auf den Gipfel steigen können, nur halt von der anderen Seite. Und in diesem Fall musste man auch denselben Weg wieder zurück und konnte keinen Rundweg gehen. Aber was soll's. Also machte ich mich auf den Weg hinein in die Berge. Gelegentlich gab es nun auch Nadelbäume und die Wiesen wurden felsiger je höher ich kam. Einzelne Wolken hingen an den steinernen Bergflanken - es war wieder wunderschön!


 

Es war Mittag als ich an einer kleinen Hütte vorbei kam, die auch Essen anbot, aber da von dort der Weg auf den Gipfel startete, beschloss ich diesen zunächst abzuhaken und dann zum Essen einzukehren. Der letzte Rest des Weges war auf drahtseilgesichtertem Fels, den ich flink hinauf stieg.

Gipfel, Aggenstein, 1987m.

Ich hatte dann auch Glück, dass ich alleine oben war und die Aussichten genießen konnte, denn für kurze Zeit riss die graue Wolkendecke auf und offenbarte weit unten das grüne Tal. Auf der Felsenstrecke überholte ich ein paar Leute, die wirklich nicht aussahen, als sollten sie in den Bergen herumkraxeln, aber nun gut, sie überlebten.




Mit den ersten großen Regentropfen kam ich dann wieder bei der Hütte an und bestellte mir warme Suppe und etwas zu trinken. Ich wollte den Regen abwarten. Leider entpuppte sich dieser jedoch als Dauerregen und so musste ich mich einige Zeit später mit Regenschirm auf den Weg ins Tal machen. Den groben Plan noch ein paar weitere Gipfel mitzunehmen, hatte ich direkt wieder verworfen. Es dauerte immerhin noch ein paar Stunden bis ich wieder unten war und je rutschiger der Boden wurde desto weniger lustig wurde die Wanderung in den Bergen.


 

Mein Glück schien mich heute irgendwie verlassen zu haben, denn ich kam passenderweise genau so unten an der Bushaltestelle wieder an, dass ich eine Stunde auf den nächsten Bus warten durfte. Im Regen. Ich googelte Alternativen, aber jeder frühere Bus fuhr vom nächsten Dorf und das war 6km entfernt. Aber dann hatte ich den rettenden Einfall, ging zur Straße und streckte meinen Daumen heraus. Und mein Glück war wieder da! Direkt das zweite Auto hielt an und nahm mich mit. :) Der nette, junge Mann arbeitete in Österreich und war auf dem Nachhauseweg und stellte nach ein paar Minuten die spannende Frage: „Ist es eigentlich erlaubt in dieser Zeit Anhalter mitzunehmen?“ Corona und so. Wir wussten es beide nicht und ich hatte auch überhaupt nicht mehr daran gedacht gehabt. Upsi.

Aber ich kam früher nach Hause zurück, war nicht komplett durchgefroren - was auch ganz nett war - und gönnte mir erstmal eine lange Dusche.

 


Und dann war endlich der entspannte Chilltag da, an dem ich mir nur die beiden Schlösser etwas genauer anschauen wollte. Ich schlief etwas länger und machte mir einen entspannten Vormittag, denn die Führung durch das Schloss Hohenschwangau startete erst gegen Mittag. Da ich etwas zu früh oben beim Schloss war, konnte ich noch ein wenig durch einen kleinen Wald oberhalb des Sees wandern. Ruhige, alte Bäume, Ruinen auf einem kleinen Hügel inmitten des Waldes, die langsam von der Natur zurückerobert werden. Schön.

Dann fing die Führung an, die wegen der angespannten Corona-Situation nur in ganz kleinen Gruppen stattfinden durfte. Ich beschwerte mich natürlich nicht darüber. ;) Keine Busladungen voll asiatischer Touristen und eine familiäre Führung mit netten Leuten. Könnte schlimmer sein. Allerdings durfte man im gesamten Inneren des Schlosses keine Fotos machen, was mich kurz etwas ärgerte, aber dann sah ich das Positive daran: Ich würde mich viel besser auf die Führung, den Inhalt und meine Umgebung konzentrieren können!

Ich hatte vor einiger Zeit gelesen, dass man sich Dinge, von denen man Fotos macht, nicht so gut merkt. Und als ich bei mir selbst darauf achtete, bestätigte sich das auch. Ich versuche mir Sachen nun etwas genauer anzuschauen, darüber nachzudenken und bewusster aufzunehmen, auch wenn ich vor habe ein Foto davon zu machen. Ob das hilft, weiß ich nicht genau, aber ich hoffe es. :) Schon verrückt was das Gehirn so macht mit einem.

Ich hatte absolut Null Vorwissen über die bayrische Königsfamilie und saugte daher alles über das Leben von Königin Marie, die Wandern in den Bergen liebte und einige Gipfel als erste Frau bestieg, und ihre beiden Söhne auf. Ihr älterer Sohn war der spätere Märchenkönig Ludwig II, der auch das Schloss Neuschwanstein erbauen ließ, das man aus seinen Schlafzimmerfenstern sehen konnte. Faszinierend war, dass das Schloss Hohenschwangau noch immer im Besitz der Familie Wittelsbach ist, auch wenn diese es schon seit langer Zeit in ein Museum umgebaut hat. Hier gab es auch den ersten Fahrstuhl Bayerns. Die ausgestellten Stücke und das Mobiliar sind jedoch original und waren von der Familie in Benutzung gewesen. Es war super spannend und erstaunlich kurzweilig!

 

Einziges Foto, das wir machen durften: Blick aus dem Fenster auf den romantischen See vor der Bergkulisse. Wenn man bei so einer Sicht nicht zum Träumer wird, weiß ich auch nicht!

 

Nach dem Ende der Tour konnten wir uns noch die schönen Gärten anschauen und das in der Sonne leuchtende Orange der Schlossmauern bewundern. Wieviel schöner kann Schloss Neuschwanstein sein, wenn Hohenschwangau schon so wunderschön ist?!



 

Um das herauszufinden, lief ich zu den weiß leuchtenden Mauern mit den verspielten Türmchen auf dem nächsten Hügel und schaute mir das Schloss Neuschwanstein noch einmal von Nahem an. Irgendwie hatte ich erwartet, dass es kleiner wäre, warum auch immer. Eindrucksvoll und märchenhaft! Wo ist die Disney-Prinzessin und wo kann ich den Drachen besiegen gehen, bitte?

Es war auch gar nicht so voll, denn mein Verbündeter, der Pandemie-Virus, ließ nur einen winzigen Bruchteil der über 1,5 Millionen jährlichen Touristen hier erscheinen. Die Hotels hatten gerade erst wieder öffnen dürfen und Ferien waren auch noch nicht. Hurra! Wikipedia sagt dazu:

„Der Nimbus des „Märchenkönigs“ übt offensichtlich auf die Umwelt eine derartige Faszination aus, dass jeder Versuch, die Besucherströme auf andere, weniger besuchte Objekte abzulenken, bisher vergeblich war und wohl auch bleiben wird.“



 

Irgendwie war ich dann auch schon wieder genug gelaufen für einen Tag und so beschloss ich die Pferdekutsche nach unten zu nehmen. Weil mein verrücktes Reiseglück mal wieder zuschlug, zahlte ich auch nichts, denn die Kutscherin dachte, dass ich zu dem Mann mit kleinem Kind gehörte, die mir gegenüber saßen. Als ich bemerkte, dass er für mich mitgezahlt hatte, wollte ich ihm mein Geld in die Hand drücken, aber er wollte es nicht haben. Was für ein netter Mensch! Musste den Jungen auch nicht adoptieren im Gegenzug. Puh.

Ich gönnte mir zur Feier des Tages noch leckere Käsespätzle, denn heute war schon wieder der letzte Tag hier und morgen würde es weiter gehen nach Berchtesgaden. Mehr Berge und weniger Schlösser! Ich freute mich schon riesig auf meine gebuchte Klettersteigtour!