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Donnerstag, 18. November 2021

Urlaubsgrüße aus dem Corona-Sommer 2021 - Teil 2

Licht und Schatten muss es geben,
soll das Bild vollendet sein,
wechseln müssen drum im Leben
finst're Nacht und Sonnenschein.

Die Rückreise von London nach Deutschland war relativ entspannt, wenn man davon absieht, dass der Flug verspätet losflog und ich in der Warteschlange vor einem SEHR WICHTIGEN und leider auch relativ lauten Geschäftsmann stand, der gerade die Welt rettete. Mindestens. Auf jeden Fall war er alle paar Minuten in einem neuen hochwichtigen Telefonat, mal auf Deutsch, mal in wundervollem akzentbeladenem Englisch. Die Iraner wollten dies, aber die Finnen das und deswegen muss der Typ in der Türkei das machen..? Naja, ich war auf jeden Fall nicht wirklich gut gelaunt als ich endlich in Hamburg landete und mich auf den Weg nach Bremen machte. Willkommen zurück.

Dafür war das Wetter ganz gut und am nächsten Wochenende stand schon die nächste kleine Reise an. Mal wieder nach Hamburg. Bis dahin nahm ich noch an der ersten selbstorganisierten Volksabstimmung (zur Bundestagswahl 2021) teil und setzte meine Kreuzchen bei den 4 Diskussionspunkten:

  1. Widerspruchsregelung bei der Organspende
  2. Keine Profite mit Krankenhäusern
  3. Volksabstimmung auf Bundesebene
  4. Klimawende 1,5 Grad

Vermutlich haben deutschlandweit zu wenig Menschen teilgenommen, dass diese Wahl eine große Auswirkung hat, aber vielleicht denke ich auch zu pessimistisch. Wir werden sehen. Anscheinend wird für 2022 wieder eine Abstimmung organisiert, also falls jemand Interesse hat einfach auf den Link klicken.

Carmen und ich fuhren dann am Freitag von Bremen aus zusammen los, trafen am Hauptbahnhof in Hamburg Mustafa und fuhren mit ihm gemeinsam zu einem langen Wochenendbesuch bei Britta! :) So ewig nicht gesehen und schon gar nicht zu viert – es war einfach toll so entspannt wieder Zeit zusammen zu verbringen. Wir gingen abends lecker essen und gönnten uns zum Nachtisch vor dem Spaziergang an der Alster ein Eis. Das coole an dieser Eisdiele: Man bestellte sich seine normale Auswahl an Sorten, aber dann bekam man obendrauf noch eine Mini-Probierkugel. Was für ein geniales System! Natürlich suchte ich mir eine etwas merkwürdigere Sorte aus, die ich im Normalfall nie bestellen würde aus Angst, dass sie nicht schmeckt. Ich wurde positiv überrascht und sollte ich jemals eine Eisdiele eröffnen (wenig wahrscheinlich), dann wird das System auf jeden Fall auch eingeführt.

 


Am nächsten Tag nutzten wir den warmen Sonnenschein, um uns Kanus auszuleihen und damit durch die Kanäle zu paddeln: etwa 8km durch Osterbekkanal, die Außenalster und dann zurück durch den Goldbekkanal und Barmbeker Stichkanal. Carmen und ich teilten uns ein Kanu und mussten direkt den anderen beiden hinterherschauen, wie sie wettkampfmäßig davonrasten. Wir landeten nämlich erstmal in irgendwelchen überhängenden Ästen und hielten dann an einem fast ins Wasser hängenden Brombeerstrauch an, von dem wir die Beeren naschten. Ha! Gleichmäßig langsam paddelten wir entspannt hinterher und genossen es auf dem Wasser unterwegs zu sein. Oft fuhren durch den Schatten, so dass es nicht allzu heiß wurde. An der Außenalster öffnete sich der Kanal dann und man konnte noch viel mehr Kanus und andere Wasserfahrzeuge dabei sehen, wie sie auf dem See hin und her fuhren. Wir hatten beschlossen den längeren Weg wieder zurückzunehmen, auch wenn es langsam anstrengend wurde, und so banden wir unsere Kanus vorne zusammen und paddelten zu 4. dem Ziel entgegen. War vermutlich nicht die kraftsparendste Art sich fortzubewegen und schnell manövrieren konnten wir auch nicht mehr, aber so hatten wir zumindest mal Zeit alle zusammen zu hocken und zu reden.

Den Wein abends hatten wir uns auf jeden Fall verdient und das einzig negative Erlebnis dieses Besuchs war der Verlust eines Teils meines Backenzahns, der heldenhaft versucht hatte gegen einen Splitter eines Olivenkerns zu gewinnen. RIP.

Natürlich darf ich auch nicht vergessen den Poetry Slam Wettbewerb zu erwähnen, den wir noch besucht hatten. Er war Teil des Hammer Stadtfestes und bei einem Stadtteil mit dem Namen „Hamm“ bieten sich natürlich so einige tolle Wortspielmöglichkeiten: von Hammer Pizza bis zur Hammer Kirche war alles dabei. Der Poetry Slam war natürlich hammer, was sonst, auch wenn ich zugeben muss, dass ich den Moderator / Einheizer grässlich fand. Wer nur Witze machen kann, indem er andere Leute oder Sachen schlecht macht, sollte es vielleicht lassen. Am Ende seines Gelabers lachte kaum noch jemand und das Klatschen kam verhalten… Gut, dass die anderen Teilnehmer dagegen wirklich unterhaltsam waren!

Mustafa und ich fuhren am Sonntag dann schon etwas früher in Richtung Heimat, wobei das bei ihm Ausnahmsweise mal Bremen war - wodurch wir zusammen fahren konnten. Denn ich wollte noch hoch nach Bremerhaven, da Insa dort ihren Marathon lief. Leider hatte ich das Pech den Zug nach Bremerhaven gerade verpasst zu haben, aber immerhin kam ich bei Regen noch vor Insas Zieleinlauf dort an und gesellte mich zu ihren Eltern und Alexander. Vermutlich besser als 30° und schwüle Hitze, war der Dauerregen doch auch etwas nervig für uns arme Zuschauer. :D Insa lief sogar schneller als die Zeit, die sie sich als Ziel gesetzt hatte und war zwar fertig, aber auch ziemlich glücklich darüber diese Leistung hinter sich gebracht zu haben. Respekt! Ich wäre schon für das monatelange Training zu faul gewesen.

Da Mama und Papa im Urlaub in Dänemark waren, hatte ich das Haus für mich, musste allerdings auch kochen. Mist. Erwachsen sein ist hart. Zumindest hatte ich genug Ruhe meine Kurse und Lernsachen voranzutreiben und war ziemlich glücklich. Die Woche ging schnell vorüber.

Am nächsten Wochenende fuhr ich nämlich schon wieder nach Hamburg. Diesmal mit Miri und unseren Rädern, denn Dani kam aus Celle und zu dritt wollten wir das Wochenende bei Mena verbringen. Der Metronom zwischen Bremen und Hamburg ist mittlerweile zu einem wirklichen Ärgernis geworden – von den 4 Fahrten in den letzten Wochen, waren zweimal meine Züge ersatzlos gestrichen worden, so dass ich entweder eine Stunde hätte warten müssen oder halt den Bummelzug nehmen durfte, was ja auch quasi 45 Minuten Warten gleichkam. Miri und ich hatten also ziemlich Spaß den nächsten fahrbereiten Zug nach Hamburg zu finden, denn die Anzeigen wurden 10-mal geändert, mindestens 2 Züge fielen aus und einer kam planmäßig eine Stunde zu spät. Naja, wir nahmen dann den superlangsamen Metronom, standen schon 15 Minuten zwischen dem Hauptbahnhof und der nächsten Haltestelle, die ja noch in Bremen liegt und waren etwas knartschig. Als uns dann irgendwo kurz vor Buchholz der Metronom, der eine Stunde nach unserem ausgefallenen Zug in Bremen losgefahren war, überholte, konnten wir nur noch mit dem Kopf schütteln. Und da wundert man sich, dass in Deutschland so viele Leute mit dem Auto fahren…

In Harburg stiegen wir dann aus und hatten einen kleinen Kampf mit den etwas zu kleinen Aufzügen. Wer baut denn bitte Aufzüge in Bahnhöfe, in die Fahrräder nicht reinpassen?! Mit einem Trick, bei dem man das Rad schräg reinschiebt, aber das Vorderrad in die andere Richtung abknickt, konnte man sich gerade so hineinquetschen. Ich hatte schon aufgeben wollen, aber Miri schaffte es irgendwie, also musste es bei mir ja auch gehen. Dani erzählte uns später, dass sie es nicht geschafft hatte und ihr Rad die Treppe hinaufgetragen hatte.

Miri und ich fuhren also endlich rein in die frische Abendluft – über ein paar Brücken über die Süderelbe und erstaunlich schöne grüne Parks nach Wilhelmsburg.

 

Süderelbe bei Sonnenuntergang - Stadtfest in Veddel

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir mit zu viel Kräutertee (ich schwöre der hat merkwürdige Nebenwirkungen), zu wenig Schlaf und langen Gesprächen hauptsächlich in der WG-Küche. Am Samstag war ein Stadtfest in Veddel, zu dem wir mit den Rädern fuhren, auch wenn das Wetter nicht so schön war. Es regnete ein wenig und es war echt kalt für August, so dass das stundenlange Stehen und Sitzen ohne viel Bewegung irgendwann unangenehm wurde. Nach einer spannenden Podiumsdiskussion über Waffentransporte aus dem Hamburger Hafen und die Rüstungsindustrie in Deutschland – wir hatten weiße Tauben an unseren Jacken befestigt, falls jemand raten möchte wie meine Meinung dazu aussieht – holten wir uns also schnell jeder eine heiße Schoki aus einem kleinen türkischen Café um die Ecke. Dann kam Livemusik, die durch harten Techno eingeleitet wurde, was irgendwie niemanden wirklich zum Tanzen ermutigte. Der Rap- und Hip-Hop-Gesang kurz darauf war schon eher geeignet.

Wir machten uns aber irgendwann recht ausgekühlt wieder auf den Rückweg zurück zu unserem Tee. :D

Nach einem entspannten, späten Frühstück fuhren Miri und ich wieder zurück und weil wir dieses Mal Spiele spielten im Zug, wurden wir sogar von der plötzlichen Ansage überrascht, dass der nächste Halt schon Bremen wäre. Hilft aber auch, wenn der Zug nicht mehr als eine Stunde Verspätung hat.

Und weiter im Leben. :) Ich ging montags zum Korbballtraining, an anderen Tagen vormittags, wenn alles ruhig war, zum Bouldern und irgendwann schloss ich auch endlich den Programmierkurs ab. Beziehungsweise den zweiten, denn weil es so viel Spaß gemacht hatte, hatte ich mir noch einen weiteren Kurs bezahlen lassen von der Transfergesellschaft. Hihi. Super Konzept sich bezahlen zu lassen, während man studiert und andere interessante Sachen lernt.

 

Buchlesung im Café Concordia
 

Der nächste Freitag kam schnell und diesmal kam Britta nach Bremen, denn in Carmens Café fand eine Buchlesung statt. Irgendwie war die PR für die diesjährige „Bremen liest – Die lange Nacht der Bremer Buchhandlungen“ ziemlich mies, denn ich hatte absolut gar nichts davon mitbekommen. Neben Carmens Café ist eine kleine Buchhandlung, die aber durch die Corona-Auflagen nur 3 Leute hätte reinlassen dürfen und so fand die Lesung im größeren Café statt. Britta, Anika und ich schnappten uns ein Sofa, das auch noch ziemlich nah an dem Rednerpult stand, und machten es uns gemütlich. Erstmal `nen Smoothie und dann ein wenig Wein. Sehr zivilisiert. Bis nach der Lesung, denn wir blieben noch während das Café geschlossen wurde und tranken die Reste der offenen Weinflaschen aus. Ein Dienst an der Allgemeinheit und gegen Lebensmittelverschwendung. Meine Leber sagt bitteschön.

Die Lesung war ziemlich cool, denn das Buch war von einem Slam-Poeten / Komiker geschrieben worden und dementsprechend waren die Geschichten kurzweilig und er konnte sie auch gut vortragen. Interessant war es auch die älteren Stammkunden des Buchladens zu beobachten, da die Themen doch eher - sagen wir - modern waren. Ein paar lachten sich schlapp, ein älterer Herr war nicht so amused. Wir quatschten nach der Lesung noch kurz mit dem Autor (Kolja Fach, falls es jemanden interessiert), der ziemlich nett war und kauften alle sein Buch, denn man kann nie früh genug Weihnachtsgeschenke shoppen gehen. :P

Am nächsten Tag trafen wir uns mit der Spielegruppe bei Amelie, wo es Flammkuchen, Federweißen und tolle Gespräche, aber keine Spiele gab. :D Und am Tag darauf ging ich mit Insa Indisch essen. Wenn ich nicht am Montag immerhin wieder Training gehabt hätte, wäre ich wahrscheinlich einfach 5kg schwerer geworden.

Creepy nach-dem-Duschen-Selfie

Denn am Dienstag startete schon mein nächster Kurztrip. Saskia hatte mich überredet mit ihr Urlaub zu machen (das war nicht schwer gewesen) und anstatt irgendwo in der Nähe zu landen, weil wir nur wenige Tage Zeit hatten (ich musste am Samstag wieder da sein, weil meine Eltern ihre Geburtstage feiern wollten), flogen wir nach Paris. Oje, mein armer CO2-Fußabdruck. :/ 

Wir hatten ein Hotelzimmer in der Nähe des Gare du Nord, was uns die Anreise erleichterte, da wir einfach nur mit dem Zug reinfahren mussten und eh nur mit Rucksäcken als Handgepäck geflogen waren. Wir wurden aus irgendeinem Grund auf ein größeres Dreierzimmer geupgraded, wozu wir nicht nein sagten, und richteten uns entspannt ein. Die Leute waren super lieb und Saskia hatte im Flugzeug noch versucht mir 5 Wörter Französisch beizubringen, wobei das eher eine Auffrischung an ihren Französisch Leistungskurs war.

erster Abend - Mission "Essen finden"

Das Wetter sollte sonnig und warm sein die nächsten Tage, so dass wir uns ein paar hübsche Sommerkleider eingepackt hatten. Damit sahen wir scheinbar nicht wie Touristen aus und wurden immer wieder auf schnellem Französisch angesprochen. Die Leute reagierten dann jedes Mal ein wenig überrascht - aber wirklich lieb - wenn sie merkten, dass unser Französisch nicht ganz so gut und in meinem Fall nicht vorhanden war.

Wir hatten uns für den nächsten Tag Tickets für das Louvre gekauft, da wir beide noch nie dort gewesen sind. Laut GoogleMaps sollte ein Spaziergang von unserem Hotel bis zum Louvre etwa eine halbe Stunde dauern, weswegen wir morgens entspannt unsere Sachen packten und uns auf den Weg machten. Es war schon jetzt warm und so suchten wir uns ein schattiges Plätzchen in einem Café, um zu frühstücken. 

 


Obwohl wir uns Zeit ließen, waren wir zu früh am Louvre, so dass wir noch durch die Gärten spazierten und das Wetter genossen. Schlauerweise war unser gebuchter Timeslot in der schlimmsten Mittagshitze – wir sind so klug. :D Es war kühl im unterirdischen Eingang des Museums und bevor wir losliefen, versuchten wir mit der Karte erstmal einen groben Schlachtplan auszuarbeiten. Das Louvre ist viel zu groß, um alles an einem Tag sehen zu können. Also mussten wir Prioritäten setzen. Immerhin war unser Geschmack ziemlich ähnlich, so dass wir uns schnell einigen konnten. Natürlich wollten wir die Mona Lisa sehen, wenn wir schon mal hier sind, und Napoleons kompletten Hausstand... aber auch die Statuen hatten es uns angetan. 

 

Also erstmal hinauf in den Wohnflügel Napoleons.

Die Pracht und Größe der Zimmer waren einfach unvorstellbar. Dies war kein mittelalterliches Schloss, das als Burg zur Verteidigung diente, dies war absolut größenwahnsinnige Verschwendung. Ich muss dringend im Lotto gewinnen, aus mir spricht der Neid. :D Hinter jedem Raum wartete ein neuer Prunkraum, die alle von unterschiedlichen Künstlern entworfen worden waren. Manche Räume waren in klassischen rot-gold Tönen dekoriert, andere hatten grün-schwarze oder vollkommen andere Farbkonzepte. Und natürlich möglichst viel Gold und Kronleuchter überall.

 

Schon allein dieser Bereich war sehr umfangreich und es war schwer herauszufinden, wo auf der Karte man sich gerade befand. Die Dimensionen waren deutlich größer als gedacht. Im gleichen Stock befanden sich dann noch ein paar berühmte Gemälde, die wir uns anschauten wollten. Natürlich war die Mona Lisa auch dabei. Eigentlich war das ganze Museum relativ leer gewesen, aber der Raum vor der Mona Lisa war voll. Man hatte einen Warteschlangenbereich eingerichtet, wo man sich für seinen ganz persönlichen Fotomoment mit der Mona anstellen konnte. Wir verzichteten. Das war irgendwie mehr zum Angeben und nicht, weil dieses Bild tatsächlich so unglaublich ansprechend ist. Ich finde es tatsächlich einigermaßen langweilig und klein. Aber gut, über Geschmack kann man ja immer streiten. :D

Wir schauten uns dann die römischen und griechischen Stauen an, wobei wir sogar die Venus für uns hatten. Überfüllt war das Louvre wirklich nicht.

But first let me take a selfie!

Wir haben die Körper griechischer Statuen!
 

Mittlerweile taten uns unsere Füße auch schon ganz gut weh, so dass wir beschlossen den Sonnenschein wieder aufzusuchen und eine Pause mit ein paar Snacks zu machen. War eine gute Idee, denn wir hatten uns überlegt nun an der Seine entlang Richtung Notre Dame zu spazieren. Die arme Kirche war von Bauzäunen umgeben, auf denen Informationstexte und Bilder über den Brand und die Restaurationsarbeiten aufklärten. Ah, ich kann schon verstehen, dass das die Franzosen hart getroffen hat. Muss schlimm ausgesehen haben. Wir spazierten dann noch rüber auf die andere Seite am Pantheon vorbei, aber wenn man nicht rein geht, kann man sich den Weg vermutlich auch sparen. Am nächsten Park von dort war eine Metrostation, in die wir einstiegen, um uns den langen Weg zurück zu sparen. 

Abends gingen wir dann in Richtung Montmartre, wo wir in einem kleinen Restaurant sehr französisch aßen (keine Schnecken, aber viel Käse) und danach noch zur Sacré-Cœur hinauf liefen, die im dunklen Himmel hell auf dem Hügel strahlt. Hach, schön. Sehr romantisch mit der Saskia.

 


Der nächste Tag startete bewölkt und wir fuhren raus zum Eiffelturm, um dort im Park zu frühstücken. Da wir bisher für den Rest des Tages noch keine Pläne gemacht hatten, saßen wir dort und planten – gibt schlechtere Plätze das zu tun. Mit der nächsten Metro ging es zu den Katakomben. Es tröpfelte ein wenig, also dachten wir, dass es eine gute Taktik sei in den Untergrund abzusteigen. Und es lohnte sich! Alle Informationstafeln waren auch in Englisch und auf dem 1,5 km langen Rundkurs durch die Stollen stillgelegter Steinbrüche sahen wir unendlich viele alte Knochen und Menschenschädel, denn als die Friedhöfe irgendwann ausgelastet waren, hatte man die Überreste der Verstorbenen einfach hier unten gelagert. Auch eine spannende Art der Totenruhe.

 

 

Als wir wieder aus dem Untergrund auftauchten hatte sich das Wetter gebessert und der Himmel war wundervoll blau mit Schäfchenwolken. Ein weiterer schöner Tag und ich genoss die Wärme in den ersten Minuten besonders, denn unten bei den Toten war es doch ziemlich kühl gewesen. Lag aber nicht an den Geistern der Vergangenheit (glaube ich). Wir hatten ein leckeres Mittagessen in einem kleinen Bistro und spazierten dann den Nachmittag über durch einen weiteren hübschen Park der Stadt. Da wir keine Lust mehr auf weiteres Programm hatten, chillten wir dort und genossen die warme Luft bis wir zum Hotel zurückfuhren. Am nächsten Tag ging es auch schon wieder zurück – was für ein entspannter, schöner Kurztrip! :)

 


 

Zuhause kam ich wieder in der Realität an, denn ich hatte mir vor Monaten das Ziel gesetzt ab dem 1. Oktober nicht mehr Zuhause zu wohnen. Nun war September und ich hatte noch keinen konkreten Schlachtplan. Ich wusste, dass ich mit dem Fernstudium quasi überall leben könnte, aber es ist ja auch immer noch Corona und ich wollte schon auch gerne eine längere Zeit an einem Ort bleiben und nicht alle paar Tage weiterreisen oder so. Kopfzerbrechen. Davon aber im nächsten Blog mehr… 

 

Samstag, 6. Februar 2021

...und plötzlich fühlt es sich an wie fliegen

 
You stand strong
In all your eternal glory
While people just pass by.
 
The howling storms circle your head
Broad wings of eagles reaching for the sky
For only you to see.
 
The snow brings quiet peace in winter
Silent tears growing to streams of melting ice
The water forms your face.
 
Untamable
Fractured mystery
Wild.

 

 

Wer hätte es gedacht, ein letzter Blog steht noch aus über die letzten Tage in Chamonix. Ihr müsst also noch einmal Berge ertragen und meine langatmigen Lobpreisungen dazu. :P Oh, und Fotos natürlich, die werde ich euch auch vor die Nase halten… als wären die Berge mein süßes, für andere ein wenig hässliches, neugeborenes Baby. Ich habe versucht mich zurückzuhalten, auch wenn Mark meinte ich solle einfach alle nehmen - danke für die Hilfe. Nicht. :P

Also viel Spaß! :D :)

 

03. September 2020: Nach dem ganzen Faulenzen in Italien nutzten wir den ersten Tag zurück in Frankreich für eine nette Wanderung. Das Wetter war perfekt mit wunderbarem, spätsommerlichem Sonnenschein und so fuhren wir zu einem kurz vor dem Mont-Blanc-Tunnel gelegenen kleinen Wanderparkplatz direkt am Hang der Berge. Von hier hätte man auch in wenigen Minuten den Wasserfall erreichen können, wir wandten uns jedoch in Richtung der Berge. Es würde auf der linken Seite des Glacier des Bossons steil bergauf gehen zu einer alten, verlassenen Liftstation auf etwa 2.400m, der Gare des Glaciers. Vom Parkplatz waren es recht kurze 4,5 Kilometer, wobei wir aber über 1.100 Höhenmeter machen mussten.

Jeder normale Mensch wäre vormittags aufgebrochen, wir schliefen aus und gingen mittags los. Was für ein Leben. Zunächst durch schöne Wälder ging es auf schmalen Pfaden immer weiter nach oben. Rot leuchtende Pilze wuchsen neben dem Weg und manchmal öffneten sich die Bäume zu erstklassigen Aussichten auf die Berge, den Gletscher und das Tal. Schatten im Wald und in der Höhe dann wärmende Sonnenstrahlen im offenen Gelände. Was für ein toller Tag! Ich ging gemütlich voran, denn Mark hatte sich mal wieder verrückte Mengen an Gewicht auf den Rücken geschnallt und so kletterte ich manchmal auf den Resten der Fundamente des Lifts herum, während ich darauf wartete, dass er aufschloss.

Wir begegneten keinem einzigen anderen Wanderer und es sah auch nicht so aus, als wäre seit dem letzten Regen jemand hier langgekommen. Keine Spuren in der Erde und ein Haufen Spinnenweben, in die ich hineinlief. Yay.

 

Gletscher und Aussichten und warmer Sonnenschein

 

Wir kamen schnell voran, wohl weil wir beide echt froh waren uns nach den ganzen gammligen Tagen wieder bewegen zu können und so kamen wir nach etwa 2,5 Stunden bei den verlassenen Gebäuden der Liftstation an und erkundeten die Ruinen. Über uns ragte der Midi in das perfekte Blau des Himmels und rechts daneben erstreckten sich die weißen Gletscher bis zum Gipfel des Mont Blanc. Kann man sich eine schönere Kulisse für eine Gummibärchenpause vorstellen? Es war so ruhig und friedlich dort, dass ich gerne dort gecampt hätte – vielleicht wann anders.

 


Auf dem Weg hinab telefonierte Mark mit einem Guide, den er von früher kannte und der möglicherweise Zeit hatte mit uns in den nächsten Tagen ein kleines Abenteuer zu machen. Ich drückte uns ganz doll die Daumen, dass es diesmal klappen würde. Abends belohnten wir uns dann mit selbstgemachten Fajitas, Marks Spezialität. :P

 

Der nächste Tag wurde entspannter, denn Mark fuhr zum Arbeiten ins Büro und ich schlief erstmal aus. Dann kümmerte ich mich um die Wäsche und machte die Wohnung sauber. Wo ist denn hier der Roomservice? Abends trafen wir uns in Chamonix mit ein paar von den anderen und zogen dann noch einmal weiter zu einer völlig überfüllten Bar, bei der man sich von „Straßenköchen“ indische Pommes und Spieße braten lassen konnte. Erstaunlich lecker. Wir saßen auf schmalen Bänken zusammengedrängt an einem winzigen Tisch draußen und versuchten zu essen, ohne dabei den Nebenmann mit den Ellenbogen aufzuspießen. Ich saß immerhin am Rand und James neben mir konnte sich eh kaum bewegen, da sein linker Arm in einer Schlinge steckte. Es war die lustigste Runde, die ich hier bisher gehabt hatte, so dass ich irgendwann starke Bauchschmerzen vom Lachen hatte. Wir verabredeten uns mit dem spaßigen Kern der Gruppe für den nächsten Tag zum Frühstück und dann trafen wir noch andere alte Bekannte wieder, mit denen wir uns zu einem Spielabend verabredeten. Keine Ahnung was diese Bar gemacht hatte, dass einfach alle dort früher oder später landeten, aber immerhin braucht man so keine WhatsApp-Gruppen, um irgendwas zu besprechen.

 

Sonnenuntergangsaussichten auf den Mont Blanc

Und so waren wir am nächsten Morgen pünktlich um 10 Uhr im MBC und mussten noch auf die anderen drei warten. Ich bestellte schon mal eine ziemlich geniale Heiße Schokolade mit Sahne und als James mit Liz und George reinspaziert kam, musste er direkt auch eine bestellen. Er bereute es nicht. ;) Das Frühstück war super lecker und so konnten wir danach entspannt mit George durch die volle Stadt schlendern. Es war Saisonende und die ganze Stadt hatte einen Sale mit echt guten Rabatten. Bei den ganzen Markenoutdoorläden, die aneinandergereiht die Innenstadt schmückten, konnte man gut Geld ausgeben. Oder ganz viel sparen, wenn man zwar glücklich durch alle Läden spazierte, aber nichts kaufte. Ich spielte allerdings Kaufberatung für Mark. Es war sonnig und voll. Natürlich. Alle lieben Schnäppchen. 

George ging dann irgendwann nach Hause, denn er hatte schon vor dem Frühstück was bei Patagonia gekauft. Aber weil er der liebste Mensch ist, versprach er mir noch seinen Eispickel, Schlafsackinlet und Handschuhe für die Tour in die Berge auszuleihen. :) Wir hatten nämlich die Bestätigung bekommen, dass es klappen würde: Morgen würde es losgehen! Ich lieh mir noch Schuhe und Steigeisen in dem gleichen Laden wie letztes Mal aus, was das Ganze sehr einfach machte, denn ich konnte einfach sagen, dass ich die gleichen Schuhe wie schon einmal wollte, so entfiel das Anprobieren und Schuhe testen.

Abends trafen wir uns dann mit Will, unserem Guide für die nächsten zwei Tage, um ihn schon mal kennenzulernen und fuhren nach einer Stunde weiter ins MBC, wo wir mit Harry und Lucy verabredet waren. Wer die beiden Namen nicht so ganz zuordnen kann: Harry und Lucy sind Teil der coolen Machapuchre-Basecamp (MBC)- und Pokhara-Gruppe aus Nepal und ich konnte noch gar nicht so richtig glauben, dass wir uns alle hier in den Bergen eines anderen Kontinentes wiedertrafen. Harry erzählte uns alles über seine Keto-Ernährung und Lucy machte durch Augenrollen deutlich, dass sie dies schon 200-mal gehört hatte. Hach, ich hatte die Streitereien der beiden vermisst.

 

06. & 07. September 2020: Aiguille d’Entrèves (3.604m) & Dent du Gèant (4.013m)

 

Roter Pfeil: Rifugio Torino. Aiguille d’Entrèves nach links, Dent du Gèant nach rechts


Will holte uns um 9 Uhr am nächsten Morgen ab und ich hätte vielleicht etwas mehr als nur Mango frühstücken sollen, aber hinterher ist man ja immer schlauer. Der Weg war bekannt, denn wir fuhren wieder durch den Mont-Blanc-Tunnel rüber auf die italienische Seite des Mont-Blanc-Massivs und dort mit dem Lift und der sich drehenden Gondel - 360°-Blick auf die Berge und das Tal - hoch zur Rifugio Torino auf 3.375m. Hier würden wir die Nacht verbringen, so dass wir schon mal das meiste unseres Gepäcks dort lassen konnten.

Und dann ging es auch schon los: Rein in die Klettergurte, Schuhe an, Steigeisen in die Hand und raus auf den Gletscher. Ich wurde wieder in die Mitte genommen und angeseilt. Ich kam mir vor wie ein kleines Kind, das sich noch nicht selbst anziehen kann, weil Will meine Knoten festmachte und ich etwas planlos währenddessen in der Gegend herumstarrte. Aber im Zweifel will ich lieber in seinen Knoten fallen als in meinen. :D

Wir folgten dem ausgetretenen Pfad in Richtung „Midi“ und bogen dann links ab. Es ging etwas länger über die Gletscher als beim letzten Mal und an zwei Stellen musste man über Gletscherspalten hüpfen, was Will ohne ein Reduzieren der Geschwindigkeit machte – ich glaube ihm fiel das nicht mal auf – und somit blieb mir nichts anderes übrig als genauso schnell über die Lücke im Eis zu springen. Wenn man keine Zeit hat nachzudenken, ist es auch gar nicht schlimm. Will ging ohnehin ziemlich flott, so dass ich mich nur darauf konzentrierte nicht über meine eigenen Füße zu stolpern und das Seil locker hängen zu lassen.

 

Auf dem Weg zur Aiguille d’Entrèves


Als wir am Einstieg in die Kletterroute der Aiguille d’Entrèves ankamen, hatte ich endlich mal Zeit durchzuatmen und mich umzuschauen. Wir standen in einer grauen Wolkensuppe und nur einmal waren die Wolken aufgebrochen, um einzig die Spitze des Dent du Gèant zu enthüllen. Ein magischer und flüchtiger Bergmoment. Die Wolken bedeuteten, dass wir wohl keine schönen Aussichten haben würden, aber heute war eigentlich primär ein Testlauf für den morgigen Tag, deswegen war es nicht so tragisch. Will wollte heute unsere Kletterfähigkeiten einschätzen, um zu entscheiden, ob wir morgen den Dent angehen würden oder doch lieber etwas anderes machen würden.

Es ging mit leichtem Kraxeln los und wir kamen gut voran. Dann kamen ein paar Abschnitte, in denen tatsächlich geklettert werden musste: Eine Art Kamin mit zwei glatten Wänden hatte es in sich. Man musste sich mit den Füßen rechts und links abstützen und hochstemmen, was auf über 3.000m gar nicht so einfach ist. Die drei oder vier etwas kniffeligeren Stellen schafften wir jedoch ohne Hilfe und so ging es danach nur noch auf dem Grat entlang. Dieser Teil war nicht mehr so anspruchsvoll, aber trotz der Wolken sollte man schwindelfrei sein, denn es ging steil bergab und du versucht da oben über ungerade Felsen zu hüpfen. Es machte Spaß! Den tatsächlichen Gipfel auf 3.600m hätte ich komplett verpasst, wenn Will nicht stehen geblieben wäre, um ein Foto von uns zu machen.

 

Gipfel der Aiguille d’Entrèves (3.604m)

 

Heute lernte ich zwei neue Dinge, die mir morgen hoffentlich etwas Sicherheit geben würden: Das Klettern auf dem Felsen mit Steigeisen unter den Schuhen – was für ein merkwürdiges Gefühl – und das Heruntergehen auf einem Schneefeld, das so steil war, dass ich gar nicht glauben konnte, dass ich dort nicht hinunterfallen würde. Ich saß quasi auf meinem Hintern und streckte vorsichtig ein Bein nach dem anderen nach unten und merkte erst am Ende, dass ich durch die Steigeisen wie ein Gecko diesen steilen Hang einfach hinabgehen konnte. Spannend! Mein Gehirn hatte Schwierigkeiten diesen Fakt zu verarbeiten.

Auf der anderen Seite des Kamms ging es hinab auf den Gletscher, so dass wir auf diesem den gleichen Weg wieder zurück mussten plus ein paar hundert Meter, die wir auf dem Felsen zurückgelegt hatten. Es ging bergauf und Will rannte einfach los... Das war keine normale Geschwindigkeit mehr – nicht mal für jemanden mit längeren Beinen als ich. Nicht mehr heilig. Absolut nicht witzig. Rennen wir halt einen Gletscher auf über 3.000m hoch. In Steigeisen. Warum nicht? Meine Lunge braucht ja auch keine Luft. Meine Muskeln auch nicht. Alles kein Problem.

Es wurde der anstrengendste Teil des Tages und natürlich hatten wir keinerlei Zeitdruck, außer vielleicht unseren Hunger… aber nach einer Pause zu rufen, lässt sich leider nicht mit meinem Stolz vereinbaren und so hechelte ich hinterher. Man könnte denken, dass es ziemlich still ist, wenn man sich über einen Gletscher bewegt, aber die Schritte, die man macht, sind tatsächlich recht laut. Knirschen und Knacken im Schnee und Eis, so dass man eigentlich nur sich selbst hört. Na immerhin hörte so niemand mein angestrengtes Schnaufen. Ansonsten ist es eine tolle Landschaft, besonders bei Windstille: vollkommen ruhig, Geräusche werden vom Schnee geschluckt, kein Verkehrslärm, keine Menschen und klare Winterluft sogar im Sommer. Wir hörten jedoch auch das laute Krachen von herabfallenden Felsbrocken von der Felswand uns gegenüber und man fühlte sich unendlich unbedeutend. Schwarze Felsen wie Fremdkörper auf dem weißen Schnee. Die Natur war hier so rau und ursprünglich, dass Menschen gar keinen Platz zu haben schienen.

 

Ziel für morgen!

Endlich kamen wir bei der Hütte an und Will meinte entspannt, dass wir eine gute Zeit gemacht hätten. Das will ich verdammt auch mal hoffen, so wie mein Körper gerade gestorben ist! Er teilte uns außerdem mit, dass er uns für fit und fähig genug hielt den Dent zu besteigen. Yeah! Ego-Boost.

Es gab leckere Lasagne und ich fiel komplett ausgehungert über mein Stück her, schaffte es aber nicht ganz, worüber Mark nicht traurig war. Wir konnten dann in unser Zimmer ziehen, das wir aus Coronagründen für uns vier alleine hatten, obwohl 8 Leute reingepasst hätten. Mittlerweile war es wunderbar sonnig und so ging ich noch ein wenig in meinen Flip Flops raus auf die Terrasse und genoss die Aussichten auf die Berge.

 


 

Nach einem kurzen Mittagsschläfchen ging ich runter in den Aufenthaltsbereich, wo ich Will fand, der mit einem Mädel quatschte, Lou. Lou war Aspirantin, also in Ausbildung als Bergführer und würde morgen unser zweiter Guide sein, denn wenn man auf den Dent steigt, muss man pro hilflosem Küken einen Guide haben, also eins zu eins Führung. Zu dritt an einem Seil, wie wir das heute gemacht hatten, ist seit ein paar Jahren verboten. Lou sieht gar nicht so krass sportlich aus, wie zum Beispiel Will, der einfach keinen Gramm Fett an seinem Körper hat, und das machte sie sehr sympathisch.

Abends gab es dann für alle, die in der Hütte schliefen, das gleiche Essen ausgeteilt, was erstaunlich lecker war. Ich aß restlos alles auf – hoffe die anderen wurden auch satt, wenn ich schon alles weg mampfte. Ich versuchte auch möglichst viel Wasser zu trinken, denn ich spürte die Höhe mit leichten Kopfschmerzen, aber es war nicht so schlimm, dass ich mir Gedanken machen müsste. Noch ein letzter Blick auf den bunt gefärbten Abendhimmel, dann ging es bald schon ins Bett, denn wir würden nicht allzu lange schlafen.

 

Es überraschte mich wenig, dass ich zweimal das Blink182-Album durchhörte und dann immer noch nicht schlafen konnte. Höhe scheint mein Bedürfnis zu schlafen einfach auszuschalten. Frühstück gab es um 5 Uhr und mich störte der Wecker absolut nicht, denn ich war schon oder immer noch wach. Auch okay. Mark und ich kamen dann jedoch zu spät zum Frühstück, weil wir es irgendwie schafften uns auszusperren, nachdem wir unseren Kram in den „Gear Room“ gebracht hatten. Wir wandelten bei völliger Dunkelheit draußen über gefrorenen Boden, winkten Will und Lou durch ein Fenster zu und versuchten durch eine andere Tür wieder reinzukommen, was uns im Endeffekt nichts brachte, außer dass uns kalt wurde. Naja, es stellte sich heraus, dass wir zu blöd gewesen waren die Tür zum Treppenhaus wieder zu finden (sie war gar nicht verschlossen) und damit wäre dann wohl auch abschließend geklärt, dass wir beide keine Morgenmenschen sind. :D Das Frühstück war nicht mega Gourmet, aber irgendeine komische Eingebung ließ mich alles aufessen, verflucht sei sie. Mein randvoller Magen würde mich noch die nächsten Stunden beschäftigen. Wie man es macht, macht man es falsch. :D

 

Draußen wirkte die Schwärze um uns herum noch kälter als wir unsere Steigeisen anlegten und erst jetzt gab Will bekannt wer mit wem klettern würde: er mit mir und Lou mit Mark.

Will und ich gingen schon vor, weil die anderen beiden noch mit ihrem Seil beschäftigt waren – zwei kleine Lichtkegel im Dunkel der Nacht, die den Schnee vor den Füßen erhellen. Verglichen mit gestern schlichen wir nur so voran und ließen die anderen beiden aufholen. Wir folgten dem Weg in Richtung Aiguilles Marbrèes, ließen die dunkle Felswand rechts liegen und stiegen nun zu dem Teil des Dent du Gèant auf, der aus dem Schnee herausragte. Ich hechelte schon nach kurzer Zeit.

Dann ging es hinauf auf den Felsen und hier fing meine Qual erst richtig an. Ich fühlte mich immer noch nicht wahnsinnig sicher mit Steigeisen auf Steinen herumzulaufen, denn die punktuellen Spitzen unter den Sohlen ließen die Füße mit jedem Schritt auf den Unebenheiten in andere Richtungen wegknicken. Es ging aber irgendwie. Will legte jedoch wieder ein irres Tempo vor und nach kurzer Zeit fingen meine Oberschenkel an zu brennen, mir wurde übel von der Anstrengung und ich bereute das Frühstück mit jedem Atom meines Körpers. Ich litt. Meine Lunge brannte von den rasselnden Atemzügen und der Hoffnung Sauerstoff in meinen Körper zu ziehen. Ich führte bei jedem Schritt innerlich eine Debatte mit mir selbst, ob ich nicht nur nach einer Pause fragen sollte, sondern ob komplett umzudrehen nicht die bessere Wahl wäre. Wir hatten noch nicht einmal wirklich angefangen, wie sollte das denn später werden? Das hier war noch der „leichte“ Teil. Ich zweifelte an mir selbst.

Wir kraxelten auf einem kleinen Grat entlang, als mir auffiel, dass mittlerweile ein leichter hellgrauer Dunst am Horizont die Berge um mich herum erhellte. Im Osten war ein rosa Schleier zu erkennen. Achja, dafür machte ich das hier doch, oder?

 

Lou und Mark kurz vor dem Start der Kletterstrecke

Kurz darauf kamen wir nach etwa 1,5 Stunden bergauf hüpfen an der Steilwand an, die den Beginn des eigentlichen Kletterns markiert. Wir umrundeten eine Kante und plötzlich traf mich ein eisiger Wind im Gesicht und ich zog mir schnell alles an Klamotten über, was ich dabeihatte. Leider musste ich meine Handschuhe ausziehen, um aus meinen Steigeisen herauszukommen und danach war das Gefühl in meinen Fingern weg. Wundervoll. Meine Zehen wurden in den Schuhen auch langsam kalt, es machte keinen Spaß mehr. Ich zitterte am ganzen Körper. Wäre meine Laune etwas besser gewesen, hätte ich die glatten hunderten Meter der steilen Felswand über mir bestaunt, so hatte ich einfach nur noch Angst. Blanker Felsen, die Westflanke des „Zahns“ ragte majestätisch in den sich langsam erhellenden Himmel und schien mich zu verhöhnen. Wie bitte sollte ich da hinaufkommen? Wie?

Da wir auf eine andere Gruppe aufgelaufen waren, mussten wir warten, bis wir endlich starten konnten. Eisige Minuten im Schatten und Wind, denn da wir auf der Westseite klettern würden, würde sich die Sonne bis zum Ende nicht wirklich zeigen.

 

 

Und dann ging es los. Will würde vorangehen, also war ich zwangsläufig die zweite: 8 oder 9 Pitches, also Seillängen, bis nach oben. Es gab ein dickes Tau, das fast auf der gesamten Strecke als Kletterhilfe angebracht war, denn ohne das Tau wäre diese Route für nicht professionelle Kletterer nicht machbar. Beruhigend. Hust. Schon im ersten Pitch hatte ich große Probleme, obwohl es nur um eine Kante herum ging und dann ein kleines Stück nach oben. Doch ich fühlte meine Finger wegen der Kälte nicht mehr und konnte somit das Seil nicht greifen. Ich war kurz vorm Verzweifeln. Technisch war das kein schwieriges Klettern, aber ohne Finger kaum machbar. Ich wünschte mir mein Übelkeitsgefühl zurück, wenn ich dafür wieder warme Hände bekommen könnte. Endlich erreichte ich Will und erzählte ihm von meinem Problem und er gab mir einen lebensrettenden Tipp: Finger ausstrecken und so schnell wie möglich nach unten Schleudern, so drückte ich das warme Blut zurück in die Spitzen. Mit einem leichten Kribbeln kündigte sich mein Gefühl allmählich wieder an. Oh, Wunder und Hoffnung! Jede Sekunde, die ich nun Zeit hatte, würde ich wie ein merkwürdiger Puppenspieler in der Gegend herumfuchteln.

 

Blick nach oben (ich bin einer von den 2 mittleren Punkten)

Es ging stetig bergauf. Immer ging Will vorweg, wobei ich ihn bis auf bei zwei Pitches sichern musste, was bedeutete, dass ich auch in meiner Kletterpause wie wild mit meinen Armen rotierte, um das immer schwerer werdende Seil an ihn nachzugeben. Mein Atem beruhigte sich nicht mehr. War Will angekommen, sicherte er sich innerhalb von Sekunden am Felsen, zog das Seil straff und ließ mich wissen, dass ich mich nun von meinem Ankerpunkt abschnallen und zu klettern anfangen konnte. Immerhin war dieser Teil sehr schnell Routine.

Manche der Abschnitte bereiteten mir kaum Mühe, unter anderem auch der, von dem Will meinte, dass es der schwerste Teil wäre. Man durchquerte eine glatte Wandstelle mehrere Meter ohne wirkliche Tritte bei der man vorsichtig Balancieren musste, aber das war auch beim Bouldern schon immer meine Stärke gewesen. Damit kam ich klar. Aber dann verließen mich an drei bis vier Stellen meine Kräfte. Man musste sich quasi am Seil hochhangeln mit ein wenig Unterstützung der Füße und ich hatte einfach keine Kraft mehr in meinen Unterarmen. Wir waren nun knapp unter der 4.000m-Grenze und das Klettern hatte seinen Preis. Ich versuchte das Tau zu greifen, doch nach weniger als einer Sekunde rutschten meine Hände schon ohne mein Zutun ab, ich hatte keine Chance. Ich baumelte in meinem Klettergurt, versuchte meine Arme zu entspannen und zumindest ein wenig Kraft zurück zu bekommen. Unter mir hunderte Meter freier Fall, aber daran dachte nur der kleinste Teil meines Gehirns. Will sicherte mich so eng, dass er mich bei jeder noch so kleinen Anstrengung meinerseits ein Stück höher zog, so dass ich es irgendwie durch diese Stellen schaffte. Als hätte ich einen Autounfall gehabt, konnte ich mich später nicht mehr richtig daran erinnern, ich war körperlich ziemlich am Ende.

Irgendwo zwischen Pitch 3 und 4 hatten wir die Gruppe vor uns überholt - Will rannte offensichtlich auch noch am Felsen den Berg hinauf – und somit kamen wir als erste am kleineren Gipfel an. Hier wurde es noch einmal spannend, denn man musste sich nun rückwärts an einer wirklich gruseligen Stelle an einem Seil herablassen und dabei einen großen Schritt über eine Spalte machen. Ich schaute nicht hinab. Wenn das Gehirn nicht weiß, dass du dich gefühlt gerade umbringst, dann kann es auch nicht in Panik geraten, oder?

 

Mark auf dem kleineren der beiden Gipfel kurz vor dem Ziel

Wir waren nun zwischen den beiden Zacken, die dem Dent du Gèant sein charakteristisches Bild eines Riesenzahns verliehen und somit so gut wie da. Nur noch ein kurzes Stück auf den eigentlichen Gipfel und dann war ich oben. Will wurde umarmt und ich dankte ihm tausendmal, dass er mich hier hinaufgeschleppt hatte. Als perfekter Gentleman meinte er, dass ich das selbst geschafft hätte und dass es eine tolle Leistung gewesen ist, aber hätte er mich nicht an den paar Stellen quasi am Seil hinaufgezogen, würde ich vermutlich immer noch irgendwo an der Wand hängen und überlegen dort nun einfach zu wohnen.

Der Gipfel war nur ein paar Meter lang, aber man konnte sich erstaunlich bequem in eine Spalte hineinsetzen, die auch noch windgeschützt war. Sonne flutete auf uns herab und ich kam mir vor wie im Himmel. Erstmal ankommen und realisieren, dass ich es geschafft hatte. Ich war wirklich hier oben auf knapp über 4.000m. Was für ein wahnsinniges Glücksgefühl!

 

Erstmal Füße hochlegen...

Der tiefblaue Himmel erstreckte sich zu allen Seiten, der nächste Gipfel war weit weg, wir schwebten in der kalten, klaren Luft, wie der Horst eines Adlers. Steilwände wie die Mauern eines Turms, unten schneeweiße Gletscher und schwarze Felsen. Der Mont Blanc sah nie näher aus und war doch so weit weg, die Grand Jorasses ragten auf unserer anderen Seite auf, überblickt von der Marienstatue, die mit uns den Gipfel teilte. Es war so ein perfekter Ort, dass man fast anfangen könnte an Gott zu glauben.

Marias Kopf war ein wenig angeschmolzen… Blitzschläge. Wie verrückt es hier oben bei einem Gewitter sein musste.

 



 
Will und ich mit der Marienstatue

Endlich hatte ich ein bisschen Zeit für Fotos und Videos, denn Lou und Mark waren etwa 45 Minuten hinter uns. Erst als wir wieder Zuhause waren, machte ich mir darüber Gedanken. Will war so schnell hinaufgeklettert und hatte mich dadurch zu einem ähnlichen Tempo gezwungen, dass ich vielleicht mit mehr Pausen und längeren Ruhezeiten die kniffeligen Stellen auch ohne Hilfe geschafft hätte. Ich hatte aber nicht ein einziges Mal wirklich Luft schnappen können. Es war aber auch egal, denn langsam stellte sich bei mir auch der Stolz ein. Ich hatte nie in meinem Leben etwas Vergleichbares gemacht und ich war wirklich über mich hinausgewachsen. Die andere Gruppe, die wir überholt hatten, kam irgendwann an, teilte Gipfel-Schokolade mit uns und dann waren wir wieder allein. Ein paar erhabene Minuten in perfekter Stille. Gab es noch andere Menschen außer uns auf dieser Welt?

Als Lou und Mark endlich den Gipfel erreichten, war Will schon wieder gedanklich am Aufbrechen. Mark hatte rote Flecken auf seiner dunklen Hose und sich ordentlich das Knie blutig geklettert. Ich würde nur einen Haufen blaue Flecken zurückbringen. Wir machten noch ein Gipfelfoto und dann ging es auch schon wieder zurück. 

 

Einmal glücklich aussehen für das Gipfelfoto, bitte!

In meiner ganzen Euphorie hatte ich komplett vergessen, dass ich die ganze Strecke ja auch wieder zurückgehen musste. Damit es sogar noch schneller ging, ließ mich Will einfach am Seil bis zu der Stelle zwischen den Gipfeln hinunter, anstatt mich klettern zu lassen. Er kam dann flink hinterher und brachte das Seil für unsere erste Strecke Abseilen an. Wir würden keinen Prusik benutzen, sondern ein doppeltes Seil, an dem ich mich einfach herablassen sollte. Will würde meine Sicherung sein, also vertraute ich ihm. Er ging vor und verschwand innerhalb von Sekunden aus meiner Sicht. Dann rief er mir zu, dass ich ihm folgen sollte. Nun wurde mir doch etwas mulmig im Magen. Ich drückte die Füße gegen den Felsen und lehnte mich nach hinten in das Seil. Steiler Felsen und unter mir hunderte Meter Luft, dann löste ich vorsichtig meinen festen Griff um das Seil und es fing an durch mein Sicherungsgerät zu gleiten. Ich bewegte mich nach unten.

Die erste Seillänge war noch etwas ruckelig, da ich noch austesten musste wie viel ich nachgeben musste, damit das Seil gleichmäßig durch meine Hände glitt, aber danach wurde ich schneller. Und dann kam der Spaß dazu. Je schneller ich das Seil gleiten ließ, desto mehr fühlte es sich an wie fliegen, ich drückte mich leicht mit den Füßen von der Wand ab, dann landete ich wieder etwas weiter unten an ihr. Was für ein einmaliges Gefühl! Ich schaute hinunter und fühlte mich sicher. Sollte das Seil oder mein Klettergurt reißen wäre ich natürlich tot, aber ich vertraute dem Equipment und genoss das unglaubliche Gefühl durch die Sonnenstrahlen zu schweben.

Nach 5 oder 6 Seillängen und gefühlt nur wenigen Minuten kamen wir auf dem gerölligen Fuß des Dent an und suchten unsere unten liegen gelassenen Steigeisen und Eispickel wieder zusammen. Natürlich lagen sie auf der anderen Seite einer völlig vereisten Stelle, die wir auf unseren Schuhen ohne Steigeisen überqueren mussten. Kann ich bitte lieber noch mal fliegen? Wir brachten Lous und Marks Sachen mit und warteten in den grauen Schatten am Fuß des Berges. Wolken lagen hier unten und ließen die Sonne zu einem warmen Traum vergehen.

In Steigeisen kletterten wir dann die lange Strecke hinab zum Gletscher und ich war gar nicht begeistert. Meine Lunge brannte natürlich nicht mehr, aber durch die merkwürdige Ausbalancierung auf den Stahlzacken knickte ich oft um oder rutschte ab. Will hatte erzählt, dass die meisten Unfälle auf dem Rückweg passierten, wenn man schon erschöpft war und nicht mehr so gut aufpasste. Ich machte drei Kreuze als wir auf dem Gletscher ankamen und dachte nun würde es endlich entspannter vorwärts gehen, aber kaum war dieser Gedanke durch meinen Kopf geschossen, kam auch schon Will an mir vorbeigejoggt (diesmal wortwörtlich) und rannte den Hügel hinunter. Falls es jemand vergessen haben sollte: Wir waren durch ein Seil an den Hüften verbunden wie merkwürdige Siamesische Zwillinge und so blieb mir nichts anderes übrig als ihm so schnell wie möglich zu folgen. Ich stolperte mehr als dass ich rannte, schaffte es aber auf meinen Beinen zu bleiben, bis Will plötzlich stoppte, seinen Rucksack abnahm und sich auf diesen setzte. Pause. Ach was. Er fragte mich, ob ich oben die großen Felsbrocken gesehen hatte, die links und rechts der Spur im Schnee gelegen hatte. Klar hatte ich, sie waren ja nicht wirklich unauffällig gewesen. Jop, die waren wohl gestern alle heruntergekommen und der Grund, dass Will schnell aus dieser Zone herauskommen wollte. Gruselig.

Als Lou und Mark uns eingeholt hatten, durften sie mal wieder keine Pause machen und langsam taten mir beide echt leid. Es ging wieder weiter, noch ein letztes Mal hoch zur Hütte und dann war es geschafft. Wir hatten den Dent du Gèant bestiegen, waren sicher und unverletzt (minus die blauen Flecken und Marks kaputtes Knie) wieder unten angekommen und konnten nun behaupten diesen Berg bestiegen zu haben. Wie krass sind wir eigentlich?!

Glücklich fuhren wir mit dem Lift wieder ins Tal hinunter und gingen Pizza essen. Ich brauchte wie immer am längsten, um mich für eine Pizza zu entscheiden (Mark, tut mir echt leid, dass du immer so lange warten musst), aber dann war meine Wahl wohl so gut, dass sich Will noch spontan umentschied und auch meine Pizza bestellte. Ha, nimm das, Mark!

An der Grenze hatten wir dann ein paar Minuten Spaß, denn wir mussten unsere Pässe vorzeigen – ein lustiger Mix aus Nationalitäten – und dann verfuhren wir uns und mussten eine Ehrenrunde drehen und noch einmal durch die Kontrolle. Hupsi. Warum machen die überhaupt Grenzkontrollen innerhalb der EU?

 


Am nächsten Tag traf ich mich mit Lucy und Harry zum Frühstücken und so passierte ein Wunder: Ich war vor Mark unterwegs.

Hach, wie schön mit den beiden zu reden! Freundschaften, die man beim Reisen schließt, sind einfach so wertvoll. Ich verabredete mich für den Nachmittag mit Lucy zu einem Spaziergang und so liefen wir ein paar Stunden zusammen quatschend durch die Wälder der Gegend. Mark hatte den ganzen Tag versucht telefonisch eine Hütte hoch zum Mont Blanc zu buchen, da wir ja akklimatisiert waren, aber leider erreichte er niemanden oder alles war schon voll. Schade. Also kein Mont Blanc für mich, denn meine Zeit hier neigte sich schon wieder dem Ende entgegen. Unser Alternativprogramm war ein Klettersteig zusammen mit Lucy und Harry, die ihre schweren Rucksäcke mitschleppten, weil sie oben an einem See campen wollten.

Wir kletterten die Via Ferrata des Evettes, die Mark und ich beim letzten Mal schon einmal gemacht hatten. Somit ging ich trotz Muskelkaters in den Armen entspannt an die Tour heran. Wir mussten auch nicht schnell klettern, da Lucy und Harry mit ihren schweren Rucksäcken natürlich besonders in den Überhangstellen zu kämpfen hatten. Aber sie schafften es mit roten Wangen nach oben, wo wir dank des sonnigen Wetters die schönen Aussichten genießen konnten.

Auf dem Weg zurück zur Liftstation verliefen Harry und ich uns einmal für ein paar Minuten, weil wir den falschen Markierungen folgten und dafür den Beginn einer richtigen Kletterroute fanden. Auch schön. Und dann mussten wir auch schon wieder Tschüss sagen. Aber ich bin mir diesmal genauso sicher wie in Nepal, dass es kein Abschied für immer ist. :)

 

Via Ferrata des Evettes: links Lucy, rechts oben Harry

 


Abends waren wir bei Natalie und Burak, die unterhalb von „La Jonction“ wohnten und von ihrem Garten den tollsten Blick auf die Berge hatten. Wir aßen die mitgebrachte Pizza bei diesem großartigen Blick und dem dunkler werdenden Tageslicht auf der Terrasse und gingen dann rein, um ein Spiel zu spielen. Leider gewann Burak mit zwei Punkten vor mir, aber es war trotzdem ein nettes Spiel. :P Und ein echt schöner Abend. Man kann hier in dieser verrückten bergbegeisterten Stadt leicht vergessen, dass es auch noch etwas anderes gibt als draußen zu sein und dieser Abend war einfach wunderbar normal: Gesellschaftsspiel und Gespräche, die sich nicht nur um Bergsport drehten.

Da Mark getrunken hatte, fuhr ich uns in seinem Auto zurück und war sehr froh, dass außer uns quasi niemand so spät noch unterwegs war, denn ich fuhr die ganze Zeit viel zu weit links in der Mitte der Straße. Ich konnte nichts dafür, mein Gehirn machte das automatisch, ich konnte nicht rechts sitzen und rechts fahren. Wir schafften es trotzdem ohne Unfall nach Hause und dann war auch schon mein letzter Tag in Chamonix. Da unsere Mont-Blanc-Pläne ja nichts geworden waren, konnten wir immerhin ausschlafen, nett frühstücken gehen und danach durch die Läden der Stadt schlendern. Abends noch ein letztes Mal nett was trinken in Les Praz, wo wir zu Fuß hingehen konnten und das etwas ruhiger war als das überfüllte Chamonix. Es regnete – natürlich, weil die Berge traurig waren, dass ich schon gehen musste. :D

 

Und dann fuhr ich am nächsten Tag wieder zurück in den Norden. Warum ich während der Zugfahrt wahnsinnig genervt war, erzähle ich mal wann anders.

Jemand sollte mich stoppen, wenn ich von Bergen schreibe. Also: Herzlichen Glückwunsch, du hast es bis zum Ende geschafft und wenn die Pandemie vorbei ist, darfst du dir bei mir einen Cookie abholen.


Peace out.